Rockland Radio 'Feels like heaven': 455 Jahre Augsburger Religionsfrieden.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Samstag, 25. September 2010:

Cuius regio, eius religio – Wessen Land, dessen Religion. Das ist der Kern des Augsburger Religionsfriedens. Heute vor 455 Jahren wurde er geschlossen, am 25. September 1555. Er sicherte den Anhängern der Reformation die Anerkennung ihres Bekenntnisses.

Cuius regio, eius religio: Das bedeutet, der jeweilige Landesfürst gibt für seine Untertanen die Religion vor. Wer die nicht annehmen will, kann ja auswandern. Wirkliche Religionsfreiheit war das nicht. Frei, ihre Religion zu wählen, waren nur die Landesherren. Es war eine Kompromisslösung, immerhin.

Unüberbrückbare Glaubensgegensätze gab es aber weiterhin – zumal neben dem katholischen nur das lutherische Bekenntnis anerkannt war, nicht aber das reformierte. Ab 1618 traten die Gegensätze aufs Neue hervor, als der Dreißigjährige Krieg ausbrach. An dessen Ende wurde „cuius regio, eius religio“ bestätigt, diesmal auch für die Reformierten.

Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brauchte fast ein Jahrhundert, bis er sich durchsetzte. Seine bleibende Bedeutung hat das eher noch gesteigert.

Das Recht, den eigenen Glauben selbst zu wählen, sprechen wir heute jedem einzelnen zu. Weil keine Macht der Welt die Menschen davon abhalten kann, ihr Seelenheil zu suchen, muss es die Freiheit dazu geben. Hier bei uns – und überall sonst auf der Welt.

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Zusätzliche Ausnahmen abgelehnt. Lobbygruppe für Sonntagsschutz gegründet.

Die Hörprobe aus dem Evangelischen Kirchenboten 39 zum 26. September 2010.

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RPR1 "Angedacht": Armer Kevin!

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Freitag, 24. September 2010:

Armer Kevin! Seinen Vornamen hat er sich nicht ausgesucht. Trotzdem muss er dafür büßen. Eine wissenschaftliche Studie bestätigt jetzt: Vornamen erzeugen Vorurteile. Der gleiche Schulaufsatz wurde mit unterschiedlichen Vornamen beschriftet und von Lehrern beurteilt.

Das Ergebnis: Die Kevins haben immer die schlechteren Noten als die Maximilians bekommen, obwohl die Aufsätze absolut identisch waren.

Wer Kevin heißt, so lautet das Vorurteil, kann nicht gut in der Schule sein, weil er aus einer Familie kommt, in der Bildung scheinbar keinen hohen Stellenwert hat. Für Maximilian gilt das Gegenteil: seine Eltern gehören zur Oberschicht, zur Bildungselite.

Namen sind ein wichtiger Teil der Person. Namen gehören zur Identität, erst der Name macht uns ansprechbar. Er ist in der Regel das erste, was wir von uns selbst preisgeben oder über andere erfahren. Darum ist es auch so unangenehm, den Namen eines anderen zu vergessen.

Unseren Namen erhalten wir zwar nicht erst bei der Taufe, aber da werden wir mit ihm angesprochen. Das bedeutet: Jeder Mensch ist einzeln und persönlich Gottes Kind, egal, wie er heißt und egal, was andere später aus seinem Namen machen.

Ich hab’ mir übrigens schon lange abgewöhnt, beim Korrigieren von Arbeiten auf die Namen meiner Schüler zu achten. So kann ich mich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren. Und einer der besten Schüler meiner 7. Gymnasialklasse im letzten Jahr hieß – na, wie wohl – Kevin!

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Vollbildmodus.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Freitag, 24. September 2010:

„Der Vollbildmodus lässt sich nicht aktivieren.“ Oh Mann. Mein Computer präsentiert mir wieder einen wenig hilfreichen Satz. Dieser erscheint mir allerdings fast allgemeingültig.

Wie oft ist mein Blickfeld eingeschränkt, kann ich die Perspektive nicht wechseln, um eine Sache auch von der anderen Seite zu betrachten. Egal, ob es etwa um die Frage geht, ob wir Sterbehilfe leisten oder ob wir Pflanzen, Tiere, Menschen genetisch verändern dürfen, oder gar, ob der eine Glaube wahrer ist als der andere, immer gilt: „Der Vollbildmodus lässt sich nicht aktivieren.“

Unser Wissen ist Stückwerk, wir sehen nur ein dunkles Bild durch einen Spiegel, schrieb schon der Apostel Paulus. Ich will deshalb versuchen, mich an eine Regel zu halten: Fälle keine vorschnellen Urteile!

