“mmh…”mechthild meint heute: Kultursommer, Kirche und Kunst. So nah und doch so fern…

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„Ist das Kunst oder kann das weg?“ Ein Spruch, der mehr ist als das. Unter dem viel-wenig-sagenden Motto „Gott und die Welt“ wird heute der Kultursommer Rheinland-Pfalz eröffnet. Und die Frage steht einmal mehr im (Kirchen-)Raum: Was ist Kunst?

„Des Ding do, des soll Kunscht sei?“ So haben viele gefragt, als „so was“ in die Kirche kam. „E bissel Holz und Roscht? Des kännt isch ach!“, hieß es in meiner ersten Gemeinde, nach meiner ersten schwer spannenden Kunstdebatte.

Inzwischen sind die meisten froh über „des Ding“: ein Corpus von Franz Bernhard. Ein Künstler mit großem Ruf im kleinen Jockgrim. Doch groß oder klein spielt keine Rolle, so die Kunst etwas zu sagen hat. Wiewohl der erste Satz, den moderne Werke hervorrufen, häufig lautet: „Das könnte ich auch.“ Aber wer es könnte, ist noch lange kein Künstler, nur wer es macht – und kann.

Aber wer kann schon Kunst? Und wer kann sie verstehen, im Museum und in der Kirche? „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Von wenigen Kunstaffinen Gemeinden abgesehen, heißt es vielerorts „gleich weg“ – besonders moderne Kunst. Dabei war Kirchenkunst mal Gegenwarts-
kunst. Die Gebäude, die Gemälde, einst gestaltet von den Besten ihrer Zeit. Lang ist´s her.

Heute kämpft die Moderne mit der Tradition. Die Augen sind die alten Meister gewöhnt: Die sixtinische Kapelle des Michelangelo, da Vincis Abendmahl, Grünewalds Altar. Klassisch schön, gewohnt. Doch zeitgenössische Kunst will meist nicht nur schön sein. Sondern auch fremd, ungewöhnlich, unbequem.

Darum ist sie genau richtig im Kirchen-Raum. Kirche und Kunst sind fern und doch so nah. Manche Motive verwandt: In einer Welt des Habens auf das Sein verweisen. Auf das, was hinter den Dingen steht, auf das, was im Menschen liegt. Das kann die Kunst. Und lässt sich darum nicht einfach konsumieren. Es sei denn, sie wäre leicht verkäuflich und verdaulich, die Ware Kunst. Doch welche wahre Kunst will das schon?

Noch so eine Frage: Was will die Kunst? Ja, sie will auch etwas kosten dürfen. Auch wenn für unser pfälzisches Kirchenprogramm im Kultursommer sicher keine Rekordsummen ausgegeben wurden, wie just für den „Schrei“. Fragwürdige Auswüchse des Kunstmarkts, während die meisten KünstlerInnen schreiend wenig verdienen.

Denn Kunst kostet was, sogar Geld. Auch wenn in Zeiten knapper Kassen stets kurzsichtig die Kultur gekürzt wird: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und manches Kunstwerk predigt mehr als 100 Gottesdienste. Vorausgesetzt, ich kann sie verstehen, die Werke.

Denn Kunst kostet auch diejenigen etwas, die sie wahrnehmen. Sie entsteht im Auge des Betrachters, sie schwingt durch die Sinne und die Seele. Kunst spricht eigene Sprachen. Nicht jede kann und will ich sprechen lernen. (Schon gar keine Kunstsinnigen feuilletontödlich sinnieren hören…)

Aber ob jemand in der Kunst nur „plappert“ oder mir etwas zu sagen hat, das kann ich nur wissen, wenn ich die eigenen Kunstsinne schärfe. Hinsehen, hinhören, vergleichen und immer mehr verstehen lernen. Vielleicht „des Ding“ in Jockgrim, die himmlischen Erlebnisse in Frankenthal oder die Heilig-Marx-Unterhose in Trier, als Reliquie. Heiligs Röckle. Zu provokant?

Was darf die Kunst? Auch eine spannende Frage. Was sie am besten kann, das ist jedenfalls: Augen öffnen. „Damit wer hineingeht, das Licht sehe…“  Willkommen im Kultursommer und bei meiner Freitagsfrage:

Was kann, soll, darf die (Kirchen-)Kunst?
Antworten gleich hier unten… 

Bleibt frech und fröhlich,

Eure Mechthild Werner

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