“aha…” Digital naiv? Alphabetisierungsversuche.

Kirchentag in Hamburg, Anfang Mai, “Forum Internet und Gesellschaft” (#fiug): Der Moderator wirft zum Auftakt einige Statements in die Runde und bittet um Handzeichen, wer dem jeweiligen Statement für sich zustimmt. Gefühlte drei Viertel der Hände im Saal gehen hoch bei “Die zunehmende Abhängigkeit von der Technik macht mir Angst.”

Barcamp Kirche 2.0 in Tutzing (#bctutz), vergangenes Wochenende: Alexander Gajic gibt einen Überblick über die evangelischen Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken. Empörter Zwischenruf einer Teilnehmerin angesichts der Verwendung der Begriffe “Facebook” und “Twitter”: “Das ist Product Placement!” Weiterlesen

“aha…” Halleluja, wir bloggen!

Blogging For DummiesAlso zunächst habe ich etwas nachzuholen. Denn zwar haben wir unsere preisgekrönten Mitbewerber um den WebFish 2013 ausgiebig per Twitter, Facebook und Google+ beglückwünscht. Aber wenn ich recht sehe, haben wir es versäumt, uns bei den treuen “Fans” dieses Blogs bis zu allen ihm freundlich Gesinnten (vielleicht sollten wir einen Förderkreis Pfälzisches Kirchenblog e.V. gründen?) zu bedanken: für jeden Mausklick und Fingertouch, den ihr unserem Blog im Online-Voting gegönnt habt. Danke!

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Gruß zum Geburtstag: mutig, munter, meinungsstark

…so könnte man dieses “protestantisch, pfälzisch, profilierte” Blog auch überschreiben. Am Reformationstag 2011 ging es online, Mechthild Werner veröffentlichte zum Start nicht 95 Thesen wie der große Reformator Martin Luther, sondern startete eine Zehnerpotenz niedriger mit 9,5 Thesen. Die Anzahl ist bescheiden, aber der Anspruch durchaus selbstbewusst.

Die Pfälzer Kirche hat im Social Web etwas zu sagen – und sie hat Personen, die etwas sagen können. Gesicht zeigen, dies macht sich auch dadurch deutlich, dass gleich der erste Blogpost Mechthilds Foto zeigt. Auch der Titel – “mmh…” mechthild meint heute – macht klar: Sie spricht im Auftrage der Evangelischen Kirche der Pfalz persönlich zu den Menschen, die im Social Web leben.

Kirche ist hier im besten Sinne Volkskirche, sie ist da, wo das Volk ist; und ein Großteil der Deutschen bewegt sich in Sozialen Netzwerken. Da ist es nur konsequent, dass Mechthild Werner die erste Social Media-Pfarrerin ist – sie ist zumindest die erste Pfarrerin, die diesen Titel trägt.

Die Pfälzer Kirche hat hier Neuland beschritten. Soziale Medien sind auf Interaktion angelegt, sie funktionieren anders als die klassischen Medien. Blogposts sind keine Pressemitteilungen. Im Social Web kommuniziert man persönlich, nicht institutionell. Daher sind natürlich die Blogposts keine offiziellen Stellungnahmen des Landeskirchenamtes, sondern es sind eben Mechthilds Meinungen, Kommentare, Ermutigungen, die sie im Auftrage ihrer Kirche tätigt.

Es ist ganz schön mutig, sich so auf die Sozialen Kommunikationsmittel einzulassen, ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht und wie weit sie geht. Wie verhalten sich Blog und Homepage der Landeskirche zueinander? Wie „offiziell“ ist das Blog? Es gehört „Mut zum Ausprobieren“ dazu, aber auch die Lust, eben dies zu tun. So finden sich im Pfälzer Kirchenblog auch „10 Grundsätze und Grundfragen”  und der „Mut zum Ausprobieren“ gehört dazu.

Mit großem Interesse habe ich als außenstehender Rheinländer verfolgt, wie im Blog die Portfolio-Synode kommentiert wurde. Dies gibt einen anderen Blick auf die offiziellen Beratungen und ermöglicht neue Formen der Beteiligung. Synodenberichterstattung ist dann nicht nur die Bereitstellung von Vorlagen und Beschlüssen als Download-Dokumente, sondern auch persönliche Einschätzung.

Das Blog ist keine offizielle Kommentierung, sondern hier positioniert sich jemand und erzählt von der Synode. Das ist nicht nur mutige, sondern auch erfrischende – oder um bei der Alliteration zu bleiben - muntere Berichterstattung. Den Mut, so zu kommentieren, hat auch Alexander Ebel. Er ist das zweite Gesicht im Pfälzer Blog.

Das ist vielleicht auch der Schlüssel zum Erfolg, zwei Menschen, eine Pfarrerin und ein Pfarrer zeigen Flagge. Nicht die Objektivität in der Darstellung ist das Ziel, sondern subjektive Parteinahme, sich einsetzen für andere, Kirche sein für andere. Dies gilt für die „Schlecker-Frauen“  in der Frage nach Reichtum und Armut in unserem Land oder in der Debatte um die Beschneidung und Religionsfreiheit.

Dies können, dürfen und müssen Pfarrerinnen und Pfarrer tun, denn sie sind gebunden an ihren Verkündigungsauftrag. Dieser gilt auch in den sozialen Netzen. Die Stimmen im Blog sollen Partei ergreifen. So wie es hier immer wieder Freitags gelingt. „Protestantisch pfälzisch profiliert“ oder eben „mutig, munter, meinungsstark“.

Weiter so. Und herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen!

Ralf Peter Reimann
Pastor, Informatiker, Internetbeauftragter
der Evangelischen Kirche im Rheinland