“mmh…” Richter oder Rechthaber? Reise nach München.

Wer sitzt, im Gefängnis, kann erst recht radikal werden. Das ist nicht neu und die Empörung über braune Netzwerke währte nur kurz. Anders der Sitzstreit im bald beginnenden NSU-Prozess.

Zehn rassistische Morde. Acht türkischstämmige Menschen, ein griechischstämmiger, eine Polizistin. Eine grausame Serie.

Herumgestotterte Unworte wie „Dönermorde“. Unfassbares Verfassungsschutzversagen, Peinliches, Peinigendes für die Angehörigen. Jetzt soll Recht gesprochen werden, doch die Pein geht weiter.

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“aha…” “Wir müssen leider draußen bleiben.” Auch das Frauchen?

Sie wusste, sie kann was.
Und sie war bereit, ihre Fähigkeiten einzubringen.
Sie wurde dafür anerkannt und geschätzt. Man wollte sie im Team haben.
Und sie wollte das Ihre dazu beitragen, das Team als Ganzes voranzubringen.
Dann kam plötzlich ans Licht: Ihr Lebensgefährte war NPD-Mitglied.
Innerhalb kürzester Zeit wurde ihre Position in Frage gestellt, wurden Befürchtungen geäußert, musste sie Gespräche führen, die Verhören glichen.
Bis schließlich klar war: Sie musste ihr gemeindeleitendes Amt als Presbyterin aufgeben.

Eine fiktive Fallschilderung.
Auf welchen realen, aktuellen Fall aus anderem Zusammenhang sie anspielt, dürfte offensichtlich sein.

Klar ist: Wir wollen keine NPD-Mitglieder in kirchlichen Ämtern. Denn die dieser politischen Ideologie zugrunde liegenden Einstellungen sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar.
Klar ist aber auch: Wir wollen keine “Sippenhaft“. Kein Mensch soll für die Gesinnung eines Anderen verantwortlich gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden, ganz gleich, wie eng er mit diesem verbunden sein mag. [Andererseits: "Verfassungsfeindlichkeit kennt keine Privatsphäre", meint die Politologin und Autorin Marion Kraske in einem Beitrag, auf den ich gerade erst gestoßen bin ...]

Der globale Blick aufs Olympiadorf hat eine andere Fallhöhe als der lokale Blick auf die Kirchengemeinde. Und Sportpolitik ist nicht Kirchenpolitik. Dennoch: Wie sähe es im konkreten Fall tatsächlich aus? Wie hoch wäre der soziale Druck, der entstünde? Wie würden wir damit umgehen? Wie wichtig ist das Ansehen, auch das politische, für eine Kirchengemeinde? Welche Rolle spielt die öffentliche Meinung? Was würden, was könnten wir ihr entgegen halten?

Der gute Ruf des Einzelnen gegen den guten Ruf der Gemeinde. Wäre das die Alternative?

Rufmord ist eine “Pest der Gesellschaft” und tatsächlich “eine Art Mord”, so ist ein Wort von Franz von Sales überliefert. Und im Heidelberger Katechismus heißt es zum sechsten Gebot (Du sollst nicht töten): “Was will Gott im sechsten Gebot? – Ich soll meinen Nächsten weder mit Gedanken noch mit Worten oder Gebärden, erst recht nicht mit der Tat, auch nicht mit Hilfe anderer, schmähen, hassen, beleidigen oder töten (…)” (Frage 105). Stattdessen sollen wir “ihm Geduld, Frieden, Sanftmut, Barmherzigkeit und Freundlichkeit erweisen, Schaden, so viel uns möglich, von ihm abwenden, und auch unseren Feinden Gutes tun” (Frage 106).

Mag sein, meine fiktive Geschichte vom Anfang ist zu pessimistisch. Indes, mich plagt ein Zweifel. Würde es in der Christengemeinde so ganz anders ablaufen? Oder ist das für “unsere Breitengrade” ohnehin viel zu konstruiert?

Das hofft einerseits, fragt sich diesen Freitag andererseits

Euer und Ihr
Alexander Ebel