“mmh…” mechthild meint heute: Führen und leiden. Kirche ohne Trainer?

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Viertelfinale. Die deutsche Elf ist nach ihrer kurzen Auszeit hoffentlich motiviert, gut aufgestellt und gecoacht. Und wir? Nun ja, bei Kirchens, da fehlt´s offenbar noch. Und zwar an allem: Motivation, Aufstellung, Coaching. Ein Fußballweites Feld. Darum nur einige kleine Beobachtungen dazu…

Auszeit für eine Gruppe von zwölf Menschen, die in der Kirche arbeiten. “Also mein Team, super. Aber unser Chef, wenn ich das hier so sagen darf, na ja…” So fing sie an, die Vorstellungsrunde. Zweites Votum: “Also meine Chefin…” Blick gen Himmel “da schweige ich lieber”. Das Schweigen währt indes nur bis zum leisen Fluch Nummer drei: “Also unsere Leitung, da bin ich jetzt mal ganz offen, ist einfach…” Was folgte, kann ich nicht schreiben.

Die fast einhellige Erfahrung jedenfalls: Leitung wird oft nur erlitten. Und mehr noch, wenn der Seufzer dazu kommt “und das soll Kirche sein”! Immerhin gab es eine Ausnahme: “Mein Chef ist super. Ich werde gehört und ja, er führt auch.” Die anderen Elf fühlen sich von ihren Coaches eher allein gelassen, nicht wahrgenommen, nicht wertgeschätzt. “Die denken noch immer, nicht gemeckert ist schon genug gelobt.” War das Stöhnen in dieser Diakonie-Elf die Ausnahme? 

Ein anderer Eindruck. Dekanswahl. Der Blick von der Trainerbank aus. Wer traut sich noch, zu führen, da sich Kirche gerade neu aufstellen soll, stets neue SpielerInnen suchen muss und das mit dem bescheidenen Etat des 1. FCK? ‘”Wieso tust du dir das an?” Das hört, wer sich derzeit nach einem Amt streckt. Oder es gibt gleich die gelbe Karte: Karrieregeil! 

Wer sich als Spielführer andient, muss damit rechnen, dass mindestens die Elf auf dem Platz, wenn nicht gar alle auf den Rängen die besseren Trainer wären. Zumindest gefühlt. Denn wenn auch kaum einer leiten mag, kritisieren und über die Leitung klagen, das ist Volkssport.

“Ich habe bei ihrer Vorstellung gedacht, ich bin auf der falschen Veranstaltung”, wird die Kandidatin gleich zur Eröffnung der Aussprache angepfiffen. Ganz gleich, ob zu Recht oder nicht. Der Ton ist teils rau wie Trappatonis “ich habe fertig.” Vielleicht ist ja auch “Flasche leer”. Die Strukturdebatten haben von allen Seiten Opfer gefordert. Da bleiben gereizte Töne nicht aus. 

Die Verständigung zwischen oben und unten klappt jedenfalls ähnlich gut wie die zwischen Trappi und seinen Iren. Aber was heißt eigentlich “oben” in einer Kirche, deren Leitung von unten bestimmt wird? 

„Ehe man hinaufkommt, ist jedermann lüstern, obenan zu sitzen. Wer aber obenan sitzt und in seinem Amt tun will, was Recht ist und anderen nützlich – der wird der Arbeit so viel finden, dass er bald müde werden wird. Und sagen: Ei, hat mich denn der Teufel in dies Amt gebracht?“

Das predigt bereits Martin Luther. Ein Amt da oben ist sicher nicht immer höllisch. Aber himmlisch leicht ist es keinesfalls. “Niemand von uns wurde auf das Dekansamt vorbereitet”, so der Kandidat. Aber wieso eigentlich nicht? Es fehlt wohl doch an Coaching, Motivationstraining und – ja, bisweilen auch an christlichem Teamgeist. 

Oder klagen wir im Vergleich mit anderen Leitungsleidenden Branchen noch auf hohem Niveau? Wie auch immer. Vielleicht ist ja erst Viertelfinale für die Kirche der Freiheit. Und wir sind noch so frei, zu trainieren.

„In Summa“, so Luther, „soll jeder in seinem Amte und Stande tun, was er kann. Gott zu Ehren und seinem Nächsten zum Nutzen”. Übersetzt auf diese Tage: Jeder auf seiner Position und alle für einen. Miteinander statt gegeneinander. So schwer kann das nicht sein. Oder doch…

Leiden am Leiten. Selbst erlebt? 
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Bleibt frech und fröhlich 
Eure Mechthild Werner