“mmh…” mechthild meint heute: Haste Töne 2.0. Verklungene Kirchenmusik?

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Das Themenjahr der Lutherdekade hat bereits begonnen: „Kirche klingt 2012.“ Die Pfalz singt sowieso, nicht nur beim Wein. Aber was klingt nach meinem Kirchenmusikalischen Artikel hier seit Freitag durch die Kommentare? (anklicken unter dem Beitrag „Haste Töne“ 1.0) 

Ein wenig Frust, einiges Fremdschämen und – ja, auch die Lust an neuen Tönen in der Kirche. Mancher blies ins gleiche Horn, schrieb mir aber nur persönlich, denn: „Was wir da Sonntags singen ist manchmal einfach peinlich. Aber ach, da nerve ich sowieso ständig den Pfarrer mit.“

Einige wollen offenbar nur noch leise zur Musikfrage Laut geben. Was auffällt: Kein pfälzischer Ton war dabei!

Dabei haben wir über 12.000 Leute, die in unseren Kirchen singen und musizieren, auch dank engagierter Kirchenmusikusse. Dazu rund 600 Männer und Frauen im Pfarramt, über 400 ehrenamtlich im Predigtamt. Allesamt Menschen, die jeden Sonntag Lieder aussuchen dürfen oder müssen. 

Nicht zu vergessen gibt es mehr als 3000 PfälzerInnen, die im Presbyterium auch die Aufgabe haben, die Gretchenfrage zu stellen: Wie halten wir´s … wie klingt bei uns das Evangelium? 

Darum frage ich noch mal kurz und knapp zu Beginn des Themenjahres:  

Wie soll Kirche 2012 klingen?

Tops, Flops, Beispiele im ersten Beitrag “Haste Töne”
Zum Lesen rechte Spalte Link “Jahr der Kirchenmusik” klicken. 

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Bleiben Sie frech und fröhlich,

Ihre Mechthild Werner

Foto: gnu free, wikipedia

“mmh…” mechthild meint heute: Haste Töne. Predigst du noch oder singst du schon?

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Als Gastpfarrerin bekommt man einiges zu hören: „Sie predigen ja recht nett. Aber wann gibt’s wieder diesen Gottesdienst ohne Worte?“. Gemeint war die stets bestens besuchte musikalische Matinee in der – ja, „Predigerkirche“ in Erfurt. Haste Töne. Und nicht nur da: Musik, ein Ton schon, predigt mehr als tausend Worte.

Folgerichtig heißt es nun endlich: „Kirche klingt 2012“. Im Rahmen der Lutherdekade feiern wir 366+Tage Musik – und die Evangelische Kirche gleich mit, denn wo wären wir ohne Bach und Lutherlieder? Die Musica ist für Luther „vox viva evangelii“, lebendige Stimme des Evangeliums. „Nach der Theologie ist keine Kunst der Musik gleich zu stellen… Sie schenkt ein ruhiges und fröhliches Herz.“ (Brief an Ludwig Senfl, 1530)

Drei Orgeltakte Toccata. Fünf Paukenschläge, gefolgt von „jauchzet, frohlocket“: Der Bauch kitzelt, das Herz hüpft und schon ist es um einen geschehen. Gut, mancher goes lieber Gospel oder raps Jesus. Aber Musik schlüpft stets Ohrmuschelwärts in die Seele. Sie berührt und bewegt, besonders wenn sie selbst gemacht ist. Über 12.000 Menschen musizieren, spielen, singen in unseren Pfälzischen Kirchen. Allermeist ehrenamtlich, für Gottes Lohn und Menschen Freude.

Obwohl. Es ist nicht alles die reine Freude. Bei all den Kantoreien, Bläserchören und sogar Pfälzer Gospelchören, bei denen man sich nicht fremdschämen muss: Es gibt Orte, die einfach alt aussehen. „De Kärchechor werd langsam so alt wie unsre Stimme.“ Nachwuchssorgen. „Seit Johre orschelt hier niemand mehr, alles kommt vom Band.“ Anders bei dem Kollegen, der sich kurz vor dem Radiogottesdienst in seinem Thüringer Dorf entschuldigt: „Wir singen nicht perfekt.“ „Erwartet niemand“, sage ich, „Hauptsache mit Herz“. „Schon“, meint er, „aber unsere Organistin hat seit kurzem nur noch ein Bein“.

Nein, nicht überall geht es so makaber zu. Und viele mühen sich redlich. Die tapfer klampfende Pfarrerin, die mit drei Griffen und ebenso vielen Gemeindegliedern eine eher fragile „feste Burg“ anstimmt. Der Playback-Pfarrer, der seine Playlists per Pod in der Talartasche trägt. Der Organist, der Taizé-Lieder nur Tutti begleitet und das so langsam, dass alle beim Singen blau anlaufen. „Ubi caritas.“ Du liebe Güte.

„Das waren ja wieder nur neue Lieder!“ Eine Beschwerde, die – so kommentierte jüngst eine Kollegin – „auf 80 Prozent aller Lieder im Gesangbuch zutrifft“. Eine unendliche Geschichte: Neues Liedgut oder Liedschlecht, das oft auf Kirchentagssspuren versucht, im Gesangbuch zu landen. Was endlich drin steht, wird ewig nicht gesungen und ist bald eines nicht mehr: modern. Manches Lied verliert sich auch unterwegs, zu Recht. Nein, keine Beispiele. Die überlasse ich den Kommentatoren gleich im Anschluss.

Nur eines noch: Auch Altbewährtes können Christenmenschen heute nicht mehr so einfach singen und sagen. Oft übersetze ich mir beim Singen historisch-kritisch all die „Kreuz-Sünd-Tod-Teufel“-Strophen. Oder versuche mich bei „La-La-La-Schäflein-Gras-Ufer“-Lyrik wenigstens an der Melodie zu erfreuen. Während mein unverdorben untheologischer Ehemann neben mir knurrt „geht ja gar nicht!“

Es ist nicht leicht, die richtigen Texte und Töne zu treffen. Schon gar nicht für jeden. „Ihre Worte in der Predigt waren so gut, aber gibt’s keine besseren Songs?“ Auch diesen Satz habe ich schon gehört. Tja, wie viel Harmonie und Polyphonie darf´s denn nun sein in der Kirche…

Was wird Ihre und Eure liebste Kirchenmusik 2012?
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Haste Töne – 10 ungeordnete „Hits“:

1. Gebot goes Pop

2. Gloria in Excelsis 

3. Bonhoeffer goes Kitsch

4. Kirchentag rockt

5. Goldenes Blech

6. Goldene Weihnacht  

7. Junge Stimmen

8. Gospel and Friends

9. Orgel and Art

10. Kirchenmusik 3.0 

Bleiben Sie frech und fröhlich.
Ihre Mechthild Werner