RPR1 "Angedacht": Den können Sie streichen!

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 17. Juni 2010:

„Der ist weg“, rufen mir meine Schüler zu.

Mir war aufgefallen, dass Lukas schon längere Zeit fehlt. Das kommt vor, und in großen Klassen bemerke ich das nicht immer sofort. Vom Klassenlehrer war auch keine Information gekommen, und so hat es es zwei Wochen gedauert, bis ich Lukas` Fehlen bemerkt habe.

„Den können sie streichen“ rufen mir die Schüler zu. Ohne Regung, ohne Bedauern. Lukas ist halt weg.

Schüler kommen und gehen, das ist normal. Schulische Leistungen, Berufswechsel oder Trennung der Eltern – es gibt viele Gründe, warum Schüler auf einmal nicht mehr da sind.

Mir tut es trotzdem leid. Vor allem, wenn kein Abschied stattgefunden hat. Ein Name bleibt in meinem Notizbuch zurück. Ihn zu streichen wäre das Einfachste. Dann wäre klar: Lukas ist weg.

Ich kann das nicht. Und habe mir angewöhnt, auf die leeren Felder für die Noten einen Vermerk zu schreiben: „Schulwechsel“, „abgemeldet“ – irgendein Wort, das den Vorgang begreifbar macht.

Menschen kommen und gehen: als Schüler, als Kollegen, als Nachbarn. In den meisten Fällen ist das Verhältnis zweckgebunden und zeitlich begrenzt.

Egal wie vorübergehend und oberflächlich unsere Beziehung zu diesen Menschen ist: Sie sind Gottes Ebenbilder. Schon das hält mich davon ab, sie einfach zu streichen.

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