“mmh…” mechthild meint heute: Sommer. Ab in die Kirche.

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Mitten im Sommer ist es wie Weihnachten: Die Kirchen sind voll. Voller Touristen. In den Ferien drängelt sich der Mensch und es drängt ihn auch in Dom, Dreifaltigkeitskirche oder Gedächtniskirche. In Speyer scheint es wie andernorts. An Sonntagen gähnen oft ganzjährig die Bänke im Gottesdienst. Aber im Sommer wird in den offenen Kirchen gern Platz genommen. Selbst im „unchristlichen“ Mitteldeutschland ist das nicht anders.

Touristen lieben Gotteshäuser. Ob evangelisch, katholisch, orthodox wer weiß das schon, spielt auch keine Rolle. Hauptsache kühl. Nein, das wäre zu kurz gedacht. Hauptsache Kultur. Es muss ja nicht gleich die Geburtskirche Jesu in Bethlehem sein, jüngst höchstumstritten zum Weltkulturerbe erklärt. Der Speyrer Dom ist´s ja bereits …

Kirchen gehören für Reisende allemal zur Kultur. Wenn auch oft zu einer fremden, fast untergegangenen Kultur, deren Sprache kaum mehr einer spricht. „No ice, no swimwear, no phone, no photo”. Selbst rote Symbole und rigide Wächter am Portal scheinen sich oft nicht verständlich machen zu können. Im Dom zu Florenz zischelt ständig ein „pssst“, gefolgt von einem sonoren “silencio” durch den Lautsprecher.

Ein Gotteshaus ist eben doch mehr als ein Museum. Aber auch wer das weiß und der eigenen Kirchensprache halbwegs mächtig ist, wird Fremdes entdecken. Wie ich in Zypern. Eine Insel voller Kirchen, Touri-Kappen und kurzen Hosen. Nicht gerade griechisch-orthodoxe Kleiderordnung. Drum hängen schwarze Schürzen am Eingang. „Werf´ ich gleich über, den Omakittel“, sagt unser Sohn und zieht ihn tapfer über die Teenie-Shorts.

Drinnen dann die schlappenden Schwarzkittel. Und daneben alles Gold, was glänzt. Ikonen, eine ganze Wand hoch, eine Ikonostase. Fremd für mein protestantisches Auge, aber auch faszinierend. „Ui, die knutschen die Bilder sogar ab“, flüstert der Sohnemann, zumindest meint er, zu flüstern. „Guck mal, Jesus am Kreuz und drüber direkt der Ventilator.“ Tatsächlich. Auch der Staubsauger steht gleich am Allerheiligsten.

„Die Frau da, Mama, betet vor ganz vielen Kerzen. Wie ein Meer. Das ist schön.“ Sprach´s und mir ging mir das Herz auf… Ja, was ist so „schön“ in einer Kirche? Das Gebäude, Kultur und Kunst, klar. Da nicken Oberstudienrätinnen in ihre Reiseführer.

Aber die Gemäuer erzählen noch mehr. Sie flüstern Gottes Geschichte und Geschichten, Gebete und Gesänge aus Jahrhunderten – trotz des aufdringlichen „psst“. Ein Hauch von Ewigkeit weht einen an. Und wer das spürt, wird mitten im Touristentrubel in der Bank sitzen. Oder wie mein Sohn vor einer Kerze. „Ich denke an die Oma.“ Heilige Momente.

Also ab in die Kirchen. Da ist´s schön kühl im Sommer - und schön warm fürs Herz.

Und eure sommerlichen Kirchenbesuche?

Schreiben und beschreiben gleich hier unten … 

Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner