RPR1 "Angedacht": Rätselfreund.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 27. Juni 2011:

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RPR1 "Angedacht": Tankstelle.

Pfarrer Christopher Markutzik, Altenglan, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels Like Heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 12. Februar 2011.

Warum haben immer weniger Leute die Sehsucht, sonntags zum Gottesdienst in die Kirche zu gehen? Diese Frage habe ich auf meiner facebook-seite gepostet und eine Menge Antworten darauf bekommen.

Ein user hat vor allem die Uhrzeit der Gottesdienste kritisiert. Sonntags sei der einzige Tag, an dem sie mit der ganzen Familie in Ruhe frühstücken könne. Deshalb habe sie einfach keine Zeit, in den Gottesdienst zu gehen.

Einem anderen user sind die ganzen Abläufe im Gottesdienst zu veraltet. Und auch die Predigten seien immer völlig weltfremd. Sie hätten überhaupt nichts mit dem wirklichen Leben zu tun.

Ich gebe zu: es gibt viele nachvollziehbare Gründe, am Sonntag nicht mehr in die Kirche zu gehen. Trotzdem wünsche ich mir, dass es in Zukunft mehr Menschen mal wieder versuchen. Nicht nur an Weihnachten oder zur Konfirmation eines Angehörigen, sondern auch mal zu einem ganz „normalen“ Gottesdienst.

Ganz klar, nicht alles wird top sein und manches vielleicht sogar komisch, aber ich bin sicher, jeder Besucher kann viel mitnehmen. Trost, neue Kraft oder Ruhe zum Beispiel. Also probieren Sie es doch mal aus, morgen am Sonntag.

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RPR1 "Angedacht": Stark.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Freitag, 11. Februar 2011:

Irgendetwas war stärker als ich – diesen Satz sagen oft Menschen, die erklären wollen, warum sie einen Fehler gemacht haben.

Irgendetwas war stärker als ich – dahinter steckt auch der Wunsch, die Schuld auf jemand anderen schieben zu wollen.
Diese zutiefst menschliche Reaktion ist so alt wie Adam und Eva.

„Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mich verführt.“ Sagte Adam, als er von der verbotenen Frucht gegessen hatte. „Die Schlange hat es mir gesagt.“ Sagte Eva, als sie daraufhin von Gott zur Rede gestellt wurde.

Irgendetwas war stärker als ich – Die Umstände, die Angst, die Wut – so sagen wir es heute. Schuld zugeben, gar um Entschuldigung bitten, fällt uns Menschen schwer.
Irgendwie passiert es immer wieder, dass Menschen einen schlimmen Fehler machen. Kein Mensch ist frei davon. Bei allem guten Willen. Irgendwie auch entlastend, dass der jeder und jedem mal so geht. Spannend bleibt es dann nur, wie wir Menschen damit umgehen.

Irgendwas war stärker als ich – und was ist das Allerstärkste?
Am besten ist es wohl, sich zu entschuldigen und damit zur eigenen Schuld zu stehen, statt sie blitzschnell jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Danach kann es dann konstruktiv weitergehen. Miteinander statt Gegeneinander. Das ist dann wirklich das Allerstärkste.

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RPR1 "Angedacht": Regenbogen.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 10. Februar 2011:

Dürfen schwule und lesbische Geistliche mit ihren Partnern in einem Pfarrhaus leben? Kein Problem, sagt die Evangelische Kirche. Ein neues, deutschlandweites Pfarrerdienstrecht soll es möglich machen.

Aber plötzlich kochen die Emotionen gewaltig hoch. Warnungen kommen von Katholiken, aber auch von evangelischen Altbischöfen. Immerhin kommt Homosexualität in der Bibel nicht gut weg.

Gleichgeschlechtliche Liebe sei ein Gräuel für Gott, so steht es im Alten Testament. Dagegen steht die Botschaft Jesu. Er fordert die Liebe und verurteilt jede Form von Ausgrenzung und Diffamierung. Wie ist die Bibel richtig zu verstehen?

Nun, Auf keinen Fall wortwörtlich. Zum Beispiel halten Christen heute keine Sklaven mehr, auch wenn Paulus es den Christen vor 2000 Jahren ausdrücklich erlaubt hat. Und keiner lebt heute deshalb die Vielehe, nur weil es die in alttestamentlichen Zeiten mal gab.

„Over the rainbow“, das Lied von Judy Garland, galt lange Zeit als Hymne der gleichgeschlechtlichen Liebe. Bunt wie ein Regenbogen sollen künftig auch Pfarrhäuser sein dürfen. Das möchte das neue Pfarrerdienstrecht rechnet auch in erreichen. Vielleicht ist das ärgerlich, vielleicht fortschrittlich, aber auf jeden Fall ist es von Gott gesegnet.

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RPR1 "Angedacht": Supermutter?!

