“mmh…” mechthild meint heute: Nö, nich Reli! Oder doch?

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Bei den Friseurinnen war es mit am schlimmsten. Von weitem schon wabern Wolken von Haarspray aus dem Klassenzimmer. Das erlebte Klischee. Ich betrete den Raum, niemand nimmt Notiz, Lidstriche werden gezogen, hochhackige Stiefel auf den Tisch gelegt. „Och nö, nich Reli, Frollein Werner.”

Vikariat. Lange her. Damals hörte ich auf Fräulein und beglückte an der Berufsschule Neustadt die Friseusen (ja, so genderungerecht hießen sie) mit meiner religionspädagogischen Einfalt. Ebenso die Fernmelder. „Uiii, Sie sehen aber heute wieder… aus.“ Das gab´s zu hören, wenn Lärmpegel und Lümmelgehabe es zuließen. Doch, es gab durchaus Versuche, Reli zu unterrichten – in zig Gruppen, im gefühlten Minutentakt. Aber meist haben die in den Bänken mich unterrichtet.

Ich habe gelernt, den Lehrplan zu vergessen, wenn das Leben wichtiger ist. Liebeskummer, Stress mit dem Meister, Krach mit den Alten, Zoff mit Kumpels, bis hin zu „plötzlich schwanger.“ Nicht leicht, darüber zu reden. Immer echt ergebnisoffen und meist ohne messbares Ergebnis. Aber wo und wann sonst reden?

Vielleicht tun wir Pfarrers es noch immer zu wenig: Aber Schule ist der Ort, wo wir “dem jungen Volk aufs Maul schauen” können. Sagte Bernd Schröder, Professor für Praktische Theologie in Göttingen, in seinem Hauptreferat auf der Herbstsynode. Religion sei „das einzige Fach, das Fragen der persönlichen Daseins- und Wertorientierung anspreche“. Das bestätigte ähnlich die Resolution der Synode. Und: Es gelingt offenbar auch an vielen Berufsbildenden Schulen.

Reli ist meist nah dran am Leben der Azubis, so der Tenor einer Podiumsdiskussion der Handwerkskammer am Mittwochabend in Kaiserslautern. Bei dieser Diskussion war kaum Kritisches zu hören. Anders eine Handwerker-Meinung im Vorfeld: „Bäde und hupse brauche mer nett.“ Sprich, Religion ist für die Azubis so unnötig wie Sport. Gehupft wie gebetet.

“Nö, nich Reli!” Der konfessionelle RU steht in der Kritik, in allen Schulformen. Die Kirchen erwarten selbst zu wenig, meint Schröder, der Religionsunterricht „strahlt nicht.“ Ja, wer strahlt schon montags in der ersten oder freitags in der letzten Stunde? Aber im Ernst:

Braucht „Reli“ mehr Strahlkraft?
Brauchen LehrerInnen für „Reli“ mehr Ausstrahlung?

Eigene leid- und lustvolle Erfahrungen sind gefragt. Gleich hier unten…

Bleiben Sie frech und fröhlich! Ihre Mechthild Werner

Fotonachweis: wikipedia gnu free by Edokter

Liveblog: Hauptreferat von Prof. Bernd Schröder zum Schwerpunktthema “Religionsunterricht” der pfälzischen Landessynode