Rockland Radio 'Feels like heaven': Die Unbezahlbaren.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 22. Februar 2011:

Gestern wurde in Berlin das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit eröffnet. Es geht darum, die Aufmerksamkeit für Menschen zu stärken, die sich freiwillig und ehrenamtlich in der Gesellschaft engagieren.

Bezogen auf den kirchlichen Bereich, wird es in Zukunft eine der zentralen Aufgabe der Pfarrer sein, das Ehrenamt zu pflegen und zu fördern.

Dabei müssen sich die künftigen „Freiwilligenmanager“, egal wo, auf neue Strukturen einstellen: Früher haben sich die Menschen oft langfristig in einem Bereich engagiert. Sie sind ihrem Verein, ihrer Partei, Gewerkschaft oder ihrer Kirche über Jahre treu geblieben. Heute dagegen sind viele Menschen oft nur noch bereit, sich für ein inhaltlich und zeitlich begrenztes Projekt einzusetzen.

Aber eines haben die meisten Ehrenamtlichen gemeinsam: sie begreifen ihr Engagement als Chance zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Mit ihrem Engagement wollen sie nicht nur „geben“, sondern auch etwas „haben“, etwas „zurückbekommen“.

Sie wünschen sich Bestätigung und Anerkennung, auch die Möglichkeit, sich persönlich fort- und weiterzubilden. Sie wollen ihre Interessen einbringen, Kompetenzen entwickeln und selbstständig Verantwortung übernehmen.

Für die Arbeitgeber der Ehrenamtlichen bedeutet das nicht selten Kosten und Mühe. Aber wenn wir als Kirche mündige und engagierte Christen haben möchten, sollte uns das diese Anstrengung wert sein. Ehrenamtliche „machen eben Arbeit“ – im doppelten Sinn.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Der Kitt der Gesellschaft.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Montag, 21. Februar 2011:

Sie fahren im Pflegeheim die Leute im Rollstuhl zum Gottesdienst; sie lesen vor, sie singen mit den Alten. Sie setzen sich für den Natur- und Klimaschutz ein. Sie sind Armen, Kranken und Einsamen eine Stütze, halten Sterbenden die Hand, engagieren sich für Kinder und Jugendliche: Ehrenamtliche. Sie sind – so eine schöne Formulierung – die „Unbezahlbaren“. Oder anders: „der Kitt der Gesellschaft“.

Die Europäische Union hat das Jahr 2011 zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ erklärt. Heute findet in Berlin die nationale Auftaktveranstaltung statt. Auch die Kirchen stellen sich darauf ein, dass das Ehrenamt künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Sie leben ohnehin schon immer von den vielen Menschen, die bereit sind, ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen.

In der Evangelischen Kirche der Pfalz steigt die Zahl der Ehrenamtlichen von Jahr zu Jahr. Mittlerweile sind es 21.000 Menschen, die sich ihrer Kirche so verbunden fühlen, dass sie sich in ihr engagieren. Hier finden sie Sinn, in einer Betätigung mit anderen und für andere.

Die Ehrenamtlichen sind also auch der „Kitt“ der Kirche. Ihr Engagement speist sich aus dem Glauben. Es ist ihr praktischer Gottesdienst im Alltag der Welt.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': 455 Jahre Augsburger Religionsfrieden.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Samstag, 25. September 2010:

Cuius regio, eius religio – Wessen Land, dessen Religion. Das ist der Kern des Augsburger Religionsfriedens. Heute vor 455 Jahren wurde er geschlossen, am 25. September 1555. Er sicherte den Anhängern der Reformation die Anerkennung ihres Bekenntnisses.

Cuius regio, eius religio: Das bedeutet, der jeweilige Landesfürst gibt für seine Untertanen die Religion vor. Wer die nicht annehmen will, kann ja auswandern. Wirkliche Religionsfreiheit war das nicht. Frei, ihre Religion zu wählen, waren nur die Landesherren. Es war eine Kompromisslösung, immerhin.

Unüberbrückbare Glaubensgegensätze gab es aber weiterhin – zumal neben dem katholischen nur das lutherische Bekenntnis anerkannt war, nicht aber das reformierte. Ab 1618 traten die Gegensätze aufs Neue hervor, als der Dreißigjährige Krieg ausbrach. An dessen Ende wurde „cuius regio, eius religio“ bestätigt, diesmal auch für die Reformierten.

Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brauchte fast ein Jahrhundert, bis er sich durchsetzte. Seine bleibende Bedeutung hat das eher noch gesteigert.

Das Recht, den eigenen Glauben selbst zu wählen, sprechen wir heute jedem einzelnen zu. Weil keine Macht der Welt die Menschen davon abhalten kann, ihr Seelenheil zu suchen, muss es die Freiheit dazu geben. Hier bei uns – und überall sonst auf der Welt.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Vollbildmodus.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Freitag, 24. September 2010:

„Der Vollbildmodus lässt sich nicht aktivieren.“ Oh Mann. Mein Computer präsentiert mir wieder einen wenig hilfreichen Satz. Dieser erscheint mir allerdings fast allgemeingültig.

