RPR1 "Angedacht": Ehrfurcht vor dem Leben.

Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 11. Januar 2010:

Tod, Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung. Das sind Merkmale unserer Welt. Jedenfalls wenn wir mit offenen Ohren die Nachrichten hören. Und als ob die wirkliche Welt nicht grausam genug wäre, erfinden Computerspielproduzenten auch noch virtuelle Welten, die mindestens genauso grausam sind.

Da können die Spieler zum Beispiel die Rolle von Terroristen oder von Antiterroreinheiten übernehmen. Wer gegnerische Spieler eliminiert, der erhält Punkte. Je mehr, desto besser.

„Die Gewalt im Spiel hat mit der Realität nichts zu tun!“ Das sagen Vertreter der Computerspielindustrie. Die Spiele würden vielmehr Werte vermitteln, die die Gemeinschaft stärken und den Sportsgeist wecken. Ist der virtuelle Kampf auf Leben und Tod also eher ein Trainingslager für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden?

Verstehen Sie mich richtig: Ich bin nicht für generelle Verbote von Computerspielen, erst recht verteufle ich nicht all diejenigen, die sie spielen. Aber ich finde, dass die Gewalt im Spiel schon etwas mit der Realität zu tun hat. Und weder reale Gewalt noch brutale Computerspiele sind geeignet, unsere Welt friedlicher zu machen.

Das Gefühl dafür, dass jedes Leben kostbar ist, dieses Gefühl darf nicht abstumpfen. Der Theologe Albert Schweitzer hat dieses Gefühl als „Ehrfurcht vor dem Leben“ bezeichnet. Er hat gesagt „Ohne Ehrfurcht vor dem Leben hat die Menschheit keine Zukunft.“ Und das gilt in der realen, wie in der virtuellen Welt.

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RPR1 "Angedacht": Keine Liebesehe.

Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 21. Oktober 2009:

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RPR1 "Angedacht": Eine violett-gelbe Koalition.

Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 20. Oktober 2009:

Es ist ein bunter Teppich, auf dem sich zurzeit die Koalitionsverhandlungen abspielen. Schwarz – gelb, rot – rot, schwarz – gelb – grün. Die politische Farbpalette ist reicher geworden. Ob bei all den Verhandlungen auch eine Koalition violett – gelb mit am Tisch sitzt?

Violett – gelb. Das steht für die beiden Konfessionen. Violett ist die protestantische Farbe, gelb die katholische. Nun verhandeln natürlich in Berlin, Kiel, Potsdam und Saarbrücken keine Kirchenvertreter mit, allerdings sind Politiker in den meisten Fällen auch Kirchenmitglieder. Ganz gleich, ob sie sich Christdemokraten nennen oder Linke, Freie- oder Sozialdemokraten, Christsoziale oder Grüne.

So sind auch Menschen mit einem gemeinsamen Glauben auf der Suche nach einer gemeinsamen Politik. Keine Angst. Die Bundesrepublik wird hierdurch nicht zum Kirchenstaat. Natürlich stimmen Abgeordnete in Bundes- oder Landtagen weiterhin völlig unterschiedlich ab. Je nach Parteizugehörigkeit.

Dennoch: Es gibt für Abgeordnete auch Bereiche, in denen Glaube und Politik eine Koalition eingehen. Bei Diskussionen um existenzielle Fragen, wie bei der Patientenverfügung oder dem Embryonenschutz – spielen Glaubensfragen durchaus eine entscheidende Rolle.

Ich wünsche mir – unabhängig von der Farbe der Partei – Politiker, die zu ihrem Glauben stehen, die auch öffentlich erklären, woher sie Zuversicht und Kraft für ihre Arbeit und ihre oft schweren Entscheidungen bekommen.

Ich wünsche mir Christen, die mit großem Engagement Politiker sind – und Politiker, die aus ganzem Herzen Christen sind. Ein altes Leitwort könnte ihr Wahlspruch sein: Ich halte stand, weil ich gehalten werde.

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RPR1 "Angedacht": Der Koalitionsvertrag ist keine Bibel.

Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 19. Oktober 2009:

Steuern – rauf oder runter. Bürgerrechte –ausweiten oder einengen, Kündigungsschutz – hart bleiben oder aufweichen. Das ist der Stoff, aus dem der Koalitionsvertrag geschlossen wird. Kommende Woche soll er stehen, der neue Koalitionsvertrag.

Dem umfangreichen Papier kommt hohe Bedeutung zu, denn schließlich regelt es Form und Inhalt der Regierungspolitik und damit auch unser Leben als Staatsbürger. Von den einen sind die Beschlüsse herbeigesehnt und gewählt, von den anderen gefürchtet und verurteilt.

Dem politischen Ehevertrag von Angela Merkel und Guido Westerwelle wird es dabei nicht anders ergehen, als den vielen Verträgen vergangener Partnerwahlen. „Man soll den Text nicht überbewerten.“ So jedenfalls hat es ein erfahrener Koalitionär bereits vor vier Jahren gesagt. Der Vertraute der Kanzlerin fügte damals als Begründung hinzu: „Der Koalitionsvertrag ist keine Bibel.“

Ein Koalitionsvertrag ist keine Bibel. Wie wahr. Denn die Bibel verliert sich nicht im Klein-Klein des Alltags oder versucht auf alle Situationen eine passende Handlungsanleitung zu finden.

