“aha…” Im Regionalexpress zur Ökumene

Tuckerte der Ökumene-Zug bislang mal gemächlich, mal schneller dahin, machte er mal eine Pause, um sich dann wieder in Bewegung zu setzen, so möge er nun doch endlich konstante ICE-Geschwindigkeit aufnehmen. So mag man den “Ökumene jetzt!”-Aufruf von Anfang September verstehen. “Der Ruf ‘Wir sind eine Kirche’ wird von Kirchentag zu Katholikentag lauter”, konstatierte die geschätzte Blogkollegin im Nachgang dazu. Und am lautesten ist er von Ökumenischem Kirchentag zu Ökumenischem Kirchentag, ist man geneigt anzufügen, auch wenn es erst zwei davon gab.

Oder stimmt gerade das Gegenteil? Wo Katholiken bei Evangelischen Kirchentagen, wo Protestanten bei Katholikentagen “nur zu Gast” sind – fällt es da möglicherweise leichter, im Zuge angebotener und erfahrener Gastfreundschaft die Einheit herbei zu beschwören, als bei den Gelegenheiten, zu denen sich die Vorbereitungsgremien erst mal zusammenringen müssen? Weiterlesen

“mmh…” Ökumene, echt jetzt? Die Nagelprobe


Also jetzt mal hinne! Die heilige Ungeduld hat sie gepackt, die 23 Promis aus Politik, Kultur und Kirche: “Ökumene jetzt!” Jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen, da kennt sich Künstler Günther Uecker aus. Und mutig das Publikum befragen, rät nicht nur Moderator Günther Jauch. “Von der Hierarchie haben wir nichts zu erwarten“, so Mitinitiator Pfarrer Christian Führer. Der Recke der friedlichen Revolution vertraut erneut auf die Basis. „Hier kann der Aufruf große Kraft kriegen.”

Klar, die Kirchenhäupter, evangelisch wie katholisch, reagierten eher kraftlos mit einem „Ökumene, jetzt aber mal halblang“. Jetzt und gleich haben bis dato jedoch rund 4.5000 Menschen unterzeichnet. Wirksam also, der Aufruf, zumindest medienwirksam? In den Medien ist zehn Tage danach kaum mehr die Rede von „Ökumene Jetzt“.

Dennoch: Der Ruf „Wir sind eine Kirche“ wird von Kirchentag zu Katholikentag lauter. Und es wird Zeit, 50 Jahre nach dem II. Vatikanum und nach fast 500 Jahren Reformationsgeschichte. Endlich „ein Gott, ein Glaube, eine Kirche“, fordern die Exgeduldigen. Jetzt, Nägel mit Köppe.

Kann ich verstehen. Allzu oft spüre ich, wie Leute leiden in und an der Kirche. Leiden an… Hach, alles hinlänglich bekannt. Und vieles versteht man und frau in den Gemeinden längst nicht mehr. Unterschiede im Amt, im Abendmahl, der Ehe – lässlich, was soll´s.

„Die Katholen sind sinnlicher, aber streng. Die Evangelen lockerer, aber verkopft. Der Papst, prächtig, aber zu alt. Die Frauen, ja, predigen nicht schlechter. Die Priester, ach je, sollten heiraten… Wir sind doch alle gleich.“ Ähnlich lautet das undogmatische Credo vieler Christen. Und ebenso richtig wie schlichtig formuliert der Aufruf, im Grunde hätten nur ein paar “gravierende Differenzen und Missverständnisse“ zur Spaltung geführt.

Was hindert´s also: „Ein Gott, ein Glaube, eine Kirche.“ Doch besteht diese dreieinige Forderung die Nagelprobe? Ein Gott, ja. Aber einer in unzähligen Facetten. Ein Glaube, weltweit in unendlichen Farben. Eine Kirche, ja. Aber einkonfessionell, einfältig, eintönig … nein Danke. Welche eine Kirche wäre in Christi Namen zu bauen?

Die Katholischen Geschwister antworten beneidenswert eindeutig: Keine! Kommt endlich wieder heim! Doch wer mal zurück nach Hause gezogen ist, weiß, das geht meist nicht gut. Zumal unsereiner Protestant ja nie wirklich erwachsen geworden ist, also keine Kirche, die auf eigenen Füßen stehen könnte. Ihr wisst schon…

Nein, nochmals ohne Ironie. Bereits die vielbeschworene Einheit in Vielfalt erfordert einiges. Und Rom fühlt sich derzeit scheinbar überfordert. Dogmatisch vernagelt, so erleben und erleiden Reformkatholiken ihre Kirche. Werden sie laut genug „Ökumene Jetzt“ rufen oder gar 95 Thesen an die Pforte des Petersdoms hämmern? Der einst gebannte Luther gilt übrigens heute als „Lehrer im Glauben“, doch Ablässe, ja, die gibt´s noch.

Jenseits solcher kleinen Sticheleien gilt „Ökumene jetzt“ gleichsam für unsere Kirche. „Allein Christus, allein die Schrift, allein der Glaube.“ Da stehen wir. Und können nicht anders. Oder können wir viel zu viel? Die evangelische Kirche lebt längst versöhnte Vielfalt – tauft, traut, lädt alle zum Abendmahl, wallfahrtet gar – sagt aber nie laut: Rom soll sich bewegen. So ärgert sich ein Kommentator und stellt weiter fest:

„Die Katholiken sind dogmenstarr, die Protestanten knochenlos flexibel.“
Autsch. Hat er etwa den Nagel auf den Kopf getroffen?

Ökumene jetzt oder wie?
Bin gespannt…

Bleibt frech und fröhlich
wünscht Eure Mechthild Werner

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Nachtrag zum Thema: Ökumene in der Pfalz