“mmh…” mission possible?


Die Synode tanzt. Spätestens beim „getting together“ heute Abend. Unser Kirchenparlament hat aber auch schon heute früh gesungen, geklatscht und begeistert mitgebetet. In der Pause soeben viele Zungen: afrikanische, britische, bolivianische, indonesische, koreanische, tschechische und natürlich – pfälzische.

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“mmh…” mechthild meint heute: Kirche im Konsumtempel? Jesus goes shopping

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Einmal stand ich im Talar an der Kaufhauskasse. Nein, nicht weil ich nach dem Gottesdienst schnell noch Weihnachtsgeschenke kaufen musste. Es ging um ein „Wort zum Sonntag“ im wahrsten Sinne des Wortes: um Sonntagsruhe statt Sonntagsshopping. Die Aufnahme läuft, ich laufe mitten durch die Kassenschlange und erzähle tapfer in die Kamera.

Die Kassiererinnen lächeln wacker, auch bei der dritten Einstellung. In jeder Aufnahmepause werde ich bestaunt und befragt. „Gell, Sie drehen so eine Serie und Sie spielen die Pfarrerin?“ „Nein, ich bin echt.“ Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz gesagt habe. Es gab jedenfalls Klärungsbedarf – und einige Gespräche im Vorbeigehen, über Sinn und Unsinn von Feiertagen.

Kirche im Kaufhaus. Geht das, darf das, muss das sein? Die Grenzüberschreitung im Wort zum Sonntag war gewagt, gewollt und umstritten. Ähnlich wie die Advents-Aktion „Kirche mitten im Geschäft“ in Osnabrück. Im größten Kaufhaus der Stadt sind die Kirchen derzeit mit einem Stand vertreten.

Wer sich Freitags durch den Ho-Ho-Ho-Jingle-Bells-Trubel wühlt, hört zwischendrin die fast aufwühlende Frage: „Hat Kirche was mit Weihnachten zu tun?“ Die Antwort wird anschaulich mittels eines Balls in Plexiglasröhren geworfen: „Ja“. Oder auch nicht selten „Nein“. Ein Halbwüchsiger meint, „Kirche an Heiligabend ist voll okay“ aber jetzt auch noch „beim Shoppen angequatscht“ werden? 

Die meisten Menschen, so die Zwischenbilanz, sehen die Kirche im Kaufhaus jedoch positiv. Am Stand wird auch nicht nur gefragt und geredet. Es gibt Infos zu den Weihnachtsgottesdiensten und wer mag, kann sogar wieder in die Kirche eintreten. Ein Konzept, das vielerorts erprobt wird, nicht nur im Advent. „Gott wohnt neben Aldi“ textet süffisant die ZEIT über Andachtsräume im Kaufhaus

Kirche im Konsumtempel. Darf das, ja muss das sein? „Klar“, meint eine Rentnerin, “Kirche muss sich heutzutage ja auch irgendwie verkaufen.“ Tja, verkaufen und verraten wir uns selbst oder schenken wir Menschen ein wenig Weihnachtsfreude, da, wo sie gerade sind …

Jesus goes shopping. Gegen den Konsumrausch predigen und selbst die Tempel nutzen? Ging das, geht das, auch in Ludwigshafen oder Kaiserslautern?

Das ist die Frage für mich und Sie: Ist Kirche im Kaufhaus „echt“ oder nicht recht am Platz? 

Schreiben Sie gleich hier unten.

Bleiben Sie frech und fröhlich. Und gesegnet im Advent. 

Ihre Mechthild Werner

 

“mmh…” mechthild meint heute: Was hindert´s, dass ich Kirche bin?

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Mission ist, wenn man´s trotzdem macht: ein passender Einstieg am 11.11.11 zum Schwerpunkt der 11. EKD-Synode.

Unter der Frage „Was hindert’s, dass ich Christ werde?“, wurden in Magdeburg „missionarische Impulse“ formuliert. Wohlgemerkt nicht, um Mitglieder zu werben – mal ehrlich, warum eigentlich nicht? – sondern um sich auf das Evangelium zu besinnen. Christus selbst hat uns schließlich in die Welt gesandt, uns zu Missionaren gemacht. Und das mit froher Kunde. 

Aber oh je, Mission. Das klingt nicht nur spaßfrei, ist es auch häufig und erinnert an die traurigen Zeiten der Zwangsbekehrung. Bis heute ist das Wort igitt. Selbst die EKD-Kundgebung setzt „Mission“ auf der ersten Seite in Klammern. Und doch: Mission ist, wenn man´s trotzdem macht. Zurecht. Denn sonst wären wir nicht Kirche Christi.

Glaubenskurse und Taufjahre versuchen darum wieder, die Menschen zu suchen. Das gelingt, doch längst nicht gut genug. Die leichtfertige Frage des Kämmerers scheint nicht nur im Osten Deutschlands schwer zu beantworten: „Was hindert´s, dass ich Christ werde?“

Dennoch können Menschen darauf antworten. Wenn wir sie fragen! „Hinhören – Aufbrechen- Weitersagen“ ist die Kundgebung überschrieben. Zuerst also: Hinhören. Aber wann hören wir denen schon mal zu, die nicht (mehr) zur Kirche gehören? 

Die Synode hat das getan. Die Statements der drei Gäste sind nachzulesen und allemal lesenswert. Wie die Gedanken des Geschäftsführers von Wikimedia, Pavel Richter. „Gott“, so seine Statistik, wurde im November 2.372 mal in Wikipedia aufgerufen, „Kirchenaustritt“ doch immerhin 1.269 mal. 

Richter hält die Kirchensteuer für falsch, „denn sie macht satt und führt dazu, dass man sich nicht mehr bemühen muss“. Er liebt dagegen Kirchenmusik und Kirchen, geht gern zum Gottesdienst. Dabei ist er nicht getauft und fühlt sich doch als Christ.

„Nichts hindert mich daran, aber – das ist die Frage, die ich an Sie zurückgebe – was lockt mich denn, in die Kirche einzutreten?“ So die Frage von Pavel Richter an die Synode. Und ich frage uns Missionare hier:

Was ist verlockend an der Kirche, wofür lohnt es sich, zu uns zu gehören?

Und das möglichst schon zu Lebzeiten. „Denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Religion ist, wenn man trotzdem stirbt.“ (Jürgen Becker)

Schreiben Sie gleich hier unten. 

Bleiben Sie frech und fröhlich. Ihre Mechthild Werner

Bildnachweis: Fotorechte bei EKD Internetarbeit.