RPR1 "Angedacht": Doppelt hält besser.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 21. September 2010:

Ich krieg immer zuviel, wenn in Spielfilmen kirchlich geheiratet wird. Egal ob am Schluss, als happy end, oder mittendrin, als Spannungsmoment: Sagt die Braut doch noch nein? Kommt der Bräutigam zur Trauung oder lässt er die Sache platzen? Die Ehe wird in der Kirche geschlossen! Das ist die Botschaft von Rosamunde Pilcher, Inga Lindström & Co.

Klar: Spielfilme zeigen nicht die Wirklichkeit. Sie erzeugen Illusionen, bedienen Klischees. Zur besten Sendezeit will das Publikum Gefühle statt Fakten. Und das Klischee besagt eben, dass Ehen in der Kirche geschlossen werden.

Nach katholischer Vorstellung ist das auch so, die Ehe gilt als Sakrament. Das evangelische Verständnis ist anders: Geheiratet wird auf dem Standesamt. Hier kann man oder frau in letzter Minute noch “Nein” sagen. In der Kirche ist es dafür zu spät. Da ziehen Braut und Bräutigam bereits als verheiratetes Paar ein. Eine kirchliche Hochzeit ist ein Segnungsgottesdienst für ein Paar, das schon verheiratet ist.

Trotzdem gilt für viele Menschen immer noch: Geheiratet wird in der Kirche! Weil es feierlicher und persönlicher ist. Weil ein vor Gott gesprochenes “Ja” vom Gefühl her viel mehr Gewicht hat. Und um Gefühle geht es schließlich.

Ich persönlich glaube: Egal, ob auf dem Standesamt, in der Kirche oder einfach zuhause auf der Couch: Man kann gar nicht oft genug “Ja” zueinander sagen.

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