RPR1 'Angedacht': Vergesst Gott nicht

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 13. Juli 2008

„Vergesst Gott nicht.“ So endet der letzte Satz im letzten Brief, den am 13. Juli 1943 Alexander Schmorell geschrieben hat. Heute vor 65 Jahren.

„Vergesst Gott nicht.“ Wenige Stunden später war Alexander Schmorell tot. 25 Jahre jung. Hingerichtet von den Nazis.

Alexander Schmorell ist Student in München, studiert Medizin. Dort lernt er Hans Scholl kennen und schließt sich der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an. Die „Weiße Rose“ verbreitet Flugblätter gegen das Nazi-Regime. Alexander Schmorell besorgt die Schreibmaschine, den Vervielfältigungsapparat und formuliert wichtige Passagen der Texte. Er prangert den Holocaust an den Juden an, nennt ihn das „fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen.“

Die Verfasser der Flugblätter werden gefasst. Inhaftiert, verhört, gequält, gedemütigt, verurteilt, hingerichtet. Ermordet. Zuerst die Geschwister Scholl, nach und nach alle anderen Mitglieder aus dem engsten Kreis der „Weißen Rose“. Am 13. Juli Alexander Schmorell.

„Vergesst Gott nicht.“ Schreibt er im letzten Brief. „Vergesst Gott nicht.“ Schreibt er in einer gottvergessenen Zeit. Er weiß: Nicht Gott hat in diesen Jahren die Menschen vergessen, sondern die Menschen haben Gott vergessen.

Alexander Schmorell nicht. „Nach dem Willen Gottes soll ich heute mein irdisches Leben abschließen“, schreibt er an seinem Todestag. Und spricht seinen Eltern Mut zu: „Ich werde euch nicht vergessen, werde bei Gott um Trost und Ruhe für euch bitten.“

Für Alexander Schmorell gibt es kein Denkmal. Er gehört zu den vielen, die vergessen sind. „Macht nichts“, höre ich ihn heute an seinem Todestag sagen: „Macht nichts, wenn ihr mich vergesst. Aber vergesst Gott nicht.“

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