RPR1 "Angedacht": Ein Mini-Paradies.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Sonntag, 21. März 2010:

Ich werd’ regelmäßig schwach. Ich hab’ ein Faible für elektrische Gitarren und besitze mehr davon als ich eigentlich brauche.

In meiner Band kann ich immer nur auf einer spielen, und bei Auftritten brauche ich zwei: eine zum Spielen und eine als Ersatz. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass ich „nur noch diese eine haben muss“ – und wieder mal mein Sammeltrieb triumphiert.

Die einen sammeln Musikinstrumente, die anderen sammeln Briefmarken, Stofftiere, Fußballbilder oder alte Autos. Sammeln kann man alles, egal ob es gewöhnlich ist oder exklusiv. Das Schöne daran: Das Talent dazu haben wir alle, denn Sammeln ist zutiefst menschlich.

Der Sammeltrieb hat uns einst das Überleben gesichert. Die Menschen wären längst ausgestorben, wenn sie nicht Nahrung und Brennholz gesammelt und Vorräte angelegt hätten.

Das machen wir ja heute noch: Wir bunkern im Sommer Heizöl und Kaminholz für den Winter, haben im Vorratsschrank Nudeln, Mehl und Zucker auf Reserve. Zu Sammlern aber macht uns aber erst die Leidenschaft für Gegenstände, die wir nicht zum Überleben brauchen.

Warum wir das tun? Ich glaube, im Sammeln steckt das Bedürfnis nach Ordnung. Die Reich des Sammlers ist eine geordnete Welt. Ein Paradies, aus dem ihn niemand vertreibt.

Verbotene Früchte gibt es daran nicht. Dafür aber eine Unzahl von Versuchungen, denen man ohne Reue nachgeben kann. Und jedes neue Stück weckt die Neugier auf das nächste.

Der Mensch lebt nicht im Paradies. Man kann ihm aber nicht verdenken, dass er sich gelegentlich so fühlen will.

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