“aha …” alexander hat’s angenommen: Das große Schisma bei der Portfolio-Synode

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Nein, unter diesem Titel soll es heute einmal nicht um die einzige Schule in Trägerschaft der pfälzischen Landeskirche gehen, sondern – dem Umfeld (“Milieu”?) dieser Publikation entsprechend – um das Abschneiden des Handlungsfeldes “Soziale Netzwerke und Medien” bei der von unserer Landessynode unternommenen Portfolioanalyse Anfang März. Auf der Wichtigkeitsskala von 1 (überhaupt nicht) bis 5 (sehr) landete das Handlungsfeld bei 3,06, auf der Profilbildungsskala bei 3,13.

“Was ist denn da passiert? Woran lag’s?”, bin ich gefragt worden, offenbar in der Annahme, ich müsse über das Ergebnis enttäuscht sein. Tatsächlich entspricht es ziemlich genau meinen Erwartungen bzw. meinem Gefühl, das ich mit Zahlen bislang jedoch nicht belegen konnte: dass nämlich im kirchlichen Bereich gegenwärtig (noch?) ein großer Zwiespalt herrscht, was das Engagement in Social Media anbelangt. Die Einen sind bereits begeisterte Nutzer, die Anderen können damit nichts anfangen.

Und auch, wenn der Wissenschaftler ein Schisma, eine Spaltung der Synode erst bei einer Standardabweichungvon etwa 1,5 attestiert, sprechen die Prozentzahlen bei der Beurteilung der Wichtigkeit des Handlungsfeldes Soziale Netzwerke (Standardabweichung 1,22) doch auch eine deutliche Sprache: 35% der Synodalen ordneten das Handlungsfeld unter überhaupt/eher nicht wichtig ein, 37% unter eher/sehr wichtig, 28% bei mittelmäßig wichtig. Damit liegt es knapp im positiven Bereich über dem Mittelwert von 3. Vor zwei Jahren hätte das mit Sicherheit noch viel schlechter ausgesehen (während ich da schon zwei Jahre bei Facebook war…).

Für mich heißt das: Social Media sind inzwischen auch in der Mitte der Kirche angekommen – wenn auch im Aufgabenfeld Öffentlichkeitsauftrag die etablierten Handlungsfelder allesamt besser abgeschnitten haben. Freilich zählen da auch harte Fakten: Unsere landeskirchliche Facebook-Seitehat derzeit knapp 240 “Fans”, während beispielsweise die kirchlichen Rundfunkaktivitäten täglich potentiell mehrere hunderttausend Hörerinnen und Hörer erreichen. Das ist erst mal ein Argument, wenn sich auch bei dem einen wie bei dem anderen die “Wirkung” nicht wirklich messen lässt. Und: Die 240 “Fans” unserer Seite haben zusammen rund 65000 “Freunde” auf Facebook, mit denen sie theoretisch Meldungen teilen und so weiterverbreiten könnten. Und diese Freunde haben wieder Freunde …

Ich sehe das Ergebnis übrigens nicht (oder jedenfalls nicht vorrangig) in der Altersstruktur der Synode begründet, wie jemand meinte. Zum Einen halte ich den Altersschnitt der Synode gar nicht für so viel höher als denjenigen unserer Facebook-Fans, jedenfalls der regelmäßig aktiven. Zum Anderen beobachte ich die beiden “Lager” durchaus auch bei jüngeren Kirchenverbundenen.

Vielmehr stand es für die Anwendung des Instruments Portfolioanalyse wohl doch so, dass dieses vor dem Hintergrund der kirchlichen Finanzentwicklung eher nicht dazu dienen konnte, neue Handlungsfelder zu eröffnen, sondern nur dazu, die Prioritäten für die Spardiskussion in Bezug auf die etablierten Handlungsfelder zu setzen.

Immerhin war die Synode klug genug, bei der Vorbereitung im vergangenen Jahr zu beschließen, dass auch neue Felder aufgenommen werden können. Drei haben es dann ja auch in die Analyse geschafft (Social Media, Neugründung von Schulen, Innovative Projekte), konnten aber keine so hohe Bewertung erringen, dass die Folgerung nun unumwunden klar wäre: Hier wollen wir investieren.

Braucht es also noch einen Nachfolgetermin mit der umgekehrten Aufgabenstellung? Gesellschafts- bzw. Marktanalyse: Welches kirchliche Engagement oder Investment braucht die Gesellschaft? Was will der “Markt” von uns? Welches “Produkt” können wir gut “verkaufen”? Und was bringt das der Gesellschaft und der Kirche?

