Direkt zum Inhalt springen
Direkt zum Inhalt springen

Unsere Partnergemeinden

Erklärung einer internationalen Kirchen-Partnerschaft


“May they all be one…” - John 17 v.21

 

zwischen


Petruskirchengemeinde, Dessau / Deutschland (Evangelische Landeskirche Anhalts)

Immanuel Congregational Church, Hartford, Connecticut / USA (United Church of Christ)

?eskobratrská církev evangelická, Ostrava / Tschechien (Kirche der Böhmischen Brüder)

Purley URC / England (United Reformed Church)

Gedächtniskirchengemeinde, Speyer / Deutschland (Evangelische Kirche der Pfalz)

„Damit sie alle eins seien“ Johannes 17, 21.
Die Geschichte unserer Partnerschaft
Unsere Partnerschaft hat ihre europäischen Wurzeln in Kontakten, die sich aus dem Geist der Versöhnung zwischen örtlichen Kirchengemeinden in England und der Pfalz nach dem 2. Weltkrieg entwickelten. Der erste Besuch von drei jungen Leuten von Shelley Road Worthing in Wolfstein (Pfalz) fand im August 1949 statt. Dies führte indirekt zu einer 'Gemeinschaft von Kanzel und Abendmahl', die 1957 zwischen der Congregational Union von England und Wales und der Pfälzischen Landeskirche vereinbart wurde. Aus persönlichen Kontakten von Pfarrern und Laien in England und der Pfalz entstand die Verbindung zwischen Purley URC und der Gedächtniskirche in Speyer im Jahre 1967.
Die Verbindung zur amerikanischen Gemeinde entwickelte sich als direkte Konsequenz aus einem Kanzeltausch im Jahre 1967 zwischen Pfarrer Cyril Franks ( Purley) und Pfarrer Bob Edwards von der Immanuel Congregational Church in Hartford. Dabei offenbarten sich die bei den Amerikanern  noch immer vorhandenen negativen Vorstellungen von Deutschland und den Deutschen.  Um diese schablonenhafte Meinung zu ändern fand 1971 die erste Konferenz der drei Gemeinden in Purley statt.


 

 

Nach der Teilung Deutschlands in den späten 40er Jahren, entstanden zwischen Kirchengemeinden in Westdeutschland und der damaligen DDR Beziehungen, die auch zu einer Verbindung der Pfälzischen Landeskirche und der Evangelischen Landeskirche Anhalt führten. Durch diese kirchlichen Verbindungen kamen die Gemeinden der Gedächtniskirche, der Petruskirche und, indirekt, auch  die der Böhmischen Brüder in Ostrava in Kontakt. Ab 1966 trafen sich jedes Jahr, für ein Wochenende, Gemeindemitglieder aus Speyer und Dessau in Ost-Berlin. Dazu wurden später auch deutschsprechende Gemeindemitglieder aus Purley, Ostrava und Hartford eingeladen. In der Mitte der 80er Jahre gab es zwei entsprechende Wochenenden zwischen Dessau und Purley. Anders als die Treffen in Berlin waren frühe persönliche Kontakte mit Dessau bzw. Ostrava und den anderen westlichen Partnergemeinden durch die politischen Umstände sehr eingeschränkt und bestanden hauptsächlich im Austausch von Briefen. Trotzdem besuchten während der 70er und 80er Jahre  Gemeindemitglieder aus Purley und Hartford die Gemeinden in der DDR und Tschechoslowakei, und es wurde einigen wenigen Gemeindemitgliedern aus Dessau erlaubt, ab 1980 an den Partnerschaftskonferenzen teilzunehmen. Nach den bedeutungsvollen Ereignissen im Herbst 1989 änderte sich alles. Ein Höhepunkt in der Geschichte der Partnerschaft war ohne Zweifel die Konferenz im Juli/August 1992 in Purley, die ca. 120 Besucher zählte, von denen fast die Hälfte aus Dessau und Ostrava kamen.
Die Purley URC unterhält auch eine bilaterale Verbindung zur Woodvale Presbyterian Church in Belfast. Obwohl sie kein 'Vollmitglied' der Partnerschaft werden möchten, sind die irischen Teilnehmer bei den Konferenzen und anderen Treffen der letzten Jahre eine große und echte Bereicherung gewesen.