Wie oft ist mein Blickfeld eingeschränkt, kann ich die Perspektive nicht wechseln, um eine Sache auch von der anderen Seite zu betrachten. Egal, ob es etwa um die Frage geht, ob wir Sterbehilfe leisten oder ob wir Pflanzen, Tiere, Menschen genetisch verändern dürfen, oder gar, ob der eine Glaube wahrer ist als der andere, immer gilt: „Der Vollbildmodus lässt sich nicht aktivieren.“

Unser Wissen ist Stückwerk, wir sehen nur ein dunkles Bild durch einen Spiegel, schrieb schon der Apostel Paulus. Ich will deshalb versuchen, mich an eine Regel zu halten: Fälle keine vorschnellen Urteile!

Lehne nicht von vorneherein etwas oder jemanden ab, nur weil du eine schlechte Erfahrung gemacht hast, dir jemand anders etwas Schlechtes erzählt hat, oder du von einem Misserfolg gelesen hast.

Als Christ bin ich der guten Hoffnung, dass wir einmal das Vollkommene schauen werden. Wie Paulus sagt: Jetzt erkenne ich stückweise, die Zeit aber wird kommen, in der ich völlig erkennen werde, wie auch ich völlig erkannt worden bin. Einmal wird Gott alles in allem sein. Dann ist der Vollbildmodus aktiviert.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Herbstanfang.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Donnerstag, 23. September 2010:

“Herbst? Warum nicht”, schreibt der Dichter Rainer Maria Rilke einmal an seine Frau Clara, „denn ich will den Herbst! Ist es nicht, als wäre er das eigentlich Schaffende, schaffender denn der Frühling wenn er kommt mit seinem Willen zur Verwandlung und das viel zu fertige, viel zu befriedigte, schließlich fast bürgerlich-behagliche Bild des Sommers zerstört? Dieser große herrliche Wind, der Himmel auf Himmel baut; in sein Land möchte ich gehen und auf seinen Wegen.”

Rilke war ein genauer Beobachter der ihn umgebenden Natur, und so entstand eine Fülle von Gedichten und anderen Texten, in denen sich jahreszeitliche Stimmungen finden und er dem Gleichnishaften von Frühling, Sommer, Herbst und Winter nachgeht.

Heute, zum kalendarischen Herbstanfang, grüße ich Sie mit einem seiner bekanntesten Herbstgedichte:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Die schönste Geschichte.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 22. September 2010:

Es ist eine der schönsten Geschichten des evangelischen Pfarrers und Dichters Johann Peter Hebel. Ein junger Bergmann küsst seine junge hübsche Braut und sagt: „Bald wird unsere Liebe gesegnet. Dann sind wir Mann und Weib, und bauen uns ein eigenes Nestlein.“ Aber der junge Bräutigam kehrt am Abend nicht mehr aus dem Bergwerk zurück.

Nach 50 Jahren finden Bergleute den Leichnam eines Jünglings, unverwest und unverändert, als wenn er vor einer Stunde gestorben wäre. Niemand außer einer grauen, zusammengeschrumpften Frau weiß mit ihm etwas anzufangen: „Es ist mein Verlobter“, sagt sie endlich, „um den ich fünfzig Jahre lang getrauert hatte.

Zur Beerdigung am andern Tag legt sie ihr Sonntagsgewand an, als wenn es ihr Hochzeitstag wäre. Denn als man ihn auf dem Friedhof ins Grab legt, sagt sie: „Schlaf nun wohl, und laß dir die Zeit nicht lang werden. Ich habe nur noch wenig zu tun und komme bald, und bald wird’s wieder Tag.

2010 feiert die evangelische Kirche den 250. Geburtstag Johann Peter Hebels. Heute aber ist sein Todestag: Vor 184 Jahren ist er in Schwetzingen gestorben. Ich teile seine Hoffnung, die im letzten Satz der alten Frau zum Ausdruck kommt: „Was die Erde einmal wiedergegeben hat, wird sie zum zweitenmal auch nicht behalten.“

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Rockland Radio 'Feels like heaven': Hebel und die Ökumene.

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 21. September 2010:

Zwei Brüder lebten miteinander in Frieden und Liebe, bis einmal der jüngere evangelisch blieb und der ältere katholisch wurde. So gingen sie auseinander. Erst nach einigen Jahren versuchten Sie, sich wieder auf einen Glauben zu einigen.

In den ersten Tagen kamen sie nicht weit. Schimpfte der Evangelische: “der Papst ist der Antichrist”, schimpfte der Katholische: “Luther ist der Widerchrist.“ Aber am Samstag fastete schon der Evangelische mit seinem Bruder. Und der Katholische ging mit seinem Bruder zum Abendgebet. Dann aber rief jeden die Pflicht zurück.

Nach sechs Wochen schreibt der jüngere: “Bruder, deine Gründe haben mich überzeugt. Ich bin jetzt auch katholisch.” – Da ergriff der Bruder voll Schmerz die Feder. “Du Kind des Zorns und der Ungnade, willst du denn mit Gewalt in die Verdammnis rennen? Gestern bin ich wieder evangelisch geworden.“

„Die Bekehrung“ heißt diese Geschichte von Johann Peter Hebel, evangelischer Pfarrer und Dichter aus Baden. Vor 250 Jahren wurde er geboren, und letztlich war für ihn die Praxis des Glaubens wichtig, nicht die Konfession.

Daher sein Fazit: Du sollst nicht über die Religion grübeln und tüfteln, damit du nicht deines Glaubens Kraft verlierst. Sondern du sollst deines Glaubens leben und, was gerade ist, nicht krumm machen.

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