RPR1 "Angedacht": Der Flow-Effekt.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 04. Dezember 2010:

Irgendwo zwischen Langeweile und Angst wohnt er: der Flow. Eine besondere Form des Glücks, erstmals so genannt bei Extremsportlern, die den kalkulierten Kick erlebten.

Flow, zu deutsch das Fließen, das ist wenn etwas wie eine Welle über mich hereinbricht und mein altes Leben zumindest für Momente wegspült und mich mit einem Rausch von Glück von immer Mehr und mehr träumen lässt. Klingt irgendwie cool.

Mittlerweile ist Flow regelrecht ein Markenzeichen für intensives Leben geworden. Für eine neue rauschhafte Lebens-Dimension, in der die Vernunft beinahe ausgeschaltet ist.

Wer diesen Zustand nicht mithilfe von Sport erreichen will, kann zum Beispiel auf Meditation zurückgreifen. Bestimmte Techniken, genau auf die jeweilige Person abgestimmt, können neue Welten für unser Bewusstsein erschließen.

Auch im Christentum gibt es übrigens einen Flow-Effekt. Wenn der dort eintritt, dann hat das mit dem Heiligen Geist zu tun und unterscheidet sich in einem Punkt ganz wesentlich von anderen Flows:

Wenn es christlich fließt und braust, ist die Vernunft keineswegs ausgeschaltet. Im Gegenteil. Die Vernunft wird erleuchtet. Denn Inspiration und ein ausgeprägter Sinn für Realität sind hier keine Gegensätze, sondern tun einander gut. Sie zeigen dann den Alltag in neuem Licht. Klingt auch irgendwie cool.

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RPR1 "Angedacht": Friedlicher Widerstand.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Freitag, 03. Dezember 2010:

Was tue ich, wenn ein anderer mich bedrängt? Mir millimeterweise immer mehr von dem abknabbert, was mir zusteht? Ich mache meine Situation am besten öffentlich:

Am 11. Dezember 2009 haben sich palästinensische Christen entschlossen, mit ihrem Leiden an die Öffentlichkeit zu gehen. In ihrem Papier beschreiben sie die Abtrennung des Gazastreifens, die gewaltige Mauer, das Auseinanderreißen von Familien.

Die Christen schreiben von Gefangenen und Flüchtlingen ohne Hoffnung auf Rückkehr, von Bedrückung und Knappheit von Ressourcen und stellen die Frage: Was sollen wir tun?

Ihre eigene Antwort: Wir leisten Widerstand! Dabei stellen sie unmissverständlich klar: das Grundprinzip des Widerstands muss Liebe sein. Denn die Liebe als Gebot Christi gilt für sie gleichermaßen für Freunde wie für Feinde.

Und so rufen die Unterdrückten zum „kreativen“ friedlichen Widerstand auf, der menschliche Wege geht, um Leben zu schützen. Sie fordern einen gewaltfreien Widerstand, wenn sie die Welt um Boykottmaßnahmen gegen ihre Besatzer bitten und um den Stopp von Investitionen.

Über allem steht ihr Ziel, mit Juden und Muslimen den Hass der Vergangenheit zu überwinden und eine Kultur der Liebe zu entwickeln. Wie sie das machen? Indem sie in jedem Menschen ihren Bruder, ihre Schwester erkennen.

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RPR1 "Angedacht": Du musst Dein Leben ändern!

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 02. Dezember 2010:

Ich bin Julia Neuschwander von der evangelischen Kirche. Guten Morgen!
„Du musst dein Leben ändern!“ Dieser Satz schießt mir des öfteren durch den Kopf. Veränderung tut gut. Schon vor 2000 Jahren waren Umkehr, Buße, Neubeginn die Vorboten des erwarteten Gottesreiches. Als die Geschichte Jesu mit den Menschen begann.

Das war ein Aufbruch, der das Leben von vielen ganz schön verändert hat. Radikal wie das Gottesreich, das kommt mit Frieden statt Krieg und Gerechtigkeit statt schreiendem Unrecht.

Kompromisslos verließen die ersten Jünger Beruf und Familie und nahmen sich nicht mal die Zeit, etwa noch ihre Angehörigen zu beerdigen. Sie folgten Jesus nach. Ohne einen Blick zurück. Die radikale Wende des Reiches Gottes. Ein Friedensreich voll Gerechtigkeit, das uns Menschen verheißen ist.

Auch der Advent 2010 ist eine Zeit der Buße und der Umkehr. Aufbruchstimmung ist jetzt sozusagen Programm. Wenn ich jetzt aufbreche, trenne ich mich bei dieser Gelegenheit vielleicht sogar ganz gern von manchen alten Gewohnheiten. Wenn auch sicher nicht von Beruf und Familie.

Mich aber von Gott selbst im Advent verändern lassen – das würde ich mir wünschen. Dass mein Leben durch Gott verändert wird und ich gut vorbereitet bin auf das Kommen des Reiches Gottes in Friede und Gerechtigkeit.

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RPR1 "Angedacht": Dem Tode geweiht...

