Rockland Radio 'Feels like heaven': Wohnungslos.

Pfarrer Gregor Ziorkewicz, Mainz, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Samstag, 11. September 2010:

„Danke – und einen schönen Tag noch – wünsche ich Ihnen“.
Ich bin schon einige Meter weiter als ich dieses „Danke!“ höre. Gerade eben habe ich zwei Euro in einen kleinen Korb geworfen, aber meine Gedanken sind schon beim nächsten Termin. Verstohlen blicke ich mich noch einmal um, und sehe dem Bettler dabei zum ersten Mal ins Gesicht. Er winkt mir und streichelt seinen Hund.

Was soll ich jetzt machen? Zurückwinken? Zurückgehen? Hmm, ist mir irgendwie peinlich. Geld ins Körbchen werfen ok, aber den Bettler ins Gesicht sehen, vielleicht sogar ein paar Worte mit ihm reden?

Knapp 900.000 Menschen gelten in Deutschland als Wohnungslos. Tendenz steigend. Nicht alle gehen betteln oder leben auf der Strasse, aber sie haben keine feste Bleibe, keine Adresse. Wer die nicht hat, bekommt kein Bankkonto, und wer kein Bankkonto hat, bekommt keine Arbeit, und wer keine Arbeit hat, bekommt keine Wohnung – ein Teufelskreis.

Aber trotzdem leben diese wohnungslosen Menschen mit uns, sind unser Gegenüber, unsere Nächsten, wie es in der Bibel heißt. „Was ihr dem Geringsten unter ihnen getan habt, das habt ihr mir getan“, so sagt Jesus das. Und deshalb schaue beim nächsten Mal hin, wenn ich etwas gebe!

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RPR1 "Angedacht": Weihnachten im September?

Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 11. September 2010.

Im Wohnzimmer riecht es nach Lebkuchen. In der Süßigkeiten-Schale liegt edle Schokolade in weihnachtlichem Dekor. Und dort, die kleine dicke Schokoladenfigur in rot, ist das tatsächlich ein Weihnachtsmann?

Wir befinden uns im Jahr des Herrn zweitausendundzehn. Es ist Anfang September. Und alle finden es unmöglich, dass es jetzt schon Weihnachtsartikel zu kaufen gibt. Aber wenn niemand die Sachen kaufen würde, lägen sie nicht jetzt schon wieder in den Geschäften aus. Lebkuchen schmeckt frisch am besten, oder?

Ja, früher freuten sich die Kinder an Ostern auf Ostereier und an Weihnachten auf Weihnachtsplätzchen. Und heute gibt’s für jeden alles und das immer. Nur eines gibt es dann nicht mehr: Erwartung und Vorfreude. Schade.

In der Kirche sprechen wir vom Kirchenjahr. Es teilt das Jahr ein in unterschiedliche kirchliche Zeiten und Feste. Es gibt damit einen Rhythmus vor, der, so glaube auch ich, für uns Menschen heilsam ist.

Das Kirchenjahr beginnt jedes Jahr am ersten Advent. Ab dann warten wir auf Heilig Abend. Und wir bereiten uns vor und freuen uns auf das Fest von Christi Geburt. Und weil Jesus das größte Geschenk Gottes an uns Menschen ist, machen wir uns auch gegenseitig schöne Weihnachtsgeschenke.

Wir in unserer Familie werden die Weihnachtszeit vor lauter Vorfreude wieder kaum abwarten können. Vorverlegen in den September werden wir sie aber nicht.

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