Ein Koalitionsvertrag ist keine Bibel. Wie schade. Denn die Bibel enthält Maßstäbe für Grundhaltungen. Sie gibt ein ethisches Fundament, sie wirbt für mehr Gerechtigkeit und stellt sich auf die Seite der Schwachen.

Die Bibel. Vielleicht ist sie selbst eine Art Koalitionsvertrag. Ein Koalitionsvertrag zwischen Glaube und Politik. Vom Glauben her gibt sie den Anstoß, sich um die Welt zu kümmern. Und so macht die Bibel Politik möglich.

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RPR1 'Angedacht': Der Fels

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 3. Juni 2009:

Mal ehrlich. Wenn Sie jemanden etwas ganz wichtiges anvertrauen wollen, wovon nichts Geringeres abhängt als ihre Zukunft, wem würden sie dazu den Auftrag geben?

Einem Unzuverlässigen oder einem Verlässlichen? Einem Plapperer oder einem Bedächtigen? Einem Kopflosen oder einem Umsichtigen? Einem Erfolgsmenschen oder einem Versager? Einem Menschen mit Fehlern oder einem Fehlerlosen? Einem Standhaften oder einem Umfaller?

Ich wette, Sie wählen den verlässlichen, bedächtigen, umsichtigen, fehlerlosen und standhaften, Erfolgsmenschen.

Ich rede dabei nicht von den bevorstehenden Europa- oder Kommunalwahlen. Ich spreche von der Kirche. Ihr Beginn ist ohne einen Menschen nicht denkbar, der so gar nicht in das Klischee vom Macher und Bekenner passt.

Sein Name Petrus, der Fels. Verheiratet war er, Fischer von Beruf. Temperamentvoll und begeisterungsfähig. Drum hat er sich auch Jesus angeschlossen. Der schätzte ihn, obwohl er oft geredet und dann erst nachgedacht hat. Und zu diesem Petrus hat Jesus gesagt: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“

Pfingsten. Geburtstag der Kirche. Die Geschichte des Petrus macht Mut. Denn sie zeigt: Die Kirche braucht keine Heiligen, sondern Menschen wie Du und Ich. Dich und Mich!

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RPR1 'Angedacht': Das Pfingstwunder

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 02. Juni 2009:

Pfingsten. Die Kirche feiert ihren Geburtstag. Und es ist so ähnlich wie bei Rock am Ring: Menschen aus aller Herren Länder treffen sich.

Ein Multikultifest. Ein wahnsinniges Stimmenwirrwarr ist zu hören. Die Leute sprechen die unterschiedlichsten Sprachen. Die aus den Metropolen haben es einfach. Sie begegnen öfters Fremden, Ausländern und verstehen auch die eine oder andere Sprache. Natürlich längst nicht alle.

Da sind aber auch einige Männer aus der Provinz, die hier auftauchen. Sie kommen über die Grenzen ihrer Heimat kaum hinaus. Ihr Horizont scheint doch sehr beschränkt.

Sie haben ihren Beruf an den Nagel gehängt, um einem Wanderprediger nachzuziehen, der vor einiger Zeit gekreuzigt wurde. Jetzt wandern und predigen sie selbst. Merkwürdige Typen. Aber bei einem Fest sieht man öfters solche Gestalten.

Aber was tun sie jetzt? Sie reden alle. Irgendetwas von den großen Taten Gottes. Und das merkwürdigste: diese Provinzler reden in den Sprachen der Festbesucher. So als sei es ihre Muttersprache.

„Die sind betrunken“ sagen die einen. „Das ist ein Wunder” meinen die anderen. „Das ist die Kraft des Heiligen Geistes“ sagen die Männer selbst.

Diese Woche. Es ist Pfingsten. Wir feiern den Geburtstag der Kirche. Und der Heilige Geist weht immer noch wo und wann er will.

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RPR1 'Angedacht': Pfingsten

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 01. Juni 2009:

Windböen, Feuer. Die Begleitmusik zum Pfingstfest ist eher furchterregend, als gemütlich. Kein Wunder, dass die Leute in Jerusalem vor fast 2000 Jahren unsicher werden, sich fürchten. Die Menschen aus aller Herren Länder sind sich fremd, unterscheiden sich in Hautfarbe, Gesichtsausdruck, Sprache, Kultur, Lebensform.

Und dann geschieht etwas ganz ungewöhnliches. Sie alle hören die Predigt des Petrus. Jeder in seiner Sprache. Ganz ohne Simultandolmetscher.

Die Pfingstgeschichte der Bibel ist die Umkehrung der alten Geschichte vom Turmbau zu Babel. Dort, in Babel wurde der Größenwahn der Menschen bestraft mit der Sprachverwirrung. Die Menschen haben sich nicht mehr verstanden und wandten sich voneinander ab.

Jetzt, an Pfingsten, geschieht das Gegenteil. Egal wo sie herkommen und wie sie aussehen. Die Leute verstehen sich. Sie begreifen: Die Unterschiede sind zweitrangig. Sie alle wollen geliebt, glücklich und gesund sein, in Frieden leben, Arbeit besitzen, Ein Dach über dem Kopf haben. Angst und Hoffnung, Trauer und Freude kennen sie alle.

Und wollen sie miteinander teilen.
In diesem Geist des friedlichen Miteinanders wollen sie zusammen leben. Das ist Pfingsten.

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