RPR1 "Angedacht": Ohne Wasser und Seife.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Freitag, 18. Juni 2010:

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ob Klamottenkauf, Speisekarte oder Reiseprospekt: Je größer das Angebot, desto schwieriger fällt die Entscheidung. Also: Diesmal Ägypten und nicht Türkei, Tunesien oder Gran Canaria. Das Wetter wird schon gut werden. Das Hotel auch.

Aber was ist, wenn nicht? Und wenn dann alle enttäuscht sind? Es ist immer das gleiche: Sobald eine Entscheidung getroffen ist, kommen die Zweifel: „Ob das jetzt richtig war? Ob ich nicht doch besser …“?

Selbstzweifel sind die Begleitmusik jeder Entscheidung, unabhängig von der Zahl der Alternativen. Wer nur zwischen zwei Möglichkeiten wählen muss, kommt schon in die Bredouille.

Das beste Beispiel: Pontius Pilatus. Er darf einen Gefangenen begnadigen: Soll er Jesus oder Barabbas nehmen? Die Menge will Barabbas. Für Jesus bedeutet das den Tod. Pilatus weiß das – und wäscht seine Hände in Unschuld.

Warum? Weil Händewaschen das Gewissen reinigt. Das haben amerikanische Wissenschaftler nachgewiesen. Händewaschen beseitigt die Zweifel an getroffenen Entscheidungen. Und die Schuldgefühle auch. Warum das so ist, kann die Wissenschaft allerdings nicht beantworten.

Absolution am Waschbecken – so einfach soll seelische Hygiene sein? Ich habe da meine Zweifel. Dann müssten wir uns ja permanent die Hände waschen!

Es gibt einen besseren Weg: Das Gespräch mit Gott. Die Bitte um Vergebung. Und die Erfahrung, dass ein neuer Anfang möglich ist. Das geht auch ohne Wasser und Seife.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:30min / 2.1 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

RPR1 "Angedacht": Den können Sie streichen!

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 17. Juni 2010:

„Der ist weg“, rufen mir meine Schüler zu.

Mir war aufgefallen, dass Lukas schon längere Zeit fehlt. Das kommt vor, und in großen Klassen bemerke ich das nicht immer sofort. Vom Klassenlehrer war auch keine Information gekommen, und so hat es es zwei Wochen gedauert, bis ich Lukas` Fehlen bemerkt habe.

„Den können sie streichen“ rufen mir die Schüler zu. Ohne Regung, ohne Bedauern. Lukas ist halt weg.

Schüler kommen und gehen, das ist normal. Schulische Leistungen, Berufswechsel oder Trennung der Eltern – es gibt viele Gründe, warum Schüler auf einmal nicht mehr da sind.

Mir tut es trotzdem leid. Vor allem, wenn kein Abschied stattgefunden hat. Ein Name bleibt in meinem Notizbuch zurück. Ihn zu streichen wäre das Einfachste. Dann wäre klar: Lukas ist weg.

Ich kann das nicht. Und habe mir angewöhnt, auf die leeren Felder für die Noten einen Vermerk zu schreiben: „Schulwechsel“, „abgemeldet“ – irgendein Wort, das den Vorgang begreifbar macht.

Menschen kommen und gehen: als Schüler, als Kollegen, als Nachbarn. In den meisten Fällen ist das Verhältnis zweckgebunden und zeitlich begrenzt.

Egal wie vorübergehend und oberflächlich unsere Beziehung zu diesen Menschen ist: Sie sind Gottes Ebenbilder. Schon das hält mich davon ab, sie einfach zu streichen.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:24min / 2 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

RPR1 "Angedacht": Das perfekte Sandwich.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 16. Juni 2010:

„Ohne Fleiß kein Preis“, sagt der Volksmund. Wäre ja auch zu einfach, wenn man genießen könnte, ohne sich anzustrengen. Und weil vor dem Lohn bekanntlich die Mühe steht, hat die Universität Bristol in England hat die Formel für das perfekte Käsesandwich herausgefunden.

Ein Monstrum aus Klammern und Brüchen, das unangenehme Erinnerungen an den Matheunterricht weckt. Ich jedenfalls würde verhungern, wenn ich mir mein Sandwich ausrechnen müsste.

Die Größe der Brotscheibe im Verhältnis zur Anzahl der Tomaten, Salatblätter und Mayonaisemenge ergibt, unterm Strich, die ideale Dicke der Käsescheibe in Abhängigkeit vom Geschmack der jeweiligen Sorte.

Verstanden? Nö? Macht nichts!

Totaler Käse! Das denke ich über die Sandwichformale. Guter Geschmack hat mit Inspiration zu tun und mit Erfahrung. Wer zuviel nachdenkt und kalkuliert, verpasst das Beste.

Das gilt auch für mein Leben. Klar fände ich es toll, wenn es dafür eine Formel gäbe, z.B.

Liebe + Gesundheit : Wohlstand = erfülltes Leben.

So könnte eine Glücksformel aussehen. Theoretisch. Praktisch gilt sie höchstens für den Augenblick. Weil die Zutaten nur begrenzt verfügbar sind. Und weil ein erfülltes Leben kein persönliches Verdienst ist.

Deshalb kommt als weitere Zutat noch der Glaube hinzu: Glaube an die Menschen, die mir wichtig sind, Glaube an mich selbst, Glaube an Gott als Quelle des Lebens. Spätestens hier stößt jede Formel an ihre Grenzen. Wer glaubt, lebt mit geöffneten Händen. Und empfängt dankbar jedes kleine Glück als Geschenk.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:30min / 2.1 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

RPR1 "Angedacht": Exsurge domine!

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Dienstag, 15. Juni 2010:

„Exsurge domine“ – „Erhebe dich, Herr“ mit diesen Worten holt der Papst zum Gegenschlag aus. Heute vor 480 Jahren, am 15.Juni 1520.

Sein Gegner: Martin Luther, Professor der Theologie. Mönch, Priester, Prediger und mutiger Streiter für Veränderungen in der Kirche. Mündige Christen und eine Kirche, die sich auf das Evangelium besinnt – dafür kämpft er.

Die Vorgeschichte: Luther ist zunächst Jurastudent. Aus Angst vor Gott bricht er sein Studium ab und sucht sein Heil im Kloster, aber er findet es nicht. In der Bibel entdeckt Luther dann, was wirklich frei macht: Vertrauen zu Gott statt Angst vor ihm.

Luther will mit seiner Erkenntnis die Kirche verändern. Und er erwischt den richtigen Zeitpunkt. Durch den gerade erfundenen Buchdruck werden seine Schriften zum Massenmedium. Der Kaiser droht Luther, die Kirche droht ihm, aber er bleibt standhaft.

Dann greift der Papst zum letzten Mittel. Er droht Luther mit dem Ausschluss aus der Kirche. Früher hätte das gewirkt. Aber jetzt ist auch diese Waffe stumpf. Eine Rückkehr in diese Kirche ist für Luther mittlerweile unmöglich. Die Wege haben sich längst getrennt.

Heute gehen evangelische und katholische Christen aufeinander zu. Bewusst sage ich „Christen“, nicht „Kirche“. Denn offiziell liegen noch viele Hindernisse auf dem Weg zur Einheit. Und man darf über das Trennende auch nicht einfach hinweg sehen.

Dafür ist es wichtig, zu wissen, wofür man steht und wo man keine Kompromisse macht. Das lerne ich von Martin Luther.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:30min / 2.1 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

RPR1 "Angedacht": Der erste Eintrag.

Pfarrer Dirk Alpermann, Guntersblum, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Montag, 14. Juni 2010:

„Am Freitag wurde ich schon um 6 Uhr wach. Das war begreiflich, denn ich hatte Geburtstag. Aber so früh durfte ich nicht aufstehen und musste meine Neugier noch bezähmen bis dreiviertel sieben. Dann hielt ich es aber nicht mehr länger aus. Ich lief ins Esszimmer, wo Mohrchen, unser kleiner Kater, mich mit heftigen Liebkosungen begrüßte.

Nach sieben Uhr ging ich zu den Eltern und dann mit ihnen ins Wohnzimmer, um meine Geschenke anzusehen und auszupacken. Dich, mein Tagebuch, sah ich zuerst, und das war sicher das schönste Geschenk.“

Mit diesem ersten Eintrag vom 14.Juni 1942 beginnt Anne Frank ihr Tagebuch. Zwei Tage zuvor hatte sie die rot-weiße Kladde zum Geburtstag geschenkt bekommen. Zu diesem Zeitpunkt lebt Anne mit ihren Eltern, ihrer Schwester und vier weiteren Personen seit einer Woche im Versteck in Amsterdam.

Acht Menschen auf fünfzig Quadratmetern, ständig in der Angst, entdeckt und an die Nazis ausgeliefert zu werden. Mittendrin die 13 jährige Anne, ein Mädchen am Beginn der Pubertät, dem für seine Gedanken und Gefühle in dieser Situation nur ein Sprachrohr bleibt: das Tagebuch, das ursprünglich als Poesiealbum gedacht war.

Anne schreibt an eine imaginäre Freundin mit Namen Kitty und vertraut ihr an, was sie erlebt und fühlt. Ihre Einträge handeln vom Alltag im Versteck und manchmal auch von intimen Dingen: von Religion und Sexualität.

Zwei Jahre dauert die Zeit im Versteck, im August 1944 wird die Familie verraten. Kurz vor Kriegsende stirbt Anne im KZ Bergen-Belsen. Ihr Vater überlebt als Einziger.

Anne Franks Tagebuch gehört als Weltliteratur zur Pflichtlektüre im Schulunterricht. Es gibt dem millionenfachen Leid der Juden in der NS-Zeit Gesicht und Stimme. Und mahnt uns alle zur Menschlichkeit.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:31min / 2.1 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

RPR1 "Angedacht": Ein Tipp für Jogis Jungs.

Pfarrer Dejan Vilov, Speyer, spricht “Angedacht” bei RPR1 und “Feels like heaven” bei Rockland Radio am Sonntag, 13. Juni 2010:

An diesem Sonntag beginnt die Fußball-WM auch für Jogi Löw und die deutsche Fußballnationalmannschaft. Um 20.30 Uhr spielen Poldi, Schweini und Co gegen Australien. Endlich. Die lange Zeit der Vorbereitungen ist damit endgültig vorbei: Testspiele, Training, Fitnesstests – sie alle liegen lange hinter den Spielern. Heute abend wird´s ernst.

Mit dem Flugzeug geht´s für die deutsche Mannschaft nach Durban und per Bus dann weiter ins Stadion. Mit Kopfhörer auf den Ohren und tragbaren Spielekonsolen in den Händen versuchen viele deutsche Spieler im Mannschaftsbus den Kopf frei zu kriegen, um sich besser auf den Gegner konzentrieren zu können.

Die Mannschaft von Deutschlands Vorrundengegner Ghana versucht dasgleiche, aber mit ganz anderen Mitteln. Im ghanaischen Mannschaftsbus singen und beten die Spieler, um damit Gott zu ehren. Ja, und manchmal machen sie das sogar noch im Spielertunnel unmittelbar bevor es rausgeht auf den Platz.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder – so heißt es in Psalm 98. Dass diese Worte kein leeres Versprechen sind, wird im Singen und Beten der ghanaischen Spieler deutlich. Denn da singen Christen, Muslime und Anhänger anderer Religionen im Chor. Nicht gegen-, sondern miteinander.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder – ich glaube, das wäre auch etwas für Yogi Löw und seine Jungs, denn man ehrlich: ein Wunder, das kann die deutsche Mannschaft in Südafrika gut gebrauchen.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (1:31min / 2.1 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.

SWR 1 Rheinland-Pfalz "Anstöße": Sorry - Entschuldigung

Pfarrer Stefan Bergmann, Kaiserslautern, spricht ‘Anstoesse’ bei SWR 1 Rheinland-Pfalz am Samstag, 12. Juni 2010.

Sie können