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 09. Februar 2011:

Ist sie nun die beste oder die schlechteste Mutter der Welt? Über die Erziehungsmethoden der Amerikanerin Amy Chua tobt in den USA zurzeit eine wilde Diskussion. „Mutter des Erfolgs“ so lautet der Titel von Chuas Buch, das seit ein paar Tagen auch in Deutschland gekauft werden kann.

Darin beschreibt die Autorin, wie man Kinder zu Höchstleistungen anspornt. Und sie hat Erfolg mit ihrem Konzept des Erfolgs um jeden Preis. Liebesentzug, Drill und in Ausnahmefällen sogar die Drohung, das Lieblingskuscheltier zu verbrennen. Amy Chua geht es um die Zukunft ihrer Kinder. So bringen ihre beiden Kinder heute tatsächliche schulische und musikalische Höchstleistungen.

Auch wir Eltern in Deutschland möchten, dass unsere Kinder es einmal gut haben, wir wollen für sie Sicherheit, Bildung und gute Abschlüsse. Aber auch wenn wir Eltern das manchmal fast glauben: Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht an seinen Schulnoten. ´

Ich denke, für Kinder und Erwachsene ist das Leben grundsätzlich lebenswert, wenn sie ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können. Mein eigenes besteht übrigens darin, dass ich selbst lieben kann und gleichzeitig geliebt werde, ganz unabhängig von Karriere und Leistungsdenken. Und auf dieser Grundlage kann ich dann meine Leistung bringen. So wünsche ich mir das auch für meine Kinder.

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RPR1 "Angedacht": Leopard.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 08. Februar 2011:

Als ich noch ein Kind war, hatte ich einen Leoparden. Er begleitete mich, wo immer ich hingegangen bin. Sehen konnte ihn niemand – außer mir. Und selbst ich habe ihn am Anfang gar nicht wahrgenommen.

Ich war müde und hungrig, als ich nach der Schule aus dem Bus stieg. Meine Mutter hatte es nicht geschafft, mich mit dem Auto von der Bushaltestelle abzuholen. Also ging ich zu Fuß, alleine mit meinem schweren Schulranzen auf dem Rücken.

Es zog mich beim Gehen fast zu Boden. Alles, was nicht so gut geklappt hatte in der Schule ging mir durch den Kopf. Der Ärger mit Lehrern, mit Freundinnen und all das, was ich nachmittags noch lernen musste. Es war einfach nur nervig.

Und plötzlich sah ich ihn, den Leoparden. Er lief neben mir her! Ein zahmes Raubtier mit geschmeidigen Schritten, sprühend voll Kraft nach Raubkatzenart. Ich war stolz. Keinem sonst war er aufgefallen.

Mich hatte der Leopard ausgesucht, ich war es, zu dem dieses wilde Tier freiwillig gekommen war. Seine Augen blitzten. Seine Muskeln spielten unter dem gemusterten Fell. Wenn ich langsam lief, lief er auch langsamer. Wenn ich meinen Schritt beschleunigte, lief er mit eleganten Sprüngen mit mir mit.

Auf einmal fühlte ich mich leicht. Es war klar, er begleitete mich, wo immer ich hinging. Heute – viele Jahre später – kann ich den Leopard nicht mehr sehen. Doch trotzdem ist heute einer für mich da, auf den ich mich verlassen kann. Daran glaube ich.

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RPR1 "Angedacht": Gottesfriede.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 07. Februar 2011:

Mit keinen Menschen konnte ich mich in meiner Jugend besser streiten als mit meinen Brüdern. Wenn es besonders schlimm wurde, pflegte mein Großvater mit ungewohnt tiefer Stimme zu tönen: „Friede! Friede!“. Mehr überrascht als betroffen hörten wir dann auf zu streiten, natürlich nur, um wenig später an einer ungestörten Stelle weiter zu machen.

Die polnische Psychologieprofessorin Zofia Jasnota hat 1977 in ihrem Lied „Unfriede herrscht auf der Erde“ beschrieben, wie schwierig es ist, dauerhaften Frieden zu halten – nach innen und nach außen. Weil ein durch eine Autorität unterbrochener Streit keinen Konflikt löst, sondern eben bloß unterbricht. An anderer Stelle bricht der Streit später umso heftiger wieder hervor.

Unfriede herrscht auf der Erde – das in der früheren DDR erstmals bekannt gewordene Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch spricht darum bis heute vielen Menschen aus dem Herzen. Auch in uns – so das Lied – herrschen Unruhe und Unrast. Deshalb ist es so schwer, den Frieden zu bewahren – trotz allen guten Willens.

Doch Zofia Jasnota geht im Refrain des Liedes davon aus, dass der Friede einst kommen wird. Dann wird der Mensch zur Ruhe kommen, Feindschaft und Fanatismus, Hass und Intoleranz werden dann aufhören. Kein zeitlich begrenzter relativer Friede wird das sein, so wie ihn Menschen gelegentlich herstellen können. Es wird der ewige Frieden sein. Gemacht von Gott persönlich.

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