Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Tatort Garten

Pfarrerin Carmen Deßloch, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Donnerstag, 28. August 2008:

Für mich gibt es einen großen Tatort im Leben, das ist mein Garten. Total vernachlässigt habe ich ihn übernommen,
dann türmten sich Erdhaufen und Sandsteine darin, vom Aushub einer Zisterne, aber jetzt grünt nicht nur der Rasen.

Zwei Apfelbäume tragen erste Früchte, der weiße Sommerflieder blüht und lockt jede Menge Schmetterlinge an, und die roten Rosen mit dem duftenden Lavendel erfreuen nicht nur die Bienen.

Besonders stolz bin ich auf meine mit Sandsteinen eingefasste Kräuterschnecke: Rosmarin, Thymian, Salbei, Estragon, Currykraut, Rucula, Petersilie, Schnittlauch und Pfefferminze bieten die Basis für kulinarische Genüsse.

Aber mein Garten ist nicht nur ein Ort der Tat, sondern auch der Ruhe und Entspannung. In einer Hängematte liegend, gespannt zwischen Kirsch- und Mirabellenbaum, lausche ich den Vögeln, schaue einfach in den blauen Himmel hinauf oder in die grünen Blätter der Bäume.

Garten, ein Ort der Tat und ein Ort der Erholung, der Entspannung, der Ruhe. Garten, ein Ort, an dem ich der Schöpfung ganz nahe bin: den sechs Werktagen und dem Sonntag. Dem Paradiesgarten.

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RPR1 'Angedacht': Den Laufpass geben

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 27. August 2008:

Richtig selbstbewusst teilt Nicole aus der Friseurklasse nach der Pause ihren Mitschülerinnen mit: „So, Mädels, geschafft – ich habe Kevin gerade eben den Laufpass gegeben!“ Und fügt hinzu: „Schluss, aus, vorbei! Soll er sich sein Gesülze von ‘große Liebe’ sonst wohin stecken. Ich kann Euch sagen: Der hat vielleicht dumm geguckt. Aber der letzte Ausrutscher mit Jessica war einfach einer zu viel.”

Dieses Ereignis war wiederum für die folgende Religionsstunde „zu viel“ – zu neugierig sind die Mädels auf Einzelheiten, und so versuche ich zu retten, was noch zu retten ist und diskutiere mit ihnen über die Formulierung:
„… jemandem den Laufpass geben!“

Fest steht, dass der Begriff heute nichts Gutes verspricht. Keiner will einen solchen „Laufpass“ bekommen. Aber das war mal ganz anders: Denn ursprünglich bedeutete dieser Begriff etwas Positives. Im 18. Jahrhundert war der „Laufpass“ heiß begehrt. Er war der schriftliche Ausweis für Angehörige der Armeen, die sich auf Zeit beurlauben ließen oder ganz aus dem Dienst entlassen wurden. So konnten die Männer nachweisen, dass sie nicht einfach „abgehauen“ sind. So verwundert es nicht, dass „Laufpässe“ damals zu den am häufigsten gefälschten Papieren zählten.

Irgendwann wurde auf das Ausstellen solcher Laufpässe verzichtet … umso interessanter, dass sich die Redewendung bis heute – allerdings mit so negativer Bedeutung – gehalten hat.

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Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Weinseligkeit

Pfarrerin Carmen Deßloch, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Mittwoch, 27. August 2008:

Voller guter und nützlicher Ratschläge ist die Bibel,
wenn es um das Thema Wein geht. So soll man keinen neuen Wein in alte Schläuche füllen, so wird niemand, der vom alten Wein getrunken hat, neuen wollen, und betrübten Seelen soll man Wein geben.

Auch Paulus Gesundheitsratschlag an Timotheus … „Trinke nicht länger nur Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein um deines Magens und deines häufigen Unwohlseins willen!” ... muss einem Winzer bis heute wie ein guter edler Tropfen den Gaumen erfreuen und als Werbung willkommen sein.

Selbst für Jesus darf auf keinem Fest der Wein fehlen. Daher berichtet auch Johannes, wie Jesus selbst Wasser in Wein verwandelt, als dieser bei einer Hochzeit auszugehen droht.

Sogar bei der erotischen Liebe im Hohelied darf der Vergleich mit dem Wein nicht fehlen. „Deine Brüste sollen mir wie Trauben des Weinstocks sein …und dein Gaumen wie vom würzigen Wein, der einem Liebhaber süß eingeht.”

Die Bibel an dieser Stelle: ein Buch der Weinseligkeit.

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RPR1 'Angedacht': Kannst du mir bitte mal helfen?

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 26. August 2008:

„Kannst Du mir bitte mal helfen…“, fragt Martin in der Elektrikerklasse seinen Banknachbar Rene … und bekommt von dem gleich mal eine Abfuhr.

Seit einigen Jahren schon fällt auf, dass die Solidarität und der Wille, einander zu helfen, von Schuljahr zu Schuljahr abnehmen. Jeder denkt in erster Linie nur an sich, an seine Noten, an sein Weiterkommen. „Immer höher, immer weiter, immer härter…“ scheint eben das Motto auch des schulischen Überlebenskampfes zu sein.

