RPR1 'Angedacht': Betrogen - Kann man Vertrauen wieder lernen?

Pfarrer Fritz Penserot, Burg an der Mosel, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 17. Juni 2008:

Vor paar Jahren kam eine Frau zu mir, die erzählte, dass vor kurzem ihr Mann gestorben sei. Nannte Namen und Beerdigungstag, und jetzt habe sie Anspruch auf Rente, sagte sie, doch das alles dauere sehr, sehr lange: Die Behörden, die Nachweise… Kurz: Sie habe kein Geld mehr. Aber die Rente käme bald. Ich könne ihr glauben. Und dann bekäme ich das Geld zurück.

Beim Thema Behördenkrampf hatte sie mich an der richtigen Stelle. Ich teilte die Wut mit ihr und gab großzügig. Die Frau ließ sich noch meine Kontonummer geben zur Rücküberweisung – und verschwand.

Nach ein paar Tagen wurde ich argwöhnisch. Ich fragte den Kollegen nach dem Namen, er habe den Mann doch beerdigt! Doch: Fehlanzeige. Die Beerdigung hat es nie gegeben. Das Geld war weg. Ich war betrogen worden. Wenn später wieder jemand an die Tür kam, war ich misstrauisch. Und das blieb jahrelang so.

Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Einmal niedergetrampelt, erholt sie sich so schnell nicht mehr. Habe ich einen dabei erwischt, dass er gelogen hat, werden schnell hundert andere zu Steuerbetrügern, Lügnern, Wortbrechern.

Kann man Vertrauen wieder lernen? Ich denke: Ja.
Es fängt mit der Erinnerung daran an, dass niemand von uns hätte groß werden können, ohne dass ihm grenzenloses Grundvertrauen geschenkt wurde. Darauf baut unser Menschsein und unsere ganze Gesellschaft auf.

Deswegen richte ich meinen Blick in Zukunft zuerst dorthin, wo Menschen einander einen Vorschuss an Vertrauen geben – denn dort gelingt unser Zusammenleben.

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Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Heutiges Brot

Heiner Eberhardt, Obernhof, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 17. Juni 2008:

Gab es heute etwa Dein Lieblingsessen zu Hause, oder kommst Du gerade von Burger King, Döner oder Mac Donalds? Verblüfft schaute mich der Konfirmand mit großen Augen an. Irgendwie konnte er mit meiner Frage nach Lieblingsessen oder Fast Food nichts anfangen.

Gerade hat er mir doch aus dem Lernstoff des Konfirmandenunterrichts für diese Woche das „Vaterunser“ aufgesagt, und es war ja auch alles in Ordnung. Na ja: fast alles. Einen kleinen Dreher hatte er eingebaut:
„Unser heutiges Brot gib uns täglich“, statt
„Unser tägliches Brot gib uns heute“.

Verwöhnt, wie ich nun mal bin von dem täglichen Angebot an Nahrungsmitteln und gutem Essen, hätte ich diesen Verdreher auch hinlegen können. Manchmal leite ich schon fast so etwas wie einen Rechtsanspruch darauf ab, dass alles immer so bleiben muss, wie es heute ist.

Im Vaterunser geht es aber weniger darum, dass meine heutigen Ansprüche sich auch in Zukunft täglich erfüllen und abgesichert sind. Vielmehr will mich das Gebet dazu bringen, dankbar und zufrieden zu sein, wenn meine Grundbedürfnisse heute gestillt werden. Vielleicht sogar einmal mit einer bescheidenen Mahlzeit: Unser tägliches Brot gib uns heute.

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