Lehne nicht von vorneherein etwas oder jemanden ab, nur weil du eine schlechte Erfahrung gemacht hast, dir jemand anders etwas Schlechtes erzählt hat, oder du von einem Misserfolg gelesen hast.

Als Christ bin ich der guten Hoffnung, dass wir einmal das Vollkommene schauen werden. Wie Paulus sagt: Jetzt erkenne ich stückweise, die Zeit aber wird kommen, in der ich völlig erkennen werde, wie auch ich völlig erkannt worden bin. Einmal wird Gott alles in allem sein. Dann ist der Vollbildmodus aktiviert.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Herbstanfang.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Donnerstag, 23. September 2010:

“Herbst? Warum nicht”, schreibt der Dichter Rainer Maria Rilke einmal an seine Frau Clara, „denn ich will den Herbst! Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört? Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen.”

Rilke war ein genauer Beobachter der ihn umgebenden Natur, und so entstand eine Fülle von Gedichten und anderen Texten, in denen sich jahreszeitliche Stimmungen finden und er dem Gleichnishaften von Frühling, Sommer, Herbst und Winter nachgeht.

Heute, zum kalendarischen Herbstanfang, grüße ich Sie mit einem seiner bekanntesten Herbstgedichte:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

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RPR1 "Angedacht": Alter Wein in neuen Schläuchen.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 22. September 2010:

Public Viewing ist ja schwer „in“. Spätestens seit der WM in Südafrika ist klar: Erst im Rudel macht Fernsehen wirklich Spaß. Man traute sich ja kaum noch, zu Hause alleine Fußball zu gucken.

Und schon wird Public Viewing als religiöses Phänomen gedeutet: als neues Wir-Gefühl mit eigenen Ritualen und Symbolen, als Mischung aus Open-Air Konzert und Kirchentag.

Keiner meiner Freunde hat mich während der WM gefragt: „Kommst du zu mir Fußball gucken?“ Nein, es hieß immer: „Kommst du heute zu mir? Wir machen Public Viewing.“ Am Ende haben sich ein paar Leute getroffen und zusammen Fußball geguckt mit Bier und Chips. Wie früher. Aber offenbar muss man manchen Sachen einen englischen Namen geben, damit sie wieder interessant werden.

Wie wär’s also, wenn sich die Kirche daran ein Beispiel nehmen würde und den Gottesdienst zum „Public Praying“ erklärte. Im Gottesdienst wird zwar nicht nur gebetet, sondern auch gesungen und zugehört. Aber trotzdem klingt Public Praying dynamisch und einfach nach viel Action.

Soll es in Zukunft also „Public Praying“ heißen statt „Gottesdienst“? Wenn es nach mir ginge, könnte der Name ruhig dergleiche bleiben. Wichtiger ist mir, dass sich der Inhalt verändert.

Inwiefern? Dass….. und dass ….

Sonst geht’s mir beim Public Praying wie beim Public Viewing: Ich erwarte etwas Besonderes und es gibt Fußball mit Bier und Chips.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Die schönste Geschichte.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 22. September 2010:

Es ist eine der schönsten Geschichten des evangelischen Pfarrers und Dichters Johann Peter Hebel. Ein junger Bergmann küsst seine junge hübsche Braut und sagt: „Bald wird unsere Liebe gesegnet. Dann sind wir Mann und Weib, und bauen uns ein eigenes Nestlein.“ Aber der junge Bräutigam kehrt am Abend nicht mehr aus dem Bergwerk zurück.

Nach 50 Jahren finden Bergleute den Leichnam eines Jünglings, unverwest und unverändert, als wenn er vor einer Stunde gestorben wäre. Niemand außer einer grauen, zusammengeschrumpften Frau weiß mit ihm etwas anzufangen: „Es ist mein Verlobter“, sagt sie endlich, „um den ich fünfzig Jahre lang getrauert hatte.

Zur Beerdigung am andern Tag legt sie ihr Sonntagsgewand an, als wenn es ihr Hochzeitstag wäre. Denn als man ihn auf dem Friedhof ins Grab legt, sagt sie: „Schlaf nun wohl, und laß dir die Zeit nicht lang werden. Ich habe nur noch wenig zu tun und komme bald, und bald wird’s wieder Tag.

2010 feiert die evangelische Kirche den 250. Geburtstag Johann Peter Hebels. Heute aber ist sein Todestag: Vor 184 Jahren ist er in Schwetzingen gestorben. Ich teile seine Hoffnung, die im letzten Satz der alten Frau zum Ausdruck kommt: „Was die Erde einmal wiedergegeben hat, wird sie zum zweitenmal auch nicht behalten.“

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