RPR1 "Angedacht": Ein guter Ratgeber!
Pfarrerin Dr. Sigrun Welke-Holtmann, Callbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Donnerstag, 31. Dezember 2009:
Worte für besondere Zeiten, für Übergänge, die suchen wir, in Ratgebern, in Spruchsammlungen. Jedes Jahr neu werden Bücher und Hefte veröffentlicht, erbauliche Literatur, in denen Menschen versuchen, besondere Zeiten in Worte zu fassen, besonderen Zeiten Worte zu geben. Sie versuchen, uns in besonderen Zeiten sprachfähig zu machen.
Worte der Freude, Worte des Glücks, Worte der Trauer, Worte des Abschieds. Wir brauchen diese Worte mehr denn je – gerade um in unserer durch Internet, Fernsehen, Zeitungen und Radio so worteichen Welt nicht sprachlos zu werden. Damit wir es nicht verlernen, uns auszudrücken und Freude, Trauer, Angst, Verzweiflung und Liebe hörbar und sichtbar zu machen.
Wir dürfen dabei zurückgreifen auf Worte von anderen Menschen, um selbst wieder sprachfähig zu werden. Diese Worte zeigen, dass unsere Trauer, unsere Angst, unsere Verzweiflung kein Einzelfall ist, sie nehmen uns auf in eine große Gemeinschaft, die miteinander weinen und klagen, aber sich auch miteinander freuen kann.
Ein solcher Ratgeber ist schon seit vielen Jahren auf dem Markt. Trotzdem ist es immer wieder spannend und auch wohltuend hineinzuschauen und sich daraus Wörter zu leihen: die Bibel. Geschrieben von Menschen für Menschen in besonderen Zeiten.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': Erfüllte Zeit.
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Donnerstag, 31. Dezember 2009:
„Nächstes Jahr wird’s besser, ganz sicher.“
Silvester: Ein Jahr kommt zu seinem Abschluss, ein neues beginnt – und manch einer mag damit diese Hoffnung verbinden: „Nächstes Jahr wird’s besser“ – obwohl es doch eigentlich ein Tag wie jeder andere ist.
Wie oft erfahren wir unsere Zeit als unerfüllt. Dann hoffen wir, dass morgen, nächste Woche, nächsten Monat oder eben nächstes Jahr das eigentlich Wesentliche geschehen wird.
Manchmal aber erfahren wir sie doch: Augenblicke der Erfüllung. Dann scheint die Zeit still zu stehen, dann wird in einem Augenblick und an einem Ort alles gegenwärtig.
Erinnern Sie sich: Bei welchen Gelegenheiten haben Sie sich in den vergangenen zwölf Monaten mit der Welt um Sie herum im Einklang gefühlt? Wo und wann haben Sie die Fülle der Zeit gespürt, erfahren, dass Gott Ihnen ganz nah ist?
War es der überwältigende Ausblick vom Gipfel eines Berges? War es die Geburt eines Kindes? Der Abschied von einem lieben Menschen, tränenreich und doch versöhnlich? Ein gutes Gespräch? Eine Familienfeier?
Solche Augenblicke werden uns geschenkt, damit wir uns in Zeiten der Gottesferne, wenn alles sinnlos und vergeblich erscheint, an sie erinnern. Nehmen wir sie durch die Silvesternacht hindurch: mit ins Neue Jahr.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': Das Evangelium in zwei Buchstaben.
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 30. Dezember 2009:
„Zusammenfassung des Evangeliums in zwei Buchstaben“ – so könnte eine Kreuzworträtselaufgabe lauten. Hab’ ich noch nirgends gelesen, wäre aber möglich. Denn das Evangelium, die Gute Nachricht, die Frohe Botschaft Gottes für die Welt und uns Menschen, die lässt sich in zwei Buchstaben zusammenfassen: Ja.
Ja zur Welt – vom Anbeginn der Schöpfung: Gott sah, dass es gut war (Gen 1).
Ja zum Leben – trotz aller Widrigkeiten: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (Gen 8, 22).
Ja zum Menschen in Not – „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ (Ps 23, 4).
Ja zu jedem einzelnen Menschen – „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Tim 2, 4).
Ja sogar im Angesicht des Todes – „denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3, 16).
Noch eine Kreuzworträtselfrage: Gegenteil von Nein mit zehn Buchstaben? Evangelium.
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RPR1 "Angedacht": Dazwischen.
Pfarrerin Dr. Sigrun Welke-Holtmann, Callbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Mittwoch, 30. Dezember 2009:
Das schlimmste ist die Zeit dazwischen. Zwischen zwei herausragenden Punkten zum Beispiel, dem Jetztpunkt und dem erwarteten Termin, zwischen jetzt und der Zukunft, zwischen zwei Jahren etwa – so wie heute. Lohnt es sich, heute noch etwas anzufangen, oder soll ich damit lieber warten bis zum nächsten Jahr?
Wie verbringen sie solche Zwischenzeiten? Zum Beispiel beim Arzt zwischen Warten und Drankommen, oder an der Bushaltestelle zwischen frieren und einsteigen?
Oft wissen wir mit dieser Zeit nichts anzufangen, wir sehen sie als verlorene Zeit an und doch macht sie einen großen Teil unserer Lebenszeit aus. Eigentlich ist unser ganzes Leben eine Zwischenzeit, zwischen geboren werden und Sterben. Und deshalb meine ich, sollten wir unsere Sicht ändern und auch die Zwischenzeiten als von Gott geschenkte Zeit sehen.
Wartezeiten, wie kurz oder lang sie auch sind, geduldig annehmen, als Lebenszeit entdecken und uns von der Freude auf ein bevorstehendes Ereignis erfüllen lassen. Das ist die große Kunst. Unsere Ängste betrachten, zulassen und dadurch entmachten. Geduldig das zu tun, was getan werden muss und damit ganz im Augenblick zu leben – das ist die Aufgabe für unsere Zwischenzeiten.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': Stille.
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 29. Dezember 2009:
Ich wünsche Ihnen, dass Sie jetzt, zwischen den Jahren, ein wenig Stille genießen können. Schließlich rät schon der Prophet Jesaja: „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein“ (Jes 30,15).
Eigentlich gehört sie ja schon in die Vorweihnachtszeit, die Stille, aber wie das heutzutage so ist: Gerade dann können wir sie oft nicht finden.
Aber nun sind die hohen Festtage vorbei, Silvester und Neujahr noch vor uns. Und selbst wenn Sie arbeiten müssen, läuft es wahrscheinlich etwas ruhiger als sonst.
Augenblicke der Stille: Mir persönlich werden sie immer wichtiger. Denn auch die Kraft zum Glauben, sie kommt: aus der Stille.
Das heißt nicht immer: Absolute Stille um mich herum. Die gibt es gar nicht. Was ich als eine Stille wahrnehme, die mich wieder in Einklang mit mir selbst und meiner Umwelt bringt – das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Entscheidend ist, sich das Bewusstsein dafür zu bewahren.
Den rechten Augenblick erkennen, wenn er sich ergibt – und ihm dann nachhängen, sich ihm hingeben, und sei es nur für ein paar Minuten.
Eine innere Haltung gewinnen, die einen Platz freihält für Gott in der Stille der eigenen Seele, denn: „Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“
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RPR1 "Angedacht": Ohne jeden Rabatt!
Pfarrerin Dr. Sigrun Welke-Holtmann, Callbach, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 29. Dezember 2009:
„Fünfzig Prozent auf Weihnachtsartikel“ steht in großer, roter Schrift über dem Regal im Möbelhaus. „Fünfzig Prozent auf Weihnachtsartikel“ und darunter stehen ein verlassener Weihnachtsmann, eine Reihe hölzerner Rentiere – einige schon mit einigen Schrammen und daneben noch 3 rote Windlichter und ein sitzender Engel. Er hat die Beine angezogen, stützt sich mit den Ellenbogen auf die Knie und hält sein Gesicht in seinen Händen.
Was denkt der Engel wohl so, in der Woche nach Weihnachten, nach seiner Zeit, wenn es schon 50 Prozent Rabatt gibt? Wartet er vielleicht wirklich noch darauf, gekauft zu werden? Oder hat er sich schon damit abgefunden, dass ihn ein Verkäufer wieder ein und erst im nächsten Jahr wieder auspackt?
Woran denkt der Engel – das versuche ich in seinem Gesicht zu lesen und dabei fällt mir auf, dass er gar keines hat. Dort, wo eigentlich Augen, Mund und Nase sind, ist bei ihm nur einfach nur eine helle Fläche, eben und rein. Irgendwie unheimlich und doch stimmig, finde ich, je länger ich hinschaue.
Und es scheint mir, als warte der Engel nur darauf, dein oder mein Gesicht zu bekommen. Und dann möchte er aufstehen und auch jetzt – nach Weihnachten, die frohe Botschaft weitersagen, dass Gott in unsere Welt gekommen ist. Und zwar ohne jeden Rabatt – denn diese Botschaft, die gilt auch jetzt noch zu vollen hundert Prozent.
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Rockland Radio 'Feels like heaven': Die unschuldigen Kinder.
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Montag, 28. Dezember 2009:
Mit vorgehaltenen Gewehren stürmen Soldaten ein Dorf. Frauen und Männer nehmen sie gefangen, die Kinder erschießen sie auf der Stelle. So geschieht es immer wieder auf der Welt – in allen Kriegen und „kriegsähnlichen Zuständen“.
Unschuldige Kinder werden zu Opfern. Nicht nur durch Waffen, auch durch sublimere Gewalt: Millionen haben zu wenig oder zu schlecht zu essen.
So viele waren es vor 2000 Jahren, in Bethlehem, nicht – eher ungefähr ein gutes Dutzend: Knaben unter zwei Jahren, die König Herodes, wie es heißt, zu töten befahl. Im Kirchenkalender steht heute deshalb: der Tag der unschuldigen Kinder.
Ob diese Geschichte historisch ist oder nur eine Legende – Unsere Welt ist eine, in der Kinder umgebracht werden. Und genau in diese Welt schickt Gott seinen Sohn.
Der wird zum Hoffnungszeichen: die Welt muss nicht so bleiben wie sie ist. Wer das Kind in der Krippe in seiner Wehrlosigkeit und Armut sieht, wer ihm nachfolgen, ihm helfen und es schützen will, der muss protestieren gegen Machtgier, Hass und Größenwahn; der muss den Kreislauf der Gewalt durchbrechen. Wo und wie bin ich selbst darin verstrickt? Darüber nachzudenken, dazu ruft uns das Kind auf.
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