Rockland Radio 'Feels like heaven': Beichten.

Pfarrer Bernd Rapp, Pirmasens, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Donnerstag, 18. November 2010:

Beichten brauchen nur die Katholiken… denkste! Stimmt nämlich nicht, zumindest nicht so ganz. Evangelische Christen müssen nicht beichten, das stimmt: aber sie dürfen und sollten es. Martin Luther zum Beispiel hat vehement dafür gekämpft, dass Menschen sich ihrer Schuld bewusst werden und sie vor anderen bekennen.

Beichten! Das klingt irgendwie altmodisch und man sieht die dunklen Beichtstühle und genervte Priester aus schlechten Filmen vor sich, die sich alles mögliche anhören müssen.
Schade eigentlich, dass das Beichten so in Verruf geraten ist. Denn es tut gut, sich mal alles von der Seele zu reden. Was man formulieren und aussprechen kann, das drückt schon nicht mehr so viel. Das habe ich am schon oft am eigenen Leib erlebt.

Menschen brauchen von Zeit zu Zeit jemanden, der Schuld vergibt. Das hält doch keiner aus, wenn man nirgends mal Lasten loswerden kann. Die Beichte ist ein riesiges Angebot, das mich als Mensch mit Stärken und mit Schwächen, mit Gelungenem und mit Fehlern ernst nimmt und mich von Schuld befreien kann.

Und von Zeit zu Zeit mal zur Beichte zu gehen, das ist wie Staub wischen auf der Seele. Es tut gut und hinterher fühlt man sich viel besser. Vielleicht ist die Beichte doch nicht so altmodisch wie sie klingt.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Ich brauche die Kirche.

Pfarrer Bernd Rapp, Pirmasens, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Freitag, 19. November 2010:

Zum Christsein brauch ich keine Kirche – so heißt der Titel des ökumenischen Stadtgesprächs heute Abend in Pirmasens. Dabei geht’s unter anderem um die Frage: Welche Kirche ist eigentlich gemeint, die nicht gebraucht wird?

Meinen wir die Kirchengebäude? Glaub ich eher nicht, denn in jeder offenen Kirche finden sich Leute ein, die die Stille und die Athmosphäre genießen. Und überhaupt: Was wäre Köln ohne den Dom?

Oder ist mit Kirche der Gottesdienst gemeint? Klar, viele verzichten auf den Gottesdienst und glänzen durch Abwesenheit, aber wenn ich mir die Vielfalt und Kreativität in vielen Gemeinden sonntags morgens anschaue, dann verpassen viele Leute ein tolles Programm.

Oder ist mit Kirche vielleicht die Institution gemeint? Ok, da könnte man sicher einiges verbessern und vereinfachen, aber so ganz ohne Strukturen geht es eben nicht.

DIE Kirche – das ist für mich die Gemeinschaft aller Christen auf der ganzen Welt. Menschen, die an Gott glauben, ihn suchen, mit Gott hadern, mit ihm unterwegs sind und die miteinander versuchen, Gott zur Welt zu bringen und in aller Welt Gott zu entdecken. Zu so einer Kirche gehöre ich gerne. Und deshalb brauche ich für mein Christsein die Kirche. Gott sei Dank.

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RPR1 "Angedacht": Das haben wir schon immer so gemacht....

Bettina Blum, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 18. November 2010:

„Das haben wir schon immer so gemacht und es gibt keinen Grund, das jetzt anders zu machen!“ Diesen Spruch höre ich in letzter Zeit ständig und ich bin der Meinung, dass es jetzt reicht. Mit der Unfähigkeit, dem Neuen eine Chance zu geben und mit der Überheblichkeit, mit der andere Möglichkeiten einfach weggewischt werden.

Erlauben wir uns doch mal den anderen Blick auf die Dinge. Wagen wir doch mal, etwas ganz Untypisches zu tun. Verstoßen wir gegen unser urdeutsches Verständnis von Zeit und verplanen wir den Tag einfach mal nicht im Voraus, sondern lassen die Dinge auf uns zukommen. Ganz im Vertrauen auf den Prediger Salomo, der sagt: Alles hat seine Zeit.

Sehen wir die Zeit doch mal als etwas anderes als sonst – nicht als einen langen Strahl, auf dem wir voranjagen müssen. Eher wie jene Völker, die Zeit für ein unbegrenztes Gut halten und denen es wichtiger ist, andere Menschen zu treffen als auf Biegen und Brechen einen selbstgemachten Termin einzuhalten.

Lassen Sie uns eben zur Abwechslung mal sein wie jene, die in unseren Augen eher so etwas wie eine Horde von Tagedieben sind. Vielleicht lernen wir so, wieder etwas gelassener zu werden und entdecken dabei wie schön es ist, einander etwas ganz wichtiges schenken zu können: unverplante Zeit. Alles hat seine Zeit – auch das einfach mal nichts planen und nur füreinander da sein.

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