RPR1 'Angedacht': Elf Ziffern

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 13. September 2008:

Elf Ziffern – so lang ist in Zukunft unser großes Geheimnis: die Summe all dessen, was wir sind, was uns ausmacht, unterscheidet. Elf Ziffern – vom Baby bis zum Greis.

Steueridentifikationsnummer, kurz: Steuer-ID nennt sich der Zahlencode, der vor allem den Finanzbehörden die Arbeit erleichtern soll. Elf Ziffern – genug, um jede Nummer nur einmal zu vergeben. So einmalig also wie der Mensch wird in Zukunft seine Nummer sein, unter der man ihn abspeichern kann.

Und das Beste: Die Nummer gilt noch 20 Jahre über unseren Tod hinaus. 20 Jahre! Ist das nicht ein schöner Gedanke? Wenn meine Gebeine längst vermodert sind und meine Grabstätte vielleicht schon abgelaufen ist, wenn meine Enkelkinder bereits Eltern geworden sind und die meisten – bis auf wenige – mich vergessen haben, ist meine Steuernummer immer noch vorhanden und erinnert daran, dass es mich einmal gegeben hat.

20 Jahre über den Tod hinaus. Dann wird sie gelöscht, und dann gibt es mich endgültig nicht mehr. Ob mir das Angst macht? Nein! Dass ich ausgerechnet als Karteileiche weiterleben soll, ist ja irgendwie typisch für das Leben im digitalen Netz. Kommt eben noch eine Nummer zu den vielen, die wir schon haben.

Für den Staat mag ich eine Nummer sein. Für Gott bin ich mehr: Geschöpf und Ebenbild. Elf Ziffern braucht der Staat, damit er mich erkennt. Gott braucht ein lebendiges Gegenüber: Mich, Dich, Sie. Das macht uns besonders. Für immer. Ganz bestimmt.

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