“mmh…” Gekreuzigte Frau

Sie nahmen ihn, schlugen ihn, spuckten ihn an…”

Karfreitag. Wie Jesus ergeht es bis heute Männern und – Frauen.

Wie Kajal aus Irak. Früh wird sie verheiratet. “Ein guter Mann”, sagt Vater. Bald schon schlägt sie der gute Mann. “Musst du aushalten”, sagt Mutter. Das erste Kind kommt und mit ihm die Sorge ums Überleben. Was essen, was trinken? Trinkwasser ist knapp. Kajals Sohn kränklich. Und wieder wird sie schwanger. “Hure”, schreit ihr Mann, “das Kind ist nicht von mir. Ich bring dich um.” Eine untreue Frau töten, für manche Familie in Irak “Ehrensache”. Kajals Mann und sein Bruder fesseln und foltern sie, zerschneiden ihr Gesicht.

Sie nahmen sie, schlugen sie, spuckten sie an…”

Frauen am Kreuz.

Wie Katharina aus Deutschland. Weiterlesen

“mmh… mechthild meint heute”: Friedhof, Frühling und die Frauen. Karfreitägliche Ostergedanken…

Nordpark-magdeburg

Ein Friedhof im Frühling. Blausterne berauschen sich bereits an ihren Blüten. Die Eichen recken noch kahl ihre dunklen Äste. Ein Ort zwischen Tod und blühendem Leben. Ein Ort, wie geschaffen für diesen Morgen.

Heute ist der Tag, an dem Christus gekreuzigt wird. Karfreitag, Klagefreitag. Viele klagen und weinen damals, besonders die kleinen Leute. Jesus ist ihr Mann gewesen, immer auf ihrer Seite, der Mann Gottes. Auch seine Jünger weinen. Und erst recht die Jüngerinnen.

Damals haben Frauen nicht viel zu sagen, doch bei Jesus schon. Sogar Maria Magdalena. Ihr Name allein Sinnbild der Verführung. Angeblich eine Hure gehört sie zu seinen besten Freundinnen. Ausgerechnet „so eine“. Und ausgerechnet sie gehört zu diesem Tag.

Denn als Jesus stirbt, laufen die Männer erst mal davon. Die Jünger sind verängstigt und verschwunden. Unterm Kreuz stehen nur die Frauen und – sie sind zuerst am Grab. Auch Maria Magdalena. Sie weint. Und noch mehr, als sie sieht: Das Grab ist leer.

„Habt ihr ihn weggetragen?“ fragt sie zwei Männer dort. Die sagen ihr, typisch Mann, nur knapp: “Wieso suchst Du hier einen, der lebt?“ Dazu strahlen sie leicht entrückt.

Maria versteht kein Wort. Gut, dass der Friedhofsgärtner kommt. „Weißt du, wo der Tote ist?“, fragt sie. „Maria“ sagt der Gärtner; ihren Namen! Durch die Tränen sieht sie ihn: Jesus. Er lebt. Unglaublich. Unerhört.

Maria muss es gleich den Jüngern erzählen. Die sitzen zusammen, blasen Trübsal und sie platzt herein: „Stellt euch vor, ich will seinen Körper salben, wie wir das ja immer machen, ich sehe in die dunkle Höhle, aber da ist keiner. Das heißt, da ist einer, nein, zwei sind da, zwei Männer mit gaaanz viel Licht, wie Engel, vielleicht, aber..“

„Moment, Maria, langsam, wie war das?“ „Doch da ist plötzlich der Gärtner, also ich denke, er ist es, aber es war…“ Ich stelle mir vor, wie sich Marias Herz in einem Wortschwall über die Jünger ergießt, bis sie endlich hören, bis sie wahrnehmen, was sie sagt: „Ich hab ihn gesehen, ich höre ihn noch `Maria´ unglaublich, und das mir!“

Ja, kaum zu glauben, aber wahr. Ausgerechnet „so eine“ erfährt es zuerst. Gerade die, die kaum was zu sagen haben, sie erzählen zuerst von Ostern: „Er lebt, das Leben geht weiter“.

So geschieht es. Immer und immer wieder seit jenem Ostermorgen. Das Leben und die Liebe sind stärker als der Tod. Die Blüten und Bäume auf dem Friedhof sprechen davon. Blau rauschen die Sterne. Und bald schon reckt jeder knorrigkahle Ast seine Knospen. Zartgrün.

Einen stillen Feiertag und ein frohes Osterfest.
Wünscht heute ohne Frage … 

Eure Mechthild Werner

P.S. Die nächste Freitagsfrage folgt nach der Osterpause am 20. April.