SWR 1 Rheinland-Pfalz "Anstöße": Gutes aus dem Grab.
Pfarrerin Renata Kiworr-Ruppenthal, Mainz, spricht ‘Anstoesse’ bei SWR 1 Rheinland-Pfalz am Sonntag, 12. September 2010.
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RPR1 "Angedacht": Weihnachten im September?
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 11. September 2010.
Im Wohnzimmer riecht es nach Lebkuchen. In der Süßigkeiten-Schale liegt edle Schokolade in weihnachtlichem Dekor. Und dort, die kleine dicke Schokoladenfigur in rot, ist das tatsächlich ein Weihnachtsmann?
Wir befinden uns im Jahr des Herrn zweitausendundzehn. Es ist Anfang September. Und alle finden es unmöglich, dass es jetzt schon Weihnachtsartikel zu kaufen gibt. Aber wenn niemand die Sachen kaufen würde, lägen sie nicht jetzt schon wieder in den Geschäften aus. Lebkuchen schmeckt frisch am besten, oder?
Ja, früher freuten sich die Kinder an Ostern auf Ostereier und an Weihnachten auf Weihnachtsplätzchen. Und heute gibt’s für jeden alles und das immer. Nur eines gibt es dann nicht mehr: Erwartung und Vorfreude. Schade.
In der Kirche sprechen wir vom Kirchenjahr. Es teilt das Jahr ein in unterschiedliche kirchliche Zeiten und Feste. Es gibt damit einen Rhythmus vor, der, so glaube auch ich, für uns Menschen heilsam ist.
Das Kirchenjahr beginnt jedes Jahr am ersten Advent. Ab dann warten wir auf Heilig Abend. Und wir bereiten uns vor und freuen uns auf das Fest von Christi Geburt. Und weil Jesus das größte Geschenk Gottes an uns Menschen ist, machen wir uns auch gegenseitig schöne Weihnachtsgeschenke.
Wir in unserer Familie werden die Weihnachtszeit vor lauter Vorfreude wieder kaum abwarten können. Vorverlegen in den September werden wir sie aber nicht.
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RPR1 "Angedacht": Gier.
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht
‘Angedacht’ bei RPR1 am Freitag, 10. September 2010.
In den zurückliegenden Jahren war viel von Gier die Rede. Von der Gier der Finanzhaie, die weltweit die Märkte ins Wanken und Rutschen gebracht haben.
Gier gibt es aber auch im Kleinen: Neben dem Bauwagen der Waldarbeiter standen die Pilze. Sind sie essbar oder nicht, fragten sie sich jeden Tag aufs Neue und ließen sie schweren Herzens stehen. Dann kam der Förster vorbei, und ohne jemandem etwas zu sagen, schnitt er schnell und unbemerkt alle Pilze ab. Nach dem Motto: „Selber essen macht dick“.
Später bei einer Feier wird der Förster gefragt, ob er damals heimlich alle Pilze geerntet habe. Er schweigt betroffen.
Die Frau des Försters aber muss lachen und erzählt, einen ganzen Tag habe ihr Mann auf der Toilette verbracht. Es waren eben doch die ungenießbaren Pilze gewesen, die er unbedingt ganz alleine essen musste.
Ich kenne es von mir. Eine Woche Hotelurlaub mit Buffets. Da schlägt die Waage gewaltig nach oben aus. Getreu dem Motto: „Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt.“
Die Bibel spricht von der Gier der Augen, und wir sagen: Ja, da waren die Augen mal wieder größer. Das kann zu einer lustigen Geschichte führen. Es kann zu ein paar Kilo mehr führen, aber auch zu Krisen jeder Art.
Deshalb möchte ich Ihnen drei Ratschläge geben:
Erstens, passen Sie auf beim Pilze sammeln. Zweitens, essen Sie nicht mehr, als für Sie gut ist. Und drittens, lassen Sie sich nicht durch Gier zu etwas verleiten, was Sie gar nicht brauchen.
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RPR1 "Angedacht": Persönlicher Grenzschutz.
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 09. September 2010.
Du musst…
Wenn mich jemand anspricht und mit diesen beiden Worten beginnt, dann merke ich, wie sich in mir alles sträubt.
Meine Frau weiß, dass dann schnell der trotzige Junge bei mir rauskommt, der erst einmal auf stur schaltet und überzeugt ist: Ich muss gar nichts.
Oft meinen ja andere sehr genau zu wissen, was wir zu tun und zu lassen haben: Du musst dich ernähren nach der Methode „Abnehmen im Schlaf“! Du musst eine Hantelbank haben zum richtigen Pumpen! Morgen musst du für mich mal nach Koblenz fahren.
Aussagen in dieser Form sind für mich Übergriffe. Jemand weiß ganz genau und besser als ich, was für mich gut ist oder was ich zu tun habe. Meine Grenzen werden überschritten. Andere wollen über mich und Teile meines Lebens bestimmen. Wehe dem, der sich da nicht wehren kann.
In einem Psalm heißt es einmal: Gott schafft deinen Grenzen Frieden. Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir nur begrenzt Kraft haben und nur begrenzt Zeit. Nicht immer wird dies respektiert. Dann ist es an uns, uns abzugrenzen.
Ein grenzenloses Leben funktioniert nicht. Es entspricht nicht Gottes guter Schöpfung.
Nicht nur Kinder brauchen Grenzen, auch Erwachsene. Sie schützen uns und ermöglichen unsere eigene Identität.
Und wer seine Grenzen akzeptiert, kann sie auch anderen besser deutlich machen.
Gott will unseren Frieden. Wo wir auf die Begrenztheit unseres Lebens achten, machen wir es Gott leicht, uns diesen Frieden zu geben.
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RPR1 "Angedacht": Stotternder Held.
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 08. September 2010.
Mose, Mose, ruft es aus dem brennenden Dornbusch. Mose tritt näher, und Gott spricht zu ihm: Geh zum Pharao und sag ihm, er soll das Volk Israel aus der Sklaverei entlassen.
Mose will sich vor dem göttlichen Auftrag drücken: Ach, mein Herr, ich konnte von jeher nicht gut reden, denn ich habe eine schwere Zunge. Aber Gott gibt nicht nach und schickt Moses Bruder Aaron mit, der besser sprechen kann.
Merkwürdig, dass Gott diesen Auftrag nicht einem glänzenden Redner gegeben hat.
Mose, ein stotternder Held? Warum nicht? Wir müssen keine Alleskönner sein für die großen und kleinen Aufgaben, die das Leben uns stellt, und die Gott uns gibt.
Es gibt keinen Menschen, der allen seinen Aufgaben gewachsen ist. Ich kenne jedenfalls keinen. Ich kenne dafür viele andere, die Angst haben, etwas nicht zu können. Die ein Handicap haben und sich bei vielen Dingen fragen: Kriege ich das hin?
Werde ich bei meinem Chef auch nur ein gescheites Wort herausbekommen? Werde ich genug Kraft haben für meinen Arbeitstag? Macht mir der Vortrag, den ich halten soll, weiche Knie? Mancher hat nachher und manch anderer vor Angst schon vorher ein feuchtes Hemd an.
Israel wird aus der Sklaverei Ägyptens befreit – durch einen Redner mit Sprechbehinderung. Und auch wir können unsere Aufgaben erfüllen. Gott mutet uns zu, wichtige Dinge zu tun – unvollständig, wie wir sind.
Gott stellt Mose seinen Bruder an die Seite. Auch keiner von uns ist allein. Gott – und Menschen – begleiten uns in allem, was zu tun ist.
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RPR1 "Angedacht": Aggressive Ideen.
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 07. September 2010.
Jede wirklich neue Idee ist eine Aggression, hat einmal jemand gesagt und er hat Recht. In unserem Jugendraum stehen alte Sofas und Sessel, deutsche Stilmöbel. Manche schon reichlich herunter gekommen. Jemand schlägt vor, neue, mehr jugendgemäße zu kaufen. Aber die sind doch gut, heißt es von den Jugendlichen. Sie haben sich an ihre Möbel gewöhnt und wollen keine neuen.
Mein Vater sagte immer: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Jesus tritt auf und sagt zu den Menschen: Gottes neue Welt ist mitten unter euch. Und er fordert sie auf: Denkt total um und vertraut auf diese gute Nachricht.
Die Leute spüren: Wenn das wahr ist, kommen große Veränderungen auf sie zu. Jesus erfährt viel Ablehnung.
Dass jede neue Idee eine Aggression ist, es scheint zu stimmen. Ob für Erneuerung in der Kirche, für ein neues Sofa oder für eine neue Auffassung über die Nähe Gottes in unserem Leben.
Ich möchte es lernen, neue Ideen nicht als Bedrohung aufzufassen, sondern als Chance. Bei allem Gewohnten, was mir lieb ist, möchte ich Raum lassen für neue Ideen, wenn sie gut sind. Für neue Möbel, wenn sie sinnvoll und bezahlbar sind. Und dass Gott uns allen ganz nah ist, will ich mir stets von Neuem klar machen. Machen Sie mit?
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RPR1 "Angedacht": Bungeejumping.
Pfarrer Werner Schleifenbaum, Selters, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 06. September 2010.
Der Bungeespringer prüft ein letztes Mal, ob alles okay ist. Dann lässt er sich fallen. Fünfzig Meter, einhundert Meter, einhundertfünfzig Meter. Schließlich landet er im Fluss unter ihm.
Das Seil federt zurück und zieht ihn wieder heraus. In diesem Moment schnellt ein riesiges Krokodil aus dem Fluss, öffnet sein Maul und schnappt nach ihm.
Zentimeter nur liegen zwischen seinem Körper und dem Maul des Krokodils. Die Zuschauer sind starr vor Schreck. Doch das Bungeeseil bringt ihn außer Reichweite und in Sicherheit.
Das ist nicht erfunden, keine Filmszene. Nein: Freunde von mir, die einige Jahre in Australien wohnten, waren dabei und haben es mir erzählt.
Glück gehabt? Oder zufällig noch mal gut gegangen?
„Pfiat di Gott“, sagt man in Bayern zum Abschied, was heißen soll: „Behüt dich Gott“.Dass einer auf uns aufpasst, wer wünschte sich das nicht?
Wenn wir uns gerne liebevoll voneinander verabschieden, hängt das auch damit zusammen, dass wir alle nie wissen können, ob wir uns wieder sehen.
Damit dies nicht dem Glück oder dem Zufall überlassen bleibt, setzen meine Frau und ich uns jeden Morgen ein paar Minuten zusammen. Und wir nehmen uns diesen Moment Zeit und beten für unsere Kinder und alle unsere Lieben, dass Gott auf alle aufpasst.
Was für ein Krokodil auch immer heute nach Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, schnappen könnte – ich wünsche Ihnen und bitte deshalb Gott darum, dass Sie beschützt und behütet sind.
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