Die Ziele unserer Partnerschaft:
Im Zentrum der Partnerschaft steht für alle Partnergemeinden:
1.)   Die Fortführung  unserer Verpflichtung für Frieden und Versöhnung in Übereinstimmung mit dem Ursprung der Partnerschaft. Dies zeigt sich in unserem Umgang mit anderen christlichen Gemeinden und anderen Glaubensrichtungen
(„Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt“ - 2. Korinther 5, 18).
2.)   Das Entwickeln eines internationalen christlichen Verständnisses und der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
(„Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ - 1. Petrus 3, 15).
3.)   Das Schaffen von tiefen und dauernden Freundschaften und Kontakten, die den Rahmen für gegenseitiges Verständnis, gegenseitige Unterstützung und Ermutigung bilden
(Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.“ - 1. Petrus 3,8).

Die Hauptkennzeichen unserer Partnerschaft:


„Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.“ Römer 12,10.
Unsere Partnerschaft sucht ihre Ziele durch das Folgende zu erlangen:
•    Einmal im Jahr ein gemeinsamer Gottesdienst
•    Jährlich stattfindendes Friedensgebet
•    Wechselseitige Unterstützung im Gebet für alle unsere Gemeinden sowie einzelner Mitglieder
•    Eine große Konferenz alle drei Jahre (abwechselnd in den Gemeinden)
•    Informelle Kurzbesuche, wenn sich die Gelegenheit ergibt (z.B. spezielle Ereignisse, Ferien, Geschäftsreisen)
•    Regelmäßiger Austausch von Grüßen, Terminen, Gemeindebriefen, Kirchenzeitungen und aktuellen Neuigkeiten aus den Gemeinden,  einschließlich der gegenseitigen Hinweise auf unsere Webseiten.

Die Rolle der örtlichen Gemeinde innerhalb unserer Partnerschaft:

„Ist‘ s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden“. Römer 12,18.

Jede Kirchengemeinde ist bestrebt, die Partnerschaft durch ihre jeweils eigenen Möglichkeiten auszuweiten. Die Beiträge jeder Gemeinde basieren auf

                -  ihrem Verständnis der Rolle einer christlichen Gemeinschaft in ihrer jeweils                eigenen Gesellschaft

                -  ihren konfessionellen und anderen Netzwerken,  sowohl in ihrem eigenen Land als auch international

                -  den Herausforderungen, welche sowohl die eigenen Mitglieder, als auch die Mitglieder der Partnergemeinden betreffen. Dies können Probleme bzw. Angelegenheiten örtlicher, nationaler und/oder internationaler Bedeutung sein, die unsere eigene Gemeinde, andere Glaubensgemeinschaften und/oder die säkulare Welt betreffen.

 

Unsere gegenseitige Partnerschaftsverpflichtung:

Wir ehren das Erbe derer, deren ursprüngliche Vision es war, sich nach dem Krieg zu versöhnen und sich gegenseitig zu verstehen und somit die Partnerschaft erst ermöglicht haben. Um diesen Schatz zu bewahren, wollen wir uns gegenseitig neu verpflichten:

1.  -        die Ziele unserer Internationalen Partnerschaft in einer sich wandelnden Welt zu bewahren

2.        zusammen den Ausbau unserer internationalen Partnerschaft zu fördern, dass sie auch noch Bedeutung für heutige und künftige Generationen hat

3.        zusammen zu erforschen – theologisch, geistlich und persönlich – was es bedeutet, untereinander partnerschaftlich verbunden und für Versöhnung und Frieden als Aufgabe verpflichtet zu sein.

