“mmh… mechthild meint heute”: Ja, ich will. Europa-Bekenntnisse

Europa_cc-by_from_rockcohen

Ich sage es nur ganz leise, psst, Krise. Denn ich kann das Wort nicht mehr hören. Die Euro-Krise knattert über den Köpfen wie eine EU-Flagge im Sturm. Wird sie reißen oder bald Sterne verlieren, weil einige Länder rausfliegen aus der Euro-Zone?

Kaum eine Woche vergeht jedenfalls, ohne dass jemand – ob Kanzlerin, Banker oder Bauer – die Fahne hisst: „Ich bekenne mich zum Euro“. Bitte? Wie geht das denn? Gut, ich bekenne mich auch, zu Christus, zu Gott, aber doch nicht zu einer Währung. Zumal es schon so einige gegeben hat in den letzten Jahrzehnten. Mammon-Euro-Bekenntnisse machen mir schlicht schlechte Laune.

Ganz anders das Wort „Europa“. Doch. Diese Flagge hisse ich gern, schon, weil sie so schön ist: Blau wie der Himmel mit goldenen Sternen. In dieser Europawoche durften wir ja gleich zweimal feiern, wenn denn jemand gewollt hätte. Am 5. Mai 1949 kamen die ersten Staaten im „Europarat“ unter einer Fahne zusammen. Am 9. Mai wurde die Europäische Union geboren, allerdings 1950, ein Jahr später.

Das heißt, auch wenn man es heute kaum glauben mag: Es ging gar nicht zuerst um Wirtschaft, geschweige denn um den Euro. Nein, man wollte `49 gemeinsam Politik machen. Der Europarat hatte ein Bekenntnis: für Menschenrechte und Frieden.

Das war das Krisenmanagement, damals, nach dem 2. Weltkrieg. Nach der erlebten Hölle in Europa, besann man sich auf den einen Himmel, unter dem wir leben. Gut, das nicht zu vergessen. Besonders jetzt, da die Angst vor dem Euro-Absturz wie schwere Wolken über der Ägäis hängt. Mancher sieht da oben nur noch die Pleitegeier kreisen, in Portugal, Griechenland, Italien. Und bald auch über uns?

Doch der Himmel über Europa ist bejahrt, er nimmt´s gelassen und blitzt immer wieder blau auf. Die Väter und Mütter des Europarats haben nach dem Krieg schlimmere Krisen bewältigt. Warum sollten wir das nicht wieder und weiter schaffen, um der Gerechtigkeit und des Friedens willen?

Die Starken stützen die Schwachen, reichere Länder die ärmeren. Familie eben. Na ja, wenn´s eine gute ist. (Und wenn geprüft wird, wie arm ein Land ist, das sich weigert, seine Reichen zu besteuern… ) Aber das heißt eben nicht einfach zahlen, Schirme aufspannen, Schulden aufnehmen, die Krise - Tschuldigung, psst – einfach den Kindern weiterreichen. Und spätestens die Enkel stehen ohne Schirm da.

Weiter machen, weiter wachsen ohne Ende, das kann ja nix werden. Weiß jedes Kind. Aber anders wirtschaften und so haushalten, dass alle genug haben: Das wäre der europäische Weg. Nein keine Predigt. Andererseits, warum auch nicht? Wo sind die Visionen geblieben? Geben wir auf, sagen „the nations are back“ und die EU ist machtlos?

 

Nein, ich hisse die blaue Sternen-Fahne. Und hoffe, auch wir Christen, die Kirchen in Europa tun das ihre dazu. Genau wie in Brüssel. Ja, ich weiß, der Name dieser Stadt ist zum Synonym für Sesselpupser und Gurkenbieger geworden.

Aber eben darum: Bitte, bitte dorthin keine PolitikerInnen mehr abschieben sondern die besten auswählen für´s gemeinsame Parlament. Dann mal kräftig Fenster auf, Muff raus und ein Hauch von Himmel und Weite ins Denken und in die Herzen. Das wär´s… Ob gegen oder für den Euro, jedenfalls für die Menschen in Europa. Denn wir leben unter einem Himmel. Azurblau mit goldenen Sternen.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Oder nicht?
Eure Träume und Alpträume gleich hier unten beschreiben … 

Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner