RPR1 "Angedacht": Von Angesicht zu Angesicht.
Pfarrerin Dr. Sigrun Welke-Holtmann, Callbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Samstag, 02. Januar 2010:
Männlich oder weiblich? Groß oder klein? Lange Haare oder Glatze? Mit Bart oder ohne? Wie stellen sie sich Gott vor? Wen sehen sie vor ihrem inneren Auge, wenn sie von Gott oder mit Gott sprechen, wenn sie beten?
Gott sehen von Angesicht zu Angesicht – das war der große Wunsch von Mose im Alten Testament. Er drängt geradezu darauf, bittet Gott um diesen einen Gefallen. Vielleicht um seine Stellung als Anführer des Volkes Israels zu legitimieren, vielleicht aber auch nur, um sein eigenes Bild von Gott zu überprüfen.
Und was macht Gott? Der stellt Mose in eine Felsspalte, hält ihm die Augen zu und zieht vorüber, ganz dicht. Dann nimmt er die Hand weg und Mose darf ihm lediglich hinterher schauen.
Gott von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, ist ein alter Traum der Menschheit. Wir sehnen uns nach dem Angesicht, dem zugewandten Gesicht Gottes. Nach seinem Glanz, seiner Herrlichkeit. Und doch sind es vielleicht genau unsere Vorstellungen davon, wie Gott zu sein hat, die uns den Blick für das Gesicht Gottes verstellen. Die uns Gottes Gesicht nicht gleich erkennen lassen, weil wir es eben so, wie es uns begegnet, nicht vermuten.
Und so kommt es, dass es Situationen gibt, in denen Gottes Herrlichkeit vorüber geht, ganz nah, uns vielleicht sogar berührt und wir erst aus der Nachschau erkennen, dass wir gerade Gott begegnet sind.
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