RPR1 'Angedacht: Ende des Frühlings

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 15. Juli 2008:

Ein kurzer Frühling wurde es. Ein langer kalter Winter kam. Vor 40 Jahren keimte in der damaligen Tschechoslowakei für einen kurzen Moment Hoffnung auf. Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen. Hoffnung auf Freiheit, zumindest kleine Freiheiten. Für Gewerkschaften, Kulturorganisationen, Kirchen. „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, nannten es die Reformkommunisten um Alexander Dubcek.

Für viele Tschechen und Slowaken ein Grund zur Hoffnung. Volk und Führung waren sich so nah wie nie. Im Frühling 1968. Der heute geschichtsträchtig „Prager Frühling genannt“ wird. Am 15. Juli, heute vor 40 Jahren, kam der Wetterumschwung. Ein rauer Wind blies den Tschechen und Slowaken ins Gesicht. In einem gemeinsamen Brief der Staaten des Warschauer-Paktes an die „Genossen“ in Prag wurde unverhohlen mit Konsequenzen gedroht. Niemals werde man zulassen dass „der Imperialismus eine Bresche in das sozialistische System“ schlage. Heißt auf deutsch: Ende des Frühlings. Eiszeit ist angesagt. Fünf Wochen später rollten die Panzer.

Das Ende des Prager Frühlings zieht seine Kältespur bis heute. Zum Beispiel für die kleine Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder. 270.000 Mitglieder hatte sie noch 1968, 115.000 Mitglieder sind es heute. Dennoch lebt die Kirche, engagiert sich in der Diakonie, in der Bildung, im Gottesdienst. Hoffnungszeichen trotz aller gesellschaftlichen Entfremdung von Gott. Die Kirche spricht wieder von Hoffnung. Und sie bringt den Grund der Hoffnung zur Sprache: Gott. Sie gibt „Rechenschaft über die Hoffnung, die in uns ist“. (1.Petrus 3,15). Damit es wieder „Frühling“ wird.

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