RPR1 'Angedacht': Liebesbrief an die Mutter
Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 22. Oktober 2008:
Meiner Mutter habe ich schon ewig keinen Brief mehr geschrieben. Früher begannen die Briefe meistens mit den Worten „Wie geht es dir? Mir geht es gut!“ … geschrieben, wenn ich bei der Tante in Ferien war und es mir gar nicht so gut ging.
Später schrieb ich dann Postkarten… „bin in Alicante gut angekommen… Gruß Fritz“. Oder während des Studiums die Bettelbriefe: „Willst du deinen Sohn noch retten, schicke Geld und Zigaretten.“
Aber an einen Liebesbrief dachte ich nie. – Dabei habe ich das Leben von ihr geschenkt bekommen, wurde von ihr großgezogen, wurde gekleidet, gefüttert. Sie hat mir das Laufen beigebracht und die Liebe zur Musik. Sie hat mir die Augen geöffnet für die Schönheiten der Welt, und sie hat mich gepflegt, wenn ich krank war. Sie war geduldig mit mir, doch sie war auch unnachgiebig, wenn es um die Hausaufgaben ging. Sie hat mich die Vokabeln abgehört und sie hat mir das Schulbrot geschmiert…
Aber gedankt habe ich ihr nie! Ich kam auch nie auf den Gedanken! Es ist ja alles so selbstverständlich. Und ich habe nie danach gefragt, ob es ihr vielleicht zu viel wäre mit uns Kindern.
Ein Liebesbrief an die Mutter. Mal in einer ruhigen Stunde darüber nachdenken, was sie eigentlich für einen bedeutet. Wofür man sich noch bedanken müsste und wofür ich mich noch zu entschuldigen hätte. Ich glaube, das ist eine gute Idee.
Sensibel werden für die Liebe – merken, worauf es ankommt. In dieser Woche möchte ich Liebesbriefe schreiben. Nicht nur an die Liebste, an viele andere Menschen auch.
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