RPR1 "Angedacht": 40 Jahre Moskauer Vertrag.
Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Donnerstag, 12. August 2010:
Heute vor 40 Jahren wurde im Katharinensaal des Kremls in Moskau ein Vertrag zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland geschlossen. Nicht irgendein Vertrag, sondern der sogenannte Moskauer Vertrag.
Mit ihm hat die Entspannungspolitik zwischen Ost und West begonnen. Den Frieden erhalten, Entspannung fördern, Hass überwinden, Grenzen achten, Versöhnung praktizieren, all das waren Bestandteile des Vertrages, dem weitere folgen sollten. Unumstritten war der Vertrag in der Bundesrepublik nicht.
Während die einen die Versöhnungspolitik von Bundeskanzler Willy Brandt frenetisch bejubelt haben, ließen die anderen keinen Versuch aus, die Ostpolitik zu torpedieren.
Vor 40 Jahren hat die Politik den theologischen Begriff der Versöhnung auch in ihr Handeln eingeführt und erkannt: Wenn Menschen miteinander leben wollen, brauchen sie Versöhnung. Wenn es menschlich weitergehen soll, wenn nicht Wunden offen bleiben sollen, braucht es „Heilung“. Wo Krieg herrschte und herrscht – auch kalter Krieg – ist ohne Versöhnung nichts zu gewinnen.
Auch ein Sieger kann ohne Versöhnung nicht leben, sonst bleibt sein Sieg ein Pyrrhussieg, also ein Sieg, aus dem der Sieger genauso geschwächt hervorgeht, wie der Besiegte.
Wirksame Versöhnung braucht Partnerschaft, und zwar eine, in der auch der jeweils andere seinen Standpunkt überprüfen und einen eigenen Beitrag zum Neubeginn leisten muss. Das gilt nicht nur für die große Politik.
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