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 01. Dezember 2010:

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RPR1 "Angedacht": Langweiliger Brei.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 30. November 2010:

Ob das irgendjemand bemerkt? Wir Menschen sind etwas Besonderes – jeder und jede für sich. Einzigartig, individuell, unverwechselbar. Und wir möchten daher auch besonders leben. Jeder und jede von uns.

Gleichzeitig wird unsere Welt immer aber fader und langweiliger. Gerade unsere Einkaufswelt. Wer durch die Fußgängerzonen der Republik läuft, findet überall die gleichen Geschäfte.

Klar, das hat auch Vorteile. Wer bei einer Bäckerei-Kette Kaffee trinkt, kann sich darauf verlassen, immer die gleiche Qualität zu bekommen, egal, ob in Berlin, Frankfurt oder Kaiserslautern. Total langweilig? Immer cool, hip und ausgefallen zu sein – das kann Stress machen. Ist nämlich gar nicht so leicht in unserer globalisierten Welt.

Da wird das Besondere gerne dem Einheitsbrei geopfert. Mir tut es deshalb gut, zu wissen, dass ich bei Gott wirklich etwas Besonderes bin. Und zwar völlig stressfrei; ohne etwas dafür tun zu müssen.

Wenn Gott in der Adventszeit auf uns zukommt, dann gerade, um uns zu sagen: „Mach Dir keinen Druck. Du bist etwas Besonderes, ein echtes Unikat und unendlich wertvoll, auch wenn’s nicht immer alle um dich herum bemerken.“ Schön, dass schon mal Gott das tut.

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RPR1 "Angedacht": Verspätung lohnt sich.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 29. November 2010:

Niemand wartet gerne, egal ob beim Arzt, an der Ampel oder auf dem Bahnhof. Manche Verspätungen haben aber auch ihre guten Seite: Kommt zum Beispiel ein Zug deutlich zu spät an, kann man einen Teil des Fahrpreises erstattet bekommen.

Mit einer solchen Regelung wären die christlichen Kirchen längst pleite. Jedes Jahr warten sie im Advent auf die Ankunft ihres Herrn Jesus Christus, feiern ihn – und jedes Jahr scheint er sich immer weiter zu verspäten.

Wann wird er endlich kommen? Wann gibt es endlich kein Leid, kein Geschrei, keine Tränen mehr, wie es die Bibel beschreibt? Wann hat der Tod denn nun endlich seine Macht verloren haben? Wann kommt der Herr und macht diese Welt wieder zum Paradies, das sie ganz am Anfang einmal war?

Keiner weiß, wann es so weit ist. Die Hoffnung darauf hält sich nun schon 2000 Jahre. Sie ist ein Menschheitstraum. Jesus hat ihn geträumt und seither Milliarden von Menschen mit ihm. Sie alle waren ganz schön hoffnungsvoll.

Wer starke Verspätungen schon erlebt hat, der weiß, dass sehr langes Warten nicht jedermanns Sache ist. Umso größer die Freude, wenn es dann endlich so weit ist. Wie gesagt: Manche Verspätungen haben auch ihre guten Seiten. Wenn es eintritt, was sich Christen im Advent erhoffen, dann hat sich das Warten gelohnt. Doppelt und dreifach.

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RPR1 "Angedacht": Geisterstunde.

Pfarrerin Julia Neuschwander, Landau, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Samstag, 22. Mai 2010:

Herzlich willkommen zur Geisterstunde, rund 6 Stunden nach Mitternacht. Heute an Pfingsten geht es um einen Geist, genauer: Den Geist Gottes, den Heiligen Geist. Die Art, wie Gott heute noch in der Welt auftaucht.

Da kein Mensch Gott je gesehen hat, ist auch sein Geist schwer zu begreifen. An Geister glaubt längst keiner mehr. Schon gar nicht an einen Heiligen Geist.

Die Welt verändern – das können heute vielleicht große Konzerne, mächtige Menschen, oder einfach nur Geld.
Aber auch Gottes Geist. Wenn er in dieser Welt etwas verändert, dann zuerst die Menschen selbst. Als Heiliger Geist, verändert er im Sinne Gottes. Zugegeben: Das ist ganz schön optimistisch gedacht.

Dass wir ungebremst auf den Abgrund zurasen, die Umwelt zerstören und die Finanzsysteme crashen. An solche Katastrophen glauben wir leichter als an Gottes Eingreifen zum Guten. Doch genau darauf vertrauen Christen.

Heute an Pfingsten feiern sie, dass es Auswege gibt. Auswege aus den Verzweiflungs-Szenarien unserer Welt. Aus der persönlichen Verzweiflung wie aus der Weltuntergangsstimmung insgesamt.

Weil Gott diese Welt nicht gemacht hat, um sie von uns zerstören zu lassen. Und weil Gott uns nicht gemacht hat, damit wir aufgeben und verzweifeln. Egal, was uns noch bevorsteht: Gott schickt seinen Geist, damit wir leben. Ganz schön optimistisch.

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