“mmh…” mechthild meint heute: Torschusspanik. Mieses Spiel mit Schleckerfrauen.

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Nein, das war kein gutes Spiel. Mehr als eine Halbzeit verpennen, kurz vor Schluss aufwachen – Hilfe, 2013 stürmen die Kleinen die Horte – Dribbling der Arbeitsministerin. Draufbolzen aus der Distanz. Und autsch, das Leder geht Leyenhaft daneben: Schleckerfrauen zu Kinderfrauen. Das nenne ich Torsch(l)usspanik.

Dabei wollte man wenigstens 2 Punkte holen, Schleckerpleite und Betreuungsproblem lösen. Doch trotz der erhofften Ablenkung, der Nation im Fußballfieber, wird der politische Schnellschuss derzeit hitzig kritisiert. Allzu durchsichtig die Blitztaktik des „Bündnis für pädagogische Arbeit“ von Bundesarbeitsministerin von der Leyen, Verdi-Chef Bsirske und Bundesagentur-Mann Weise: Mitarbeiterinnen von Schlecker sollen Erzieherinnen und Altenpflegerinnen werden. Denn Kitas und Pflegeheime brauchen dringend Personal.

Die Spielidee ist einfach. 25.000 Einzelhandelskauffrauen wechseln auf die Position von 14.000 Erzieherinnen – so viele werden gebraucht für die fehlenden 160.000 Betreuungsplätze – die übrigen 11.000 stehen frei für die Altenpflege. Für eine solch rein statistische Aufstellung kann es nur Buhrufe in den Medien geben. „Von der Kasse in den Krabbelkreis“. „Ramsch in der Kita“. Ja. Der Ausverkauf in den Schlecker-Filialen hat begonnen. Der Ausverkauf, die Ausbeutung der Beschäftigten hat jedoch lange zuvor angefangen und war ein Grund für die XXL-Pleite

Und wer meint, ein Erzieherjob wäre eben mal was für jede Frau, der verramscht die Bildung gleich mit. Doch die „Schlecker-Frauen“ – ein Unwort – sollen laut Minister Rößler eine „Anschlussverwendung“ finden. Aha. Menschen, besonders Frauen lassen sich „verwenden“, schlecht entlohnen, schlecht absichern, gut kündigen und weiterverwenden. Zum Bedienen und Betreuen von Kunden, Kindern oder Alten … alles offenbar das gleiche Spiel.  

Auf Verkäuferinnen im Abverkauf wartet allerdings keine Mega-Fußballstar-Ablöse sondern ein eher bescheidenes Gehalt nach zweijähriger Umschulung. Ansonsten punkten sie, laut Arbeitsministerin mit ihrer „Lebenserfahrung“. Ja, sicher sind viele der Frauen gute Mütter, pflegen ihre Schwiegermütter und wären auch lebenskluge Erzieherinnen oder Pflegekräfte. Aber wollen sie das sein? Pädagogische und soziale Berufe erfordern Wissen, eine fundierte Fachausbildung, und vor allem Wollen. 

Menschen begleiten, das ist Beruf und Berufung. Die Verantwortung ist groß, die Wertschätzung oft gering. Wie sagte mal ein Pfleger zu mir: „Ich bin schlecht angesehen, aber dafür auch schlecht bezahlt.“ Für Erzieher gilt ähnliches. Minilohn, Miniansehen. Viele Frauen sind das gewohnt, aber Männer? Das Nachwuchskader, das Ministerin Schröder trainieren wollte – Erzieher braucht das Land – ist, nun ja, kaum nennenswert. 

Darum jetzt die Blitztaktik, arbeitslose Frauen einwechseln. Kitas zu Verwahranstalten, damit Mütter arbeiten können, oft wieder in prekären Nebenjobs. Oder lieber gleich grölen: „Ihr könnt nach Hause gehn, ihr könnt nach Haaauuuse gehn“, zurück an den Herd

Nein, bitte Schluss mit dem schlechten Spiel. Deutschland muss sich neu aufstellen. Peinlich genug, wie lange wir gepennt haben. Berufsziel Erzieher statt Stürmer. Warum nicht? Wer mit und für Menschen arbeitet, muss umworben werden. Mann wie Frau. Gut ausgebildet, gut bezahlt, gut angesehen. Wertgeschätzt. Und: Wer arbeitet, soll nicht verwendet, verschoben und verkauft werden.

Das alles spielt sich nicht in 90 Minuten ein. Menschengerechter, Kindergerechter arbeiten und leben… 

Wie geht das und was tut die Kirche dazu?
Anpfiff, Anstoß und los geht´s. Gleich hier unten …

Bleibt frech und fröhlich
eure Mechthild Werner