“mmh…”mechthild meint heute: Kann denn Gaucken Sünde sein? Deutschland predigt…

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Nun haben wir ihn, den Pfaffenstaat. Angeblich. Noch dazu ostprotestantischer Prägung. Die Kanzlerin Pfarrerstochter, der Präsident Herr Pfarrer. Oder bewusst despektierlich „der Herr Gauck“. Heute wird er vereidigt, seit Wochen schon schwören uns Menschen in den Medien, politische Freunde und Feinde, auf beinahe messianische Zeiten ein. 

Die einen lobsingen in Zungen, andere zischeln. Auch per Twittergewitter. Biblische Bilder werden in jedem Falle bemüht. Der „Präsident Moses“ oder gar die „evangelische Erlösung nach dem katholischen Sündenfall“. Nein, kleiner geht’s nicht. Wie auch, die Moralkeule ist noch warm vom Sünden-Wulff. 

Gauck baute bereits vor, auch er sei „kein Engel.“ Unnötig zu sagen, denn der Sünderleingeruch hängt ohnehin hartnäckig im Schloss Bellevue. Und den Mann, der einst die Gauckbehörde war, umgibt dieser Hauch von Schuld und Sühne sowieso. Er ist es gewohnt, Vergehen markig anzuprangern. „Sünden bleiben Sünden“, meint Gauck, selbst im Sport

Kein Wunder, dass auch sein eigenes Register schnell erstellt ist. Occupy „albern“ und Sarrazin „mutig“ nennen, Afghanistaneinsatz oder Stuttgart 21 verteidigen: Gaucksche Wurzelsünden für manch Grünen oder Genossen. Ostprophet Schorlemmer mault über zu viel „Freiheit“ statt Gerechtigkeit. Mancher Bürgerrechtler geriert sich gleich als Anti-Gauck. Und Westtheologen durchleuchten Gaucks Biographie auf blinde Flecken in seiner Ost-West-Sicht.

Nicht zu vergessen, seine „sündigen“ Verhältnisse soll er ordnen, der Herr Gauck. Meint, na klar, ein bayrischer Christsozialer, der all die gschlamperten Liebeleien der Herren Seehofer und Co samt Kind und Kegel verdrängt haben muss. Der Kanzelton hat nun mal Konjunktur. 

„Im Lande Luthers verdampft die Kirche, auch die protestantische immer mehr, aber ihre moraline Essenz erscheint populärer denn je.“ So ein Kommentar. Doch atmet diese Essenz noch evangelische Freiheit? 

Längst sind die moralischen Maßstäbe unscharf – je nach Blickwinkel von rechts, links, evangelisch, katholisch, gar nüscht. Wenn jeder frei meinen und glauben kann, was er will, wo genau sitzt da die Sünde, wo läuft die Grenze, der Graben, der „Sund“ zwischen Gott und Mensch, Gut und Böse? 

Die Beichtstühle stehen jedenfalls bei Jauch, Plasberg und Schausten. Ex- und Hoppla-Präsidenten suchen den Ablass auf der Mattscheibe. Für gestern und das, was morgen kommen mag. Als würde die Welt selbst wieder zur Scheibe, klar getrennt in oben und unten, dunkel und hell, schuldig oder unschuldig. Moderatoren mutieren zu Moralaposteln. 

Und der vielzitierte kleine Mann samt kleiner Frau gleich mit: „Danke Gott, dass ich nicht bin wie jene Sünder.“ Um lächelnd zu singen, wir sind alle kleine Sünderlein. Mit unseren Umweltsünden, Verkehrssünden, Steuersünden, Vorteilsnahmesünden und gschlamperten Affären.

Das eigene Register samt Ablass ist schnell erstellt, im Sündenrechner. Bis zum Schreiben dieser Zeilen wurde für schlappe 449.343.965,50 € gesündigt. Davon könnten wir manchen Ehrensold bezahlen. Aber noch mal im Ernst: 

„Wer unter euch ohne Sünde ist…“ Mit Luthern sind wir Sünder und zugleich Gerechte. Diese gut evangelische Freiheit nicht nur zu predigen, sondern vorzuleben, wie geht das? Weg von dünner Moralinessenz in diesem Land, von Besserwisserei und Besserglauberei.

Kann denn Gaucken Sünde sein? Nein, wenn ihm das gelänge, wäre es wahrlich ein Schritt zur Freiheit. Aber ich frage euch, ihr Sünderlein: 

Was erwartet ihr vom Pfarrerpräsidenten? 
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Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner