RPR1 'Angedacht': Wichtiger Tag der jüdischen Kultur

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 7. September 2008:

Tag der Milch, des deutschen Bieres, des deutschen Butterbrotes, Kopfschmerztag – die Flut von Gedenktagen lässt einen manchmal zweifeln am Sinn solcher wiederkehrender Termine. Außer den Initiatoren kann meist sowieso niemand etwas mit dem Tag anfangen. Einzelne Tage gibt es freilich, die nicht nur Einzelnen oder kleinen Gruppen für ihre jeweiligen Interessen dienlich sind. Dennoch drohen sie in der Gedenktagsmasse unterzugehen.

Ein solcher Tag ist der heutige Sonntag, der Europäische Tag der jüdischen Kultur. Zum sechsten Mal wird er auch in Rheinland-Pfalz begangen. Die Liste der Angebote ist allerdings kurz. Für die Pfalz sind darin nur sechs Orte festgehalten – Dahn/Busenberg, Frankenthal, Ludwigshafen, Speyer, Weisenheim am Berg und Winnweiler – und es scheint sich eher der Initiative Einzelner zu verdanken, dass es hier überhaupt zu Vorträgen oder Führungen kommt.

Dabei kann unsere Region auf eine große jüdische Geschichte blicken. Gerade von den Kirchen könnte hier ein Impuls ausgehen. Sie könnten stärker und einer größeren Zahl von Menschen ins Bewusstsein rufen: Unsere Kultur ist ohne die jüdische undenkbar.

Der europäische Tag der jüdischen Kultur bietet die Chance, über Europa nicht nur als Wirtschaftsraum, sondern auch als geistig-kulturellen Raum zu reden.

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RPR1 'Angedacht': Gute Nachrichten

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Samstag, 19. Juli 2008:

Die Welt ist schlecht. Könnte man glauben, wenn man Nachrichten hört. Und liest. Und sieht. Jeden Tag Berichte über verwahrloste Kinder, Krieg, Klimakatastrophe. Weg damit.

Her mit den guten Nachrichten über glückliche Kinder, Friedensschlüsse, Bewahrung der Schöpfung. So etwa muss es sich der Senat des rumänischen Parlaments gedacht haben, als er im vergangenen Monat einstimmig beschlossen hatte, Radio und Fernsehen müssten künftig gleich viele gute wie schlechte Nachrichten verbreiten. Mit dem Gesetz wollten die Politiker „das allgemeine Klima verbessern“ verbessern, eine „emotional und mental ausgeglichene Sicht auf das tägliche Leben“ ermöglichen.

Die Welt ist gut. Sollte man glauben. Aber schon kommt wieder eine schlechte Nachricht: Das rumänische Verfassungsgericht hat das neue Gesetz gekippt. Das neue Gesetz sei schlicht verfassungswidrig. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf täglich gute Nachrichten. In Rumänien nicht. Und bei uns auch nicht.

Was tun? Ich meine: Weiter gute Nachrichtensendungen hören. Bei RPR zum Beispiel. Die einzelne Nachricht aber muss die Realität wiedergeben. Sei sie gut oder schlecht.

Und doch kann man täglich „die Gute Nachricht” hören. Zum Beispiel bei RPR. Der Titel der täglichen guten Nachricht heißt „Angedacht“. Und die „Gute Nachricht“ ist nichts anderes als das deutsche Wort für „Evangelium“. Davon erzählen wir. Täglich. Vom Evangelium, der Guten Nachricht. Von Gott und der Welt. Ganz ohne Gesetz. Aus freien Stücken. Die Gute Nachricht. Für einen guten Tag. Auch morgen wieder.

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RPR1 'Angedacht': Nelson Mandela - die Herrlichkeit Gottes verwirklichen

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Freitag, 17. Juli 2008:

„Wir sind geboren worden, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, zu verwirklichen.“ Das ist kein Satz aus einer Predigt. Das ist ein Satz aus der Antrittsrede eines Staatspräsidenten. Dieser Satz stammt von Nelson Mandela, als er 1994 sein Amt als Staatspräsident von Südafrika antrat. Heute vor 90 Jahren wurde Mandela geboren.

„Die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, verwirklichen.“ Der Satz stammt von einem Menschen, der 27 Jahre im Gefängnis saß. Verfemt, verbannt, verboten. Weil er für Recht und Gerechtigkeit eintrat. Für gleiches Recht für alle. Unabhängig von der Hautfarbe, nach der in seinem Heimatland die Menschen sortiert wurden.

Gekämpft hat er gegen die Apartheid. Mit Worten und mit Waffen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern und alleine in seiner Gefängniszelle. Der Gefangene wurde zum verehrten Helden, zur gefeierten „Pop-Ikone“. „Free Nelson Mandela“ war ein Superhit in den 80ern.

Seine Popularität nutzte Mandela nach seiner Freilassung 1990, um zur Versöhnung aufzurufen. Das Ergebnis: 1994 kommt es zur ersten freien, gleichen und geheimen Wahl in Südafrika. „Ein langer Weg zur Freiheit“ nicht nur für ihn. Auf dem Höhepunkt des Weges erinnert er daran, dass man nicht als Kämpfer, Held oder Idol geboren wird. „Wir sind geboren worden, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, zu verwirklichen.“ Und er fährt fort: „Die Herrlichkeit Gottes ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen“.

Darum sage ich heute, an seinem Geburtstag: Bitte, Gott, hilf auch mir, Deine Herrlichkeit zu verwirklichen. Und: Danke, Gott, für diesen wunderbaren Menschen, Nelson Mandela.

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RPR1 'Angedacht: Ende des Frühlings

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 15. Juli 2008:

Ein kurzer Frühling wurde es. Ein langer kalter Winter kam. Vor 40 Jahren keimte in der damaligen Tschechoslowakei für einen kurzen Moment Hoffnung auf. Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen. Hoffnung auf Freiheit, zumindest kleine Freiheiten. Für Gewerkschaften, Kulturorganisationen, Kirchen. „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, nannten es die Reformkommunisten um Alexander Dubcek.

Für viele Tschechen und Slowaken ein Grund zur Hoffnung. Volk und Führung waren sich so nah wie nie. Im Frühling 1968. Der heute geschichtsträchtig „Prager Frühling genannt“ wird. Am 15. Juli, heute vor 40 Jahren, kam der Wetterumschwung. Ein rauer Wind blies den Tschechen und Slowaken ins Gesicht. In einem gemeinsamen Brief der Staaten des Warschauer-Paktes an die „Genossen“ in Prag wurde unverhohlen mit Konsequenzen gedroht. Niemals werde man zulassen dass „der Imperialismus eine Bresche in das sozialistische System“ schlage. Heißt auf deutsch: Ende des Frühlings. Eiszeit ist angesagt. Fünf Wochen später rollten die Panzer.

Das Ende des Prager Frühlings zieht seine Kältespur bis heute. Zum Beispiel für die kleine Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder. 270.000 Mitglieder hatte sie noch 1968, 115.000 Mitglieder sind es heute. Dennoch lebt die Kirche, engagiert sich in der Diakonie, in der Bildung, im Gottesdienst. Hoffnungszeichen trotz aller gesellschaftlichen Entfremdung von Gott. Die Kirche spricht wieder von Hoffnung. Und sie bringt den Grund der Hoffnung zur Sprache: Gott. Sie gibt „Rechenschaft über die Hoffnung, die in uns ist“. (1.Petrus 3,15). Damit es wieder „Frühling“ wird.

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RPR1 'Angedacht: Parteien

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 14. Juli 2008:

Über die politischen Parteien wird viel geschimpft. Bei uns und anderswo. Aber bleiben wir bei uns. Hier in Deutschland. Bei unseren Parteien. Bei unserer Kritik. Die reicht von der Parteienfinanzierung und der Spendenpraxis, über Ämterpatronage und Machtmissbrauch bis zum Vorwurf der mangelnden innerparteilichen Demokratie und dem Populismus.

