RPR1 "Angedacht": Der Koalitionsvertrag ist keine Bibel.

Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 19. Oktober 2009:

Steuern – rauf oder runter. Bürgerrechte –ausweiten oder einengen, Kündigungsschutz – hart bleiben oder aufweichen. Das ist der Stoff, aus dem der Koalitionsvertrag geschlossen wird. Kommende Woche soll er stehen, der neue Koalitionsvertrag.

Dem umfangreichen Papier kommt hohe Bedeutung zu, denn schließlich regelt es Form und Inhalt der Regierungspolitik und damit auch unser Leben als Staatsbürger. Von den einen sind die Beschlüsse herbeigesehnt und gewählt, von den anderen gefürchtet und verurteilt.

Dem politischen Ehevertrag von Angela Merkel und Guido Westerwelle wird es dabei nicht anders ergehen, als den vielen Verträgen vergangener Partnerwahlen. „Man soll den Text nicht überbewerten.“ So jedenfalls hat es ein erfahrener Koalitionär bereits vor vier Jahren gesagt. Der Vertraute der Kanzlerin fügte damals als Begründung hinzu: „Der Koalitionsvertrag ist keine Bibel.“

Ein Koalitionsvertrag ist keine Bibel. Wie wahr. Denn die Bibel verliert sich nicht im Klein-Klein des Alltags oder versucht auf alle Situationen eine passende Handlungsanleitung zu finden.

Ein Koalitionsvertrag ist keine Bibel. Wie schade. Denn die Bibel enthält Maßstäbe für Grundhaltungen. Sie gibt ein ethisches Fundament, sie wirbt für mehr Gerechtigkeit und stellt sich auf die Seite der Schwachen.

Die Bibel. Vielleicht ist sie selbst eine Art Koalitionsvertrag. Ein Koalitionsvertrag zwischen Glaube und Politik. Vom Glauben her gibt sie den Anstoß, sich um die Welt zu kümmern. Und so macht die Bibel Politik möglich.

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