“mmh…” mechthild meint heute: Diakonie. Warmer Geist gegen rauen Wind?

Die Synode tanzt. Nein, nur fast. Aber sie singt und klatscht in Bad Herrenalb. Wie wir bereits der Twitterwelt verraten haben… Gestern, am Tag zwei. Zum Schwerpunktthema Diakonie. Bunte Videobotschaften aus allen Bereichen der Pfalz. Eine ermutigende Einführung von OKR Sutter und ein pfingstliches Grußwort von Sozialministerin Malu Dreyer. Doch, der Heilige Geist weht. 

Selbst durch die Diakonie-Diskussionen. Allerdings muss der Geist da recht kräftig pusten. Denn “der Wind weht rau”, meint Prof. Uwe Becker in seinem Referat. Und seine Worte klingen auch so: “Vermarktlichung. Kostensenkungsdruck. Konkurrenzdruck.” Ja, Kirche und Diakonie haben offenbar Druck. Wie gehen wir um mit der “Ökonomisierung des Sozialen”?

Druck, die Kosten zu senken. Druck, mit dem gesunkenen Image umzugehen. Angefacht von Verdi rauschen derzeit kirchliches Arbeitsrecht, Streikverbot, der dritte Weg durch die Medien. Bis hin zur Frage: “Verletzt die Diakonie die Menschenrechte”? Statt gemeinsam zu fragen, wie die Rechte bedürftiger Menschen zu wahren wären. Eine falsche Frontstellung gegen die Kirchen sieht Prof. Becker hier. 

Doch was ist der diakonische Mehrwert, damit wir nicht in einen “sinnlosen Betrieb” verfallen? Oder sind wir da schon längst gelandet? Die Schwestern und Pfleger im kirchlichen Krankenhaus haben genau so viel oder besser viel zu wenig Zeit für “humanitäre Extras” wie die in einem kommunalen. 

Und was ist der Auftrag, das diakonische Profil, über humanitäre Hilfe hinaus? Arbeitslose, Menschen in Armut etwa sind nicht nur in materieller, sondern auch in persönlicher Not. Keine Arbeit haben, heißt kein Ansehen, nichts “ihr Eigen” nennen können. Das gilt ähnlich für Menschen mit Behinderungen. Sie fühlen sich oft isoliert, anonymisiert, ausgegrenzt. Ziehen sich ins Private zurück. 

Eben da liegt laut Uwe Becker die Herausforderung: Die in der Öffentlichkeit Unsichtbaren wieder in die Mitte holen. Aber “unbehandelt” – ein treffendes Wort – unbehandelt und nicht als neu entdeckte Objekte der Barmherzigkeit. 

So aber werden sie häufig beschrieben. Wie in der EKD-Denkschrift “Gerechte Teilhabe”: “Arme haben ihre Stärken…, Spontaneität, in der Fähigkeit zu überleben, im Humor.” Gut gemeint, aber nicht gut gesagt. Diese Form von “bildungsbürgerlichem Fürsorgepaternalismus” sollte laut Becker längst vorbei sein. 

Wie könnte das stattdessen gehen: Die Unsichtbaren wieder sichtbar machen. Räume für alle eröffnen, offene Begegnungen, Nachbarschaftshilfe. Mehr Miteinander pflegen, in den Kirchengemeinden, in der Stadt, im Dorf, im Quartier? Diakonie ganz groß – jenseits der großen Einrichtungen. Gegen den rauen Wind ein warmer Geist. Gibt’s Hoffnung? Das habe ich gestern Prof. Becker gefragt. Und frage es heute zum Freitag… 

Frischer Wind in der Diakonie?
Antworten gleich hier unten … 

Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner

 

Diakonie-Schwerpunkt der Landessynode: Professor Uwe Becker im Gespräch

“Am Rande der Synode”, wie man so schön sagt, hat Mechthild Werner den Hauptreferenten am zweiten Sitzungstag, Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, noch zum Kurzinterview gebeten – und die entscheidenden Knackpunkte aus seinem Vortrag zum Schwerpunktthema Diakonie angesprochen:

Interview_Becker.mp3
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Liveblog: Diakonie im gesellschaftlichen Wandel – Hauptreferat von Professor Uwe Becker (Düsseldorf) zum Schwerpunktthema der pfälzischen Landessynode