Es ist chic auf die Parteien zu schimpfen. An Stammtischen, in Zeitungskolumnen, wissenschaftlichen Veröffentlichungen. So mancher Stammtischbruder kühlt sein Mütchen mit derben Sprüchen, so mancher Kommentator spitzt die Feder und suhlt sich im Schmutz der Skandale, so mancher beamtete Professor wettert gegen die Selbstversorgungsmentalität der politischen Kaste.

Ich aber breche heute eine Lanze für die Parteien. Ich halte sie für besser als ihr Ruf. Und viele kritische Rufer für schlechter als ihr Objekt. Parteien sind für die demokratische Willensbildung unverzichtbar. Und die Menschen in den Parteien engagieren sich für Ideen, Ideale, Initiativen, Inhalte.

Ich breche heute eine Lanze für die Parteien, denn heute ist der 14. Juli. Heute vor 75 Jahren haben die Nazis das „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ beschlossen. Alle Parteien – bis auf die Nationalsozialistische – wurden verboten. Die totale Gleichschaltung fand ihren Höhepunkt. Was folgte ist bekannt: Terror und Krieg, Verfolgung und Vernichtung.

Darum meine ich: Christen sollen in Politik und Parteien mitarbeiten und so die Demokratie stärken. Machen statt meckern. Politik und Parteien heute sind verbesserungsbedürftig. Sie sind aber auch verbesserungsfähig. Probieren Sie es aus?

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RPR1 'Angedacht': Vergesst Gott nicht

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 13. Juli 2008

„Vergesst Gott nicht.“ So endet der letzte Satz im letzten Brief, den am 13. Juli 1943 Alexander Schmorell geschrieben hat. Heute vor 65 Jahren.

„Vergesst Gott nicht.“ Wenige Stunden später war Alexander Schmorell tot. 25 Jahre jung. Hingerichtet von den Nazis.

Alexander Schmorell ist Student in München, studiert Medizin. Dort lernt er Hans Scholl kennen und schließt sich der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an. Die „Weiße Rose“ verbreitet Flugblätter gegen das Nazi-Regime. Alexander Schmorell besorgt die Schreibmaschine, den Vervielfältigungsapparat und formuliert wichtige Passagen der Texte. Er prangert den Holocaust an den Juden an, nennt ihn das „fürchterlichste Verbrechen an der Würde des Menschen.“

Die Verfasser der Flugblätter werden gefasst. Inhaftiert, verhört, gequält, gedemütigt, verurteilt, hingerichtet. Ermordet. Zuerst die Geschwister Scholl, nach und nach alle anderen Mitglieder aus dem engsten Kreis der „Weißen Rose“. Am 13. Juli Alexander Schmorell.

„Vergesst Gott nicht.“ Schreibt er im letzten Brief. „Vergesst Gott nicht.“ Schreibt er in einer gottvergessenen Zeit. Er weiß: Nicht Gott hat in diesen Jahren die Menschen vergessen, sondern die Menschen haben Gott vergessen.

Alexander Schmorell nicht. „Nach dem Willen Gottes soll ich heute mein irdisches Leben abschließen“, schreibt er an seinem Todestag. Und spricht seinen Eltern Mut zu: „Ich werde euch nicht vergessen, werde bei Gott um Trost und Ruhe für euch bitten.“

Für Alexander Schmorell gibt es kein Denkmal. Er gehört zu den vielen, die vergessen sind. „Macht nichts“, höre ich ihn heute an seinem Todestag sagen: „Macht nichts, wenn ihr mich vergesst. Aber vergesst Gott nicht.“

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RPR1 'Angedacht': Gesundheit - höchstes Gut?

Pfarrer Wolfgang Schumacher, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 6. April 2008.

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