RPR1 "Angedacht": Friedliches Kind.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Samstag, 15. Januar 2011:

Friede auf Erden! Seit über drei Wochen hallte die Botschaft der Engel in Marias Ohren nach. Was für ein Unsinn, dachte sie. Friede auf Erden! Nicht mal ansatzweise konnte sie davon etwas spüren. Überall im Land regierte die Gewalt, es galt das Recht des Stärkeren. Friede auf Erden – Wer sagte denn, dass nicht auch Engel sich mal irren konnten?

Allerdings, kam Maria ins Grübeln, hatte sie selbst ja auch schon einmal einem Engel gegenübergestanden. Der Himmelsbote hatte ihr die Geburt ihres Kindes vorhergesagt. Und Maria hatte ähnlich reagiert wie jetzt. „Das kann nicht sein“ hatte sie dem Engel geantwortet.

Heute wusste sie: Der Engel hatte recht behalten. Vor ihr lag Jesus in seinem Bettchen und schlummerte vor sich hin. Als könne ihm kein Soldat und keine Gewalt etwas anhaben. Es war ein so friedliches Bild. Wie sie ihren Sohn so daliegen sah, da kamen Maria Zweifel. Zweifel an ihren Zweifeln.

Maria stand auf. Trat vor die Tür, sah nach oben zum Himmel, und fühlte, wie sie etwas von innen wärmte. Der Anblick des selig schlafenden Kindes hatte Maria eine Ahnung von dem geschenkt, was die Engel versprochen hatten: Friede auf Erden! Und plötzlich war da etwas, das ihr zuvor gefehlt hatte und sie nun in der Kälte von innen her wärmte: Maria hatte Hoffnung.

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RPR1 "Angedacht": Strahlendes Kind.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Freitag, 14. Januar 2011:

Maria stand am Fuß der Krippe und betrachtete ihr Kind. Jesu Atem ging ruhig und gleichmäßig, seine Augen waren geschlossen. Noch konnte Maria auf seinem Gesicht nur wenige Emotionen erkennen. Lediglich wenn ihm etwas nicht gefiel, konnte Maria das sehen. Dann verzog Jesus das Gesicht und fing an zu weinen. Freude dagegen konnte Jesus seiner Mutter noch nicht zeigen. Aber Maria wusste: Das würde sich bald ändern!

Sie hatte sie bei den Kindern schon oft gesehen: diese reine, unverstohlene Freude, wenn sie z.B. ein Geschenk bekamen. Für Kinder war das eben noch völlig selbstverständlich, während Erwachsene hinter Geschenken oft irgendeinen Haken vermuteten.

So war es auch bei ihr gewesen, als der Engel ihr das größte Geschenk ihres Lebens angekündigt hatte: “Maria”, hatte er gesagt, “du hast Gnade bei Gott gefunden, Du wirst einen Sohn gebären.” Maria hatte es nicht glauben können. Warum sollte Gott mich beschenken? Hatte sie gedacht. Womit habe ich das verdient?

Erst jetzt, Monate nach dem Erscheinen des Engels und drei Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Jesus, begann Maria, zu verstehen. Sie dachte an die Kinder ihrer Freundinnen und daran, wie sehr diese sich über die Kleinigkeiten freuten, die Maria ihnen dann und wann mitbrachte. Ihr dämmerte es.

Manche Dinge kann ich mir nicht verdienen und das brauche ich auch nicht, dachte Maria. Ich muss sie nur annehmen, denn ich bekomme sie einfach so von Gott geschenkt.

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RPR1 "Angedacht": Wertvolles Kind.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Donnerstag, 13. Januar 2011:

Lang ausgestreckt lag Josef auf der Wiese und schaute nachdenklich hinauf zum Himmel. Hatte er richtig gehandelt oder doch eher einen riesigen Fehler begangen?

Es war jetzt genau eine Woche her, dass die drei Männer mit den teuren Umhängen Maria, ihn und Jesus im Stall besucht und wertvolle Geschenke mitgebracht hatten. Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Vor ein paar Stunden hatte Josef die Myrrhe und den Weihrauch in der Stadt verkauft und sich das Gold in Münzen auszahlen lassen. Insgesamt hatte er so viele Geldstücke bekommen, dass er sie kaum hatte tragen können.

