RPR1 "Angedacht": Hände ohne Handschuhe.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 24. März 2010:

„Fünf Brötchen bitte – aber nicht mit der Hand anfassen!“ verlangt die Kundin vor mir in der Bäckerei. Die Verkäuferin ist sichtlich überrascht – das hatte bisher noch niemand von ihr verlangt.

Dann steckt sie die Brötchen mit einer Gebäckzange in die Tüte. „Handschuhe haben wir nicht“, entschuldigt sie sich. Und wirft mir einen vielsagenden Blick zu.

Kein Zweifel: Hygiene ist wichtig. Aber alles mit Vernunft und Augenmaß. Zu viel Hygiene schadet mehr als dass sie nützt. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sind wir immer noch Menschen aus Fleisch und Blut.

Wir haben tagtäglich unzählige Körperkontakte, ohne dass wir uns mit Handschuhen oder Mundschutz gegen unerwünschte Folgen absichern. Lebenspartner, Kinder, Kollegen, Fremde irgendwo im Menschengewühl – da geschieht es zwangsläufig, dass wir uns näherkommen, gewollt und ungewollt.

Nur bei Brötchen soll der Spaß aufhören? Da ist nackte Haut auf einmal nicht mehr sexy? Ich bin da nicht so pingelig. Für mich liegt im Weitergeben von Brot mit der bloßen Hand etwas Elementares.

Es erinnert mich an die Bitte des Vaterunser um das tägliche Brot. Und macht mir klar, wie wichtig das Geben und das Empfangen für mein Leben sind. Hände sind ein Sinnbild dafür. Auch ohne Handschuh.

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