4. -         Werbung für diese internationale Partnerschaft innerhalb jeder Gemeinde zu machen, dass alle eingebunden sind und nicht nur einige wenige.

5. -         ein Teil von Gottes Versöhnungsauftrag zu sein.

               

                (Damit sie alle eins seien... Joh. 17,21)


 

 

 

 

 

 

 

 

Rückblick auf die große Partnerschaftskonferenz vom 30.07. - 07.08.2016 in Ostrava

 

mit dem Thema 'Ecclesia semper reformanda'

 

Große Partnerschaftskonferenz das bedeutet –  alle drei Jahre – das Wiedersehen von lieben alten Freunden und das Entdecken von neuen Freunden aus unseren vier Partnergemeinden in Dessau, Hartford, Ostrava und Purley.

Unsere Freunde hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet: Drei klare und aussagekräftige Vorträge zum Thema (alle drei Referenten waren 3-sprachig!!!) mit Diskussion und Bearbeitung in sechs Gruppen, Ausflüge (zum höchsten Berg von Mähren, dem Praded), zu einer Papierfabrik (auf dem dort geschöpften Papier wurde unsere Partnerschaftserklärung gedruckt!), nach Mittelmähren mit Besichtigungen, an zwei Abenden Konzerte und immer wieder gemeinsame Mahlzeiten mit Gelegenheit zu Gesprächen. Wir begannen jeden Tag mit einer Andacht, von jeweils einer anderen Gemeinde oder den Jugendlichen vorbereitet. Danach hatten die Kinder bei ihrem eigenen Programm (Besuch im Zoo, Museum u.a.) viel Spaß!

Während die älteren Teilnehmer in Privatfamilien wohnten, durften die Jugendlichen und jung gebliebenen die Zeit gemeinsam in einem christlichen Haus verbringen. Über den ganzen Tag wurden wir mit Getränken und Süßem im Gemeindesaal gut versorgt, wo auch die Mahlzeiten stattfanden.

Begleitet wurde die ganze Konferenz vom Team eines christlichen Fernsehsenders. Die Aufzeichnung der Sendung sollen wir auch bekommen.

Gelungen war wieder der 'Bunte Abend' mit lustigen Beiträgen aus allen Gemeinden und der Jugend!

Mit Jubel wurden die Einladungen zu unseren zwei nächsten Treffen begrüßt: In 2018 ein Jugendtreffen in Purley/GB (wir hatten 2015 die Jugendlichen hier in Speyer!) und 2019 die nächste große Konferenz in Dessau.

Höhepunkt war, am zweiten Sonntag, der Abendmahlsgottesdienst mit Unterzeichnung der Partnerschaftserklärung. In ihr bekennen wir uns zu unseren Wurzeln und verpflichten uns zur Zukunft der Partnerschaft.

Mit Dankbarkeit schauen wir zurück auf schöne gemeinsame Tage und sind froh, dass alle Teilnehmer gut nach Ostrava und wieder zurück gekommen sind!

Am 11. September laden wir Sie nach dem Gottesdienst ein, uns – bei Oblaten und Becherovka – auf unserem Rückblick mit Bildern und Berichten auf diese bewegten Tage zu begleiten.

zum BREXIT

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides. (Jer 29,11)

 

Bewusst erleben, was Partnerschaft im Juni 2016 heißt

Während im Internet und in den Medien erneut Häme über England ausgeschüttet wird, erst der Brexit, den auf einmal keiner mehr wirklich zu wollen scheint, und dann noch das peinliche Aus des Mutterlandes des Fußballs gegen die kleinen „Underdogs“ aus Island, schreiben uns englische Freunde aus der Partnergemeinde in Purley im Süden von London.

Christen unserer Partnergemeinde empfinden Angst, Wut und Trauer über den Ausgang des Referendums. Sie fürchten um vieles, was sich rational gar nicht so schnell greifen lässt.

