RPR1 'Angedacht': Gebetszugaben

Pfarrer Oliver Böß, Mackenbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 7. Juni 2008:

Gebete bewirken viel, da bin ich ganz sicher. Manchmal aber, manchmal können sie auch in Unannehmlichkeiten führen. Wie beim Presbyterianerpriester Duncan Mc Leod, Ende des 19. Jahrhunderts.

Der will eine Dürre beenden und organisiert deshalb im Staat New York ein Massengebet. Er schafft es, dass an einem Augustsamstag die Menschen in der ganzen Gegend um zwölf Uhr ihre Tätigkeit einstellen und für Regen beten. Um vier Uhr setzt ein Gewitter ein. Das Gewitter bringt fast zehn Liter Regen, und der spült eine Brücke weg, und eine vom Blitz getroffene Scheune brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Jetzt will es der Zufall, dass diese Scheune einem Bauern gehört, der sich als einziger nicht an dem kollektiven Regengebet beteiligt hat. Deshalb finden auch viele, dass den Bauer die göttliche Gerechtigkeit ereilt habe. Aber der Bauer sieht das anders: Während alle dem Reverend Glückwünsche entgegen bringen zur Beendigung der Dürre, verklagt der ihn auf 5 000 Dollar als Entschädigung für den ihm entstandenen Schaden.

Jetzt ist der Priester in der Zwickmühle, denn er hat seinen Anhängern wiederholt erklärt, dass Gott ihr Gebet erhört habe – und da kann er jetzt doch kaum zurückstecken und behaupten, das Gewitter sei nur ein Zufall gewesen!

Aber zum Glück hat er einen guten Anwalt, und der kann den Richter davon überzeugen, dass die Menschen in dem Massengebet lediglich um Regen gebeten hätten. Blitz und Donner müssen eine Zugabe Gottes gewesen sein.

Für Gebetszugaben aber kann man Betende nicht verantwortlich machen.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:34min / 1.1 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

Kommentare  

Ihr Kommentar

No audio file allowed