RPR1 "Angedacht": Alter Wein in neuen Schläuchen.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 22. September 2010:

Public Viewing ist ja schwer „in“. Spätestens seit der WM in Südafrika ist klar: Erst im Rudel macht Fernsehen wirklich Spaß. Man traute sich ja kaum noch, zu Hause alleine Fußball zu gucken.

Und schon wird Public Viewing als religiöses Phänomen gedeutet: als neues Wir-Gefühl mit eigenen Ritualen und Symbolen, als Mischung aus Open-Air Konzert und Kirchentag.

Keiner meiner Freunde hat mich während der WM gefragt: „Kommst du zu mir Fußball gucken?“ Nein, es hieß immer: „Kommst du heute zu mir? Wir machen Public Viewing.“ Am Ende haben sich ein paar Leute getroffen und zusammen Fußball geguckt mit Bier und Chips. Wie früher. Aber offenbar muss man manchen Sachen einen englischen Namen geben, damit sie wieder interessant werden.

Wie wär’s also, wenn sich die Kirche daran ein Beispiel nehmen würde und den Gottesdienst zum „Public Praying“ erklärte. Im Gottesdienst wird zwar nicht nur gebetet, sondern auch gesungen und zugehört. Aber trotzdem klingt Public Praying dynamisch und einfach nach viel Action.

Soll es in Zukunft also „Public Praying“ heißen statt „Gottesdienst“? Wenn es nach mir ginge, könnte der Name ruhig dergleiche bleiben. Wichtiger ist mir, dass sich der Inhalt verändert.

Inwiefern? Dass….. und dass ….

Sonst geht’s mir beim Public Praying wie beim Public Viewing: Ich erwarte etwas Besonderes und es gibt Fußball mit Bier und Chips.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Die schönste Geschichte.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 22. September 2010:

Es ist eine der schönsten Geschichten des evangelischen Pfarrers und Dichters Johann Peter Hebel. Ein junger Bergmann küsst seine junge hübsche Braut und sagt: „Bald wird unsere Liebe gesegnet. Dann sind wir Mann und Weib, und bauen uns ein eigenes Nestlein.“ Aber der junge Bräutigam kehrt am Abend nicht mehr aus dem Bergwerk zurück.

Nach 50 Jahren finden Bergleute den Leichnam eines Jünglings, unverwest und unverändert, als wenn er vor einer Stunde gestorben wäre. Niemand außer einer grauen, zusammengeschrumpften Frau weiß mit ihm etwas anzufangen: „Es ist mein Verlobter“, sagt sie endlich, „um den ich fünfzig Jahre lang getrauert hatte.

Zur Beerdigung am andern Tag legt sie ihr Sonntagsgewand an, als wenn es ihr Hochzeitstag wäre. Denn als man ihn auf dem Friedhof ins Grab legt, sagt sie: „Schlaf nun wohl, und laß dir die Zeit nicht lang werden. Ich habe nur noch wenig zu tun und komme bald, und bald wird’s wieder Tag.

2010 feiert die evangelische Kirche den 250. Geburtstag Johann Peter Hebels. Heute aber ist sein Todestag: Vor 184 Jahren ist er in Schwetzingen gestorben. Ich teile seine Hoffnung, die im letzten Satz der alten Frau zum Ausdruck kommt: „Was die Erde einmal wiedergegeben hat, wird sie zum zweitenmal auch nicht behalten.“

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