“mmh…” mission possible?


Die Synode tanzt. Spätestens beim „getting together“ heute Abend. Unser Kirchenparlament hat aber auch schon heute früh gesungen, geklatscht und begeistert mitgebetet. In der Pause soeben viele Zungen: afrikanische, britische, bolivianische, indonesische, koreanische, tschechische und natürlich – pfälzische.

Die Welt zu Gast bei Freunden. Weiterlesen

“aha…” Im Regionalexpress zur Ökumene

Tuckerte der Ökumene-Zug bislang mal gemächlich, mal schneller dahin, machte er mal eine Pause, um sich dann wieder in Bewegung zu setzen, so möge er nun doch endlich konstante ICE-Geschwindigkeit aufnehmen. So mag man den “Ökumene jetzt!”-Aufruf von Anfang September verstehen. “Der Ruf ‘Wir sind eine Kirche’ wird von Kirchentag zu Katholikentag lauter”, konstatierte die geschätzte Blogkollegin im Nachgang dazu. Und am lautesten ist er von Ökumenischem Kirchentag zu Ökumenischem Kirchentag, ist man geneigt anzufügen, auch wenn es erst zwei davon gab.

Oder stimmt gerade das Gegenteil? Wo Katholiken bei Evangelischen Kirchentagen, wo Protestanten bei Katholikentagen “nur zu Gast” sind – fällt es da möglicherweise leichter, im Zuge angebotener und erfahrener Gastfreundschaft die Einheit herbei zu beschwören, als bei den Gelegenheiten, zu denen sich die Vorbereitungsgremien erst mal zusammenringen müssen? Weiterlesen

“mmh… mechthild meint heute”: Den Aufbruch wagen. Nur wohin?

Rucksack

Der Rucksack ist gepackt. Die Katholiken sind los. Noch bis Sonntag proben über 30.000 Menschen in Mannheim den Aufstand, nein, erst mal den Aufbruch… 

Also eins vorweg, ich kann den Katholikentag nicht kommentieren. Denn ich bin protestantisch. Für oder gegen etwas einzutreten, klar Ja oder Nein zu sagen, dieser Protest liegt mir im Pfälzer Blut. Meine Kirche weiß das. Nach meinem ersten Wort zum Sonntag, zum Ausstieg der Caritas aus der Schwangerenberatung, hörte ich: Du sollst dich nicht einmischen in katholische Angelegenheiten. Zumindest nicht öffentlich.

Ist das sinnvoll? Jein. Klar, einerseits steht es uns nicht an, inner-
katholische Debatten zu führen. (Zumal wir selbst mit einigen ungelösten Themen schwanger gehen.) Doch andererseits: Wir sind Geschwister, sind eines Glaubens, wenn auch nicht immer einer Gesinnung. Oftmals werden wir in der Öffentlichkeit schlicht als „die Kirche“ wahrgenommen. Sprich: Jeder hat sein Ränzel zu schnüren, aber wir tragen auch miteinander einen Rucksack. Und ein Aufbruch mit leichtem Gepäck, oh ja, der täte not.

Doch der Rucksack ist vollgestopft mit Themen: schwindelnde Austrittszahlen, schwindendes Vertrauen nach den Missbrauchsfällen, Priestermangel, mangelhafte Priesterausbildung. Was tun? Laien und Frauen stärken, Sexualmoral und Zölibat prüfen. Gähn, seit Jahrzehnten nichts Neues.

Und in Mannheim also erneut. Angeblich soll keine Frage ausge-
klammert werden, aber viele sind von Rom bereits klar beantwortet. Nein für Frauen im Priesteramt etwa. Solche Themen sollen gar nicht erst ausgepackt werden, mahnt Bischof Franz-Josef Overbeck

Aufbruch also ausgeschlossen. Darf der Katholikentag reden, hat aber nichts zu sagen? Nein, ich kann das nicht kommentieren, aber einige katholische Protestanten zitieren: 

Die Reformverweigerung werde mit Gerede überspielt, meint nicht nur Dauerkritiker Hans Küng. Der Dialogprozess solle weitergehen, aber hat er bereits begonnen? Von wegen mehr Kirchenvolk wagen. Man habe nach wie vor „Dialog und das Evangelium nicht richtig verstanden“, meint Christian Weisner von der Bewegung „Wir sind Kirche“.

Für den Saarbrücker Theologie-Professor und Ex-Priester Gotthold Hasenhüttl ein Grund, gar nicht erst nach Mannheim zu fahren, denn die Lage sei „irgendwo zum Verzweifeln.“ Der Aufbruch der Kirche gehe zurück in die Zukunft. Die päpstliche Forderung nach „Entweltlichung“ scheint das zu bestätigen. 

Just 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanum sei „Rom eine Retrokirche“ beklagt Helmut Schüller aus Österreich und ruft auf dem alternativen Katholikentag erneut zum „Ungehorsam“ auf. Friedhelm Hengsbach setzt gar auf „Kirchen-Piraten“, um den Aufstand zu proben und die Reformation voranzutreiben. 

Apropos. Ausgerechnet der vatikanische “Ökumene-Kardinal” Kurt Koch forderte jüngst ein Schuldbekenntnis und sprach von der „Sünde“ der Reformation, die man nicht feiern könne. Ein Grund mehr, unsere katholischen Geschwister 2017 einzuladen, damit sie ihre evangelischen Schätze wieder entdecken – ganz unten im Rucksack. 

Auf Ökumene, und zwar auf Augenhöhe, setzt jedenfalls der Badener Landesbischof Ulrich Fischer. Er fordert in Mannheim ein „gemein-
sames Glaubenszeugnis“ in der Welt. Eine gut evangelische Erinnerung: „Geht hin in alle Welt.“ Und die ist längst polyglott, multikulturell und multireligiös. Wie in Mannem. Wo ist da unsere christliche Stimme, und wer versteht sie noch? 

Reden wie alle Welt und doch von einer anderen Welt. Von Gerechtigkeit und Frieden und einer bewahrten Schöpfung. Es gäbe genug zu sagen. Genug zu beten. Genug zu tun. Jenseits aller konfessionellen und kirchlichen Selbstbefriedigung. Mit leichtem Gepäck…

Den Aufbruch wagen. Nur wohin?
Aufregungen und Anregungen gleich hier unten … 

Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner