RPR1 'Angedacht': Labyrinth

Pfarrerin Dr. Sigrun Welke-Holtmann spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 21. Mai 2008:

„Geister können nur geradeaus fliegen“, das dachten die Menschen im frühen Mittelalter, und so haben sie in den Boden der Kathedrale von Chartres in Frankreich direkt hinter dem Eingang ein Labyrinth eingelassen. Die Windungen des Labyrinths sollten eine wirksame Barriere bilden und den heiligen Ort vor Schaden bewahren.

Elf Kreise zieht das Labyrinth. Die Elf steht für die Unvollkommenheit des Menschen. 28 Kehren zwingen einen dazu, 28 Mal die Richtung zu wechseln.

Die Pilger, die heute noch aus aller Welt nach Chartres kommen, erleben den tieferen Sinn des Labyrinths. Zuerst führt der Weg direkt auf die Mitte zu. Die Suchenden wähnen sich schnell am Ziel. Doch dann biegt die Bahn plötzlich ab. Die Wendungen werden unübersichtlich. Sie mahnen zur Umkehr, zum Überdenken des Lebens. Man geht die vierzigfache Entfernung der direkten Distanz vom Rand bis zum Zentrum. Die Menschen begegnen sich, gehen aneinander vorbei in verschiedene Richtungen und haben doch alle das gleiche Ziel.

Das Labyrinth ist ein Symbol für unser eigenes Leben, manchmal denkt man, man sei schon am Ziel, aber dann kommt noch eine Kurve – es dauert alles länger, als man zunächst gedacht hatte. Und manchmal verliert man kurzfristig das Ziel aus den Augen und macht große Umwege. Und doch sind wir letztlich alle auf dem Weg zu unserer Mitte.

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