Ich freue mich jedenfalls schon und bin gespannt darauf, ob und wie die Synode bei ihrer Tagung Ende Mai in Bad Herrenalb das Handlungsfeld Soziale Netzwerke diskutieren und was sie diesbezüglich beschließen wird.

Wie mein Plädoyer nach wie vor aussieht, dürfte klar sein …

Euer
Alexander Ebel

“mmh…”mechthild meint heute: Protestantisch, Portfolio, Profiliert? Kirche kann auch anders…

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Seit ich zurück bin in meiner Heimatkirche, höre ich es fast täglich, das unaussprechliche P-Wort. Nein, nicht „Protestantisch“ sondern „Portfolio“ – bereits 2011 das kirchliche Wort des Jahres

“Die armen Synodalen”, sagte gestern ein Pfarrerkollege. Denn ab heute tagt die Sondersynode in Kaiserslautern rund ums Portfolio. Man sitzt und schwitzt über einem Sammelhefter: Die Handlungsfelder der Landeskirche wollen beurteilt werden, schlappe 57. Alle 57 genau beschrieben nach Aufgaben, finanzieller Aufwendung, kirchlicher “Wichtigkeit” und “Profilbildung”. Stöhn. 

„Die armen Betroffenen“, schimpft eine Diakonin. „Wir mussten das alles ja ausfüllen, uns selbst bewerten. Nur damit die uns wegkürzen.“ Solch wechselseitiges Bedauern und Beargwöhnen begleitet wohl jede Strukturdebatte.

Ja, sie ist lästig, aber längst überfällig und entscheidend für den Zukunftsprozess. Gelder werden knapp, Gemeinden müssen zusammenrücken, Werke zusammen arbeiten. Das schmerzt, ist aber unstrittig. Doch gestritten wird selbstredend, was und wen – nach Beschluss im Mai – der Sparzwang treffen soll. Was ist wichtig, was nichtig und was hilft bei der Entscheidung?

„Hilfe, Portfolio!“ Oder „Hilfe: Portfolio.“ Die einen hoffen darauf, die anderen würden am liebsten davonlaufen. Dabei ist der Name – von lateinisch „portare“ tragen und „folio“ Blatt – so harmlos wie die Idee. Wer zeigen will, was er hat und wer er ist, besitzt ein Portfolio. Banker, Manager, Künstler oder auch Bildungsstätten haben eine Mappe. Ziel: sich darstellen, bewerten und neu aufstellen. Nun also auch die Kirche.

Die Portfolio-Analyse ist ein Hilfsmittel, um strategisch zu handeln. Da ist es, das zweite Aufreger-Wort: Strategie. Militärsprache. Was würde Jesus dazu sagen? Hatte Paulus etwa strategische Ziele? Ja, Kirche ist ein Unternehmen und muss zielgerichtet wirtschaften. Aber sie ist auch mehr als das. Und muss sich immer wieder fragen, welche Sprache sie spricht. Manchmal eine unselige.

Das gilt umso mehr in der Debatte, die teils militant geführt wird. Polemische Satiren im Pfarrerblatt gegen die „Speyrer Strategen“, ungeachtet der Tatsache, dass die P-Idee von unten, aus der Synode selbst kam. Oder Gemeindepfarrer, die fordern „alle Kollegen in Sonderstellen müssten mal an die Front“, sprich an die Gemeindebasis. Wen wundert´s. Das Maß an Überforderung ist übervoll. Ebenso das Gefühl vieler, wirklich „unten“ zu sein, übersehen und überhört zu werden. 

Leiden wir längst am synodalen Kollaps, am „Kirche 21-Syndrom“? Zu wenig vermitteln zu können? “Wir wurden nicht gefragt, nur durchgerechnet” heißt es bei Gemeindezusammenlegungen. Oder: „Die Portfolio-Felder haben null mit unsrer Realität zu tun.“ Und die Dauerklage: „Wir werden wenig wert geschätzt“. 

Das muss aufhorchen lassen. Da hilft nicht, von oben herab zu sagen: “Die haben ja auch wenig Ahnung von dem, was wir tun müssen. Die wollen doch nur festhalten am Alten.“ Ja, auch das gibt es durchaus: Dieses nervige „Es-war-schon-immer-so“ und das bequeme „Die-da-oben-sind-dämlich“-Gerede an der Basis.

Aber Kirche kann auch anders. Ich wünsche den Synodalen und uns allen kühle Köpfe, warme Herzen und vor allem offene Ohren. Denn das ist Kommunikation: fast kostenfrei, wichtig und profilbildend. Für mich das erste Handlungsfeld. 

Und was meinen Sie, was meint ihr?
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Bleibt frech und fröhlich
Eure Mechthild Werner