Seit Jahrzehnten verbindet die Speyerer Gedächtniskirchengemeinde eine tiefe und besonders innige Freundschaft mit der Purley United Reformed Church. Nach dem 2. Weltkrieg haben sich zunächst Einzelne, dann ganze Gemeinden und Kirchenbezirke für Frieden und Versöhnung zwischen den einstmals verfeindeten Nationen eingesetzt.

Briefe und Emails erreichen uns in diesen für viele Engländer so schwierigen Tagen. Mit bewegenden Worten versichern uns Gemeindeglieder, wie traurig, geschockt und tief bewegt sie vom Abstimmungsergebnis der vergangenen Woche sind. Der Schock sitzt tief, bei Jung und Alt. Viele bekräftigen immer wieder, dass sie sich als „committed Europeans“ fühlen und dass sie einer Abspaltung Englands von der Europäischen Union nicht zustimmen.

Ein Gemeindeglied drückt das (auf Deutsch!) folgendermaßen aus: „Diese Entscheidung des Vereinigten Königreiches stärkt meinen Glauben an die fundamentale Bedeutung unserer Partnerschaft und der Versöhnung, die sie verkörpert. Eure Freundschaft, unsere Partnerschaft und unsere Beziehungen zählen zu den bedeutendsten Einflüssen und Faktoren in meinem Leben und Glauben, wie sie seit über 30 Jahren existieren.“

Trotz aller Trauer und allen Unverständnisses müssen alle, die so nicht entschieden hätten, das Votum der englischen Bevölkerung ernst nehmen, das muss Demokratie aushalten!

Gerade in diesen Tagen wird deutlich, dass unsere Kirche, unser Glauben über Grenzen hinweg, nicht am Channel oder an irgendeiner von Menschenhand gesteckten Grenze halt machen darf. Was lange als völlig normal galt, darf nicht plötzlich zunichte gemacht werden. Wie England politisch „aus der Nummer“ wieder herauskommt, werden wir womöglich alle erleben. Was das mit den Menschen, mit dem Einzelnen macht, ist etwas anderes.

Viele Engländer fürchten nun, dass der unselige Ausgang des Referendums das Land eher gespalten als geeint hat.

Wir als Christen schließen unsere Freunde aus Purley in unsere Fürbitten und Gebete ein, in der großen Hoffnung, dass die unverständlichen politischen Bewegungen, die unsere Welt momentan erschüttern, gemeistert werden können.

Weltweite Ökumene, Verbindung im Glauben zeigt sich in solchen Krisensituationen besonders durch das Zusammenstehen. Wir wollen unseren englischen Freunden unsere volle Solidarität bekunden und uns im Geiste eines liebenden, einenden Gottes an ihre Seite stellen.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm formuliert das so: „Die Evangelische Kirche in Deutschland bedauert den Schritt der Briten, die Europäische Union zu verlassen, außerordentlich. Es wird nun nötig sein, in Ruhe die Gründe für das Austrittsvotum zu analysieren. Der bevorstehende Austritt eines Landes aus der EU ist schmerzlich und muss Anlass sein, das Friedensprojekt Europa umso kräftiger voranzutreiben. Als Kirchen werden wir uns mit unserem internationalen ökumenischen Netzwerk weiter für ein geeintes und solidarisches Europa einsetzen. Wenn sich bestätigt, dass vor allem viele junge Menschen für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union gestimmt haben, ist das eine besondere Verpflichtung, in unserem Engagement nicht nachzulassen. Für mich ist die Jugend die Hoffnung Europas.“
(Hannover/Berlin, 24. Juni 2016)

In diesem Sinne freuen wir uns als Gemeindeglieder der Gedächtniskirchengemeinde auf unsere Internationale Partnerschaftskonferenz, die am 30.Juli in Ostrava, Tschechien beginnt, um dort solidarisch mit Christinnen und Christen aus Hartford (USA), Dessau, Ostrava (CZ) und Purley (England) für ein geeintes Europa in Frieden und Gerechtigkeit einzustehen.

Nomi Banerji-Gévaudan, Pfrn.