Doch zurück bei Maria und Jesus, hatte Josef nur noch rund die Hälfte davon übrig. „Hast du den Rest verloren? Oder gar verspielt?“ hatte Maria gefragt. „Nein“, hatte Josef geantwortet, „aber da waren dieses kleine Mädchen und die kranke Frau, die auf der Straße gesessen haben. Denen habe ich Geld gegeben, weil, weil sie mir leid getan haben.“

„Mehr als die Hälfte unseres Geldes?“ Fassungslos hatte Maria den Kopf geschüttelt und Josef allein vor ihrem Quartier stehen gelassen. Und da lag er nun im Gras und war verwirrt.

Es dauerte über eine Stunde, bis Maria wieder herauskam, auf ihrem Arm hatte sie Jesus. Josef sah sie entschuldigend an. „Es tut mir leid, Maria, ich hätte Dich fragen müssen, ehe ich unseren Reichtum verplempert habe.“

„Sei still“, sagte Maria. Mit dem Kopf deutete sie auf das kleine Kind in ihrem Arm und flüsterte: „Schau, Josef, wir sind auch ohne das Geld reich!“

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RPR1 "Angedacht": Laufendes Kind.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Mittwoch, 12. Januar 2011:

Mit großen Augen strahlte Jesus seine Mutter an. Maria hatte ihm gerade eine neue Windel angezogen und nun lag er zufrieden auf ihrem Arm. Das war seine momentane Lieblingsbeschäftigung. Liegen und ab und an mit Armen und Beinen strampeln.

Kein Wunder, dachte Maria, viel mehr konnte ihr Sohn ja auch noch nicht tun. Außer einer Sache vielleicht: knapp 3 Wochen nach seiner Geburt konnte Jesus bereits Marias Finger festhalten. Berührte sie zum Beispiel seine Hand mit ihrem Daumen, dann schlossen sich Jesu Finger fest darum. So als wollte er seine Mutter nie mehr loslassen.

Nicht mehr lange, dachte Maria, und Jesus wird mehr wollen als einfach nur so dazuliegen und Finger zu umklammern. Er wird anfangen, sich mehr und mehr zu bewegen. Zu krabbeln und zu laufen.

Maria musste grinsen bei der Vorstellung, wie ihr kleiner Sohn irgendwann quiekend und schreiend auf Menschen zurennen würde. Auf den letzten Metern würden seine kleinen Schritte immer schneller werden und schließlich würde er sich in die offenen Arme stürzen, die sich ihm entgegenstreckten.

Deutlich sah Maria es vor sich: Jesus würde den Menschen um den Hals fallen und sie fest an sich drücken, als wollte er sagen: Ich halte dich fest. Ich bin ganz nah bei dir.
So ähnlich, wie Jesus es jetzt schon mit Marias Finger tat.

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RPR1 "Angedacht": Stinkendes Kind.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Dienstag, 11. Januar 2011:

Das stinkt ja zum Himmel, dachte Josef. Seine Frau Maria hatte ihn zu dem kleinen Bach unterhalb ihrer Unterkunft geschickt, um die Windeln von Jesus auszuwaschen. Und da kniete Josef nun am Ufer und rieb den Stoff aneinander, um ihn wieder halbwegs sauber zu kriegen.

So hatte er sich das wirklich nicht vorgestellt, als der Engel zu ihm gesagt hatte: „Den Sohn, den deine Frau empfangen hat, der ist vom Heiligen Geist und er wird sein Volk retten.“

Bei dem Gedanken an etwas Heiliges, war Josef sofort der Duft von wertvollem Salböl in die Nase gestiegen. Angereichert mit wohlriechenden Gewürzen hatten Josefs Vorfahren damit die Köpfe ihrer Könige massiert oder das Öl auf ihren Altären Gott geopfert.

Von einem Wohlgeruch konnte bei Jesus aber nun wirklich nicht die Rede sein. Nie hätte Josef sich träumen lassen, dass etwas Heiliges, etwas Göttliches so menschlich riechen könnte.

Aber – wie er so Tag für Tag die Windeln unten am Bach auswusch – musste Josef sich eines Besseren belehren lassen. Er hatte mittlerweile gelernt, dass etwas Heiliges offensichtlich sehr menschlich sein konnte.

Jesus konnte schreien, er fror, er musste essen und trinken und auch das Gegenteil davon machen. Statt teurem Duftöl auf dem Kopf, brauchte er eher eine wärmende Decke, eine Umarmung oder einen Kuss auf die Stirn. Er war eben ein kleiner Mensch und als solcher stank er manchmal zum Himmel.

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RPR1 "Angedacht": Schreiendes Kind.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Montag, 10. Januar 2011:

Ach, wenn das Geschrei doch endlich aufhören würde. In dieser Nacht war es ganz besonders schlimm. Alle zwei Stunden wollte Marias Baby an die Brust. Bereitwillig stillte sie den kleinen Wurm, schaukelte ihn anschließend auf dem Arm in den Schlaf und dann, kaum dass sie selbst wieder eingeschlafen war, ging das Geschrei von vorne los.

Sie war so müde. Zweieinhalb Wochen war ihr Kind erst alt und sie war schon jetzt völlig am Ende. Gott hilft – auf aramäisch: Jesus – hatte sie ihren Sohn genannt und in der letzten Nacht unzählige Male auf Gottes Hilfe gehofft. „Lass das Kind bitte bis zum Morgen schlafen“, hatte sie sich gewünscht. Bisher ohne Erfolg. Alle zwei Stunden hörte sie Jesu Schreie.

Ich wünsche mir endlich mal wieder eine Stille Nacht, dachte Maria. Eine Nacht, die so ganz anders ist als die Nächte, die ich in den letzten Wochen hatte. Ruhig, heilig– so dass ich wieder Kraft tanken kann. Aber gleich geht das Geschrei wieder los, die zwei Stunden sind rum. Maria rechnete sekündlich damit, dass Jesu kräftiges Stimmlein die Stille der Nacht zerreißen würde.

Aber: es blieb ruhig. Es kam kein Gebrüll. Nicht nach zwei Stunden, nicht nach zweieinhalb. Die Stille hielt noch eine ganze weitere Stunde. Maria genoss diese Zeit und dachte: Vielleicht hat Gott mir doch geholfen. Dreieinhalb Stunden Ruhe sind zwar noch keine stille Nacht, aber immerhin ein Anfang!

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RPR1 "Angedacht": Gott in der Mitte.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und „Feels like heaven“ bei Rockland Radio am Sonntag, 09. Januar 2011:

Bei uns zuhause war es gestern Mittag soweit. Wir haben ein Stück Weihnachten entsorgt. Alles ging ganz schnell: Tür auf, Tannenbaum raus, Tür wieder zu. Und schon ehe wir alle Kartons mit den Kugeln, Kerzen und Strohsternen wieder auf dem Speicher verstaut hatten, ist die Feuerwehr gekommen und hat den Baum abgeholt.

So wie gestern bei uns im Dorf wird es in den nächsten Tagen überall in Deutschland passieren. Ein Möbelhaus macht Jahr für Jahr sogar Werbung mit der Tannebaum-Entsorgungsaktion. Nach dem Motto: Wenn der Tannenbaum raus ist aus dem Haus, dann habe ich ja wieder Platz. Platz für neue Möbel.

Aber habe ich – jetzt nach Weihnachten – auch noch Platz für Gott in meinem Leben? Die Geburt Jesu ist ja nicht nur im Dezember ein Grund zum Feiern.

Deshalb möchte ich mich an Maria und Josef orientieren. Für Sie war Weihnachten erst der Anfang eines Lebens mit Gott in ihrer Mitte. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn in dem kleinen Jesuskind ist Gott auf die Erde gekommen.

Mit Maria, Josef und vielen anderen Menschen hat er die Höhen und Tiefen des Lebens geteilt. Hat gelacht und geweint, gefeiert und gelitten, ist gestorben und auferstanden. All das möchte ich feiern. Und zwar das ganze Jahr über – auch ohne Tannenbaum.

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