RPR1 "Angedacht": Die Drei.
Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 25. September 2010:
Ein altes Sprichwort sagt: Aller guten Dinge sind drei. Aber warum eigentlich? Warum nicht zwei oder vier? Die Drei ist ein Urmuster der Wirklichkeit: Es gibt drei Beschaffenheiten der chemischen Elemente: fest, flüssig, gasförmig. Drei Dimensionen des Raums: Höhe, Breite, Tiefe. Dreiteilig ist der sportliche Ehrgeiz: schneller, höher, weiter. Es gibt drei Problemzonen am Körper: Bauch, Beine, Po. Schiedsrichter und zwei Linienrichter sind zusammen drei. Wer blöd ist, kann nicht bis Drei zählen. Und die meisten Abkürzungen bestehen aus drei Buchstaben.
Warum die Drei so oft in unserem Leben vorkommt? Das hat religiöse Gründe. Die Drei besitzt seit jeher symbolischen Wert: In der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist ist sie die göttliche Zahl schlechthin. Die heilige Familie hat drei Mitglieder Maria, Josef und Jesus, die heiligen Könige waren zu dritt und Jesus sagt: „Wo zwei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“ – Zwei Gläubige plus Jesus – das sind nach Adam Riese drei.
Mit der Drei wird das Leben allerdings auch kompliziert. Das erste Kind macht aus der Zweisamkeit eine Dreiecksbeziehung. Drei Geschwister streiten öfter als zwei. Im Paradies geht’s Adam und Eva gut, bis die Schlange dazu kommt. In der Schule steht die Drei für Mittelmaß – aber viele mittelmäßige Schüler haben später im Leben ihre Chance bekommen.
Die Drei – sie steht für Dynamik, für Bewegung, für Harmonie, aber auch für manche Auseinandersetzung. Vielleicht ist sie ja deshalb Gottes liebste Zahl.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': 455 Jahre Augsburger Religionsfrieden.
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Samstag, 25. September 2010:
Cuius regio, eius religio – Wessen Land, dessen Religion. Das ist der Kern des Augsburger Religionsfriedens. Heute vor 455 Jahren wurde er geschlossen, am 25. September 1555. Er sicherte den Anhängern der Reformation die Anerkennung ihres Bekenntnisses.
Cuius regio, eius religio: Das bedeutet, der jeweilige Landesfürst gibt für seine Untertanen die Religion vor. Wer die nicht annehmen will, kann ja auswandern. Wirkliche Religionsfreiheit war das nicht. Frei, ihre Religion zu wählen, waren nur die Landesherren. Es war eine Kompromisslösung, immerhin.
Unüberbrückbare Glaubensgegensätze gab es aber weiterhin – zumal neben dem katholischen nur das lutherische Bekenntnis anerkannt war, nicht aber das reformierte. Ab 1618 traten die Gegensätze aufs Neue hervor, als der Dreißigjährige Krieg ausbrach. An dessen Ende wurde „cuius regio, eius religio“ bestätigt, diesmal auch für die Reformierten.
Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brauchte fast ein Jahrhundert, bis er sich durchsetzte. Seine bleibende Bedeutung hat das eher noch gesteigert.
Das Recht, den eigenen Glauben selbst zu wählen, sprechen wir heute jedem einzelnen zu. Weil keine Macht der Welt die Menschen davon abhalten kann, ihr Seelenheil zu suchen, muss es die Freiheit dazu geben. Hier bei uns – und überall sonst auf der Welt.
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