Und schon wird kritisch formuliert: Hat die Schule aufgehört, im Zeitalter knapper Ausbildungs- und Studienplätze, ein Übungsfeld für soziales Verhalten zu sein? Meine eindeutige Antwort: NEIN. Denn es gibt sie noch, jene Schülerinnen und Schüler, die auch ohne Nachhilfelohn engagiert sind. Weil sie es kapiert haben, dass dieses: „Kannst Du mir bitte mal helfen…“ die Bitte des Schwächeren an den Stärkeren ist, und dass ihnen diese Bitte immer und überall begegnen wird: Denn es wird immer so sein, dass der Schwächere auf den Stärkeren, der Unbegabtere auf den Begabteren, der Ängstliche auf den angewiesen sein wird, der ihm über die Angst hinweg hilft.

Und dafür wird es keine Noten geben, die einen in der Karriere weiterbringen, im Gegenteil: eigene wertvolle Zeit geht verloren. Und dennoch meine ich, dass gerade das menschliche Größe ausmacht: Wenn einer bereit ist, seine Zeit zur Verfügung zu stellen für den, der ihn braucht.

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Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Gottes Bau

Pfarrerin Carmen Deßloch, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Dienstag, 26. August 2008:

Seit vier Jahren lebe ich jetzt in einem Umbau, und irgend wie habe ich bis jetzt nicht das Gefühl, je fertig zu werden.
So einen Altbau auf den neuesten Stand zu bringen erfordert eben doch mehr an Geduld, an Zeit und an Nerven, als ich mir das am Anfang vorstellen konnte.

Vielen neuen Altbaubesitzern geht es ähnlich. Nicht nur, dass das Häuschen wohl eher noch der Bank gehört als ihnen,
es bindet eine ganze Menge an Arbeitskraft.

Und trotzdem birgt das Ganze eine Faszination, der ich mich nicht entziehen kann. Obwohl es in den letzten vier Jahren mehr als einmal den Punkt gab, wo ich am liebsten alles hingeworfen hätte, bleibe ich dabei. Ich lasse mich anspornen, durch das, was ich mit meinen eigenen Händen schon erreicht habe. Ich bin stolz auf meiner Hände Arbeit, auf die Gestalt, auf die Form, die mein Haus so langsam annimmt.

So ein eigener Um-Bau lässt mich erahnen, wie viel Gott in mich setzt, denn ich bin sein Bau.

(vgl. 1. Korinther 3,9)

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RPR1 'Angedacht': West Side Story

Pfarrer Hans Hutzel, Ludwigshafen-Oggersheim, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 25. August 2008:

Seit zehn Jahren gehe ich zweimal jährlich mit interessierten Schülerinnen und Schülern ins Nationaltheater nach Mannheim in die Oper. Namen wie Mozart, Beethoven oder Verdi kennen sie bereits. Viele sind fasziniert von den Dirigenten, dass die das Orchester so im Griff haben, dass das Zusammenspiel punktgenau klappt … oder manchmal auch nicht. So ist das Leben.

Heute würde ein ganz bekannter Musiker, Komponist und Dirigent seinen 90. Geburtstag feiern: Leonard BERNSTEIN. Sein Musical „West Side Story“ ist bei den Schülern immer noch ein Klassiker:

Da rivalisieren zwei Jugendbanden in einem New Yorker Elendsviertel: Weiße gegen Schwarze. Es kommt, wie es kommen muss: Einer aus der weißen Gang, Tony, verliebt sich in Maria, sie ist die Schwester des Anführers der Schwarzen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Beide versuchen einzuwirken, dass die Straßenkämpfe auf „fairen“ Faustkampf beschränkt bleiben. Es kommt anders: Tony tötet im Reflex Marias Bruder. Eine Intrige folgt der anderen. Am Ende stirbt Tony in Marias Armen.

Mit diesem Musical hatte sich Bernstein zu Lebzeiten schon ein Denkmal gesetzt. Immer wieder steht es auf den Spielplänen bekannter Opernbühnen.

1990 stirbt Bernstein. Bis heute sprengt eine tief empfundene Religiosität des Juden Bernstein konfessionelle und religiöse Schranken. Meine Schüler fasziniert Bernsteins Lebensgeschichte und künstlerisches Werk, vor allem eben seine „West Side Story“.

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Rockland Radio 'Feels Like Heaven': Passion Kochen

Pfarrerin Carmen Deßloch, Kaiserslautern, spricht “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Montag, 25. August 2008:

Kochen ist meine große Leidenschaft. Und wie bei jeder Leidenschaft steckt die Liebe im Detail.

Beim Kochen ist es nicht egal, was man kocht und wie man kocht. Wenn ich nicht bei der Sache bin, bekomme ich das zu spüren, ich werde es schmecken. Kochen erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit.

Kochen spricht die Sinne an. Wem läuft nicht schon beim Geruch von gebratenem Speck das Wasser im Mund zusammen?

Kochen gibt mir ein Zuhause.
Kochen verbindet mich mit meiner Familie und vor allem mit meiner Großmutter. Denn bei jedem Stück Apfelkuchen, das aus meinem Ofen kommt, werde ich an meine Kindheit erinnert. Dieser Kuchen bringt mir ein Stück heile Welt zurück.
Mit jedem Bissen dieser lauwarmen Köstlichkeit werde ich daran erinnert, wie gut es war, dort Kind zu sein. Der Duft und der Geschmack von frisch gebackenem Apfelkuchen lassen mich zum Kind werden.

Und so ist es gerade auch das Kochen,
das für mich Leib und Seele zusammen hält,
das für mich ein Stück Himmel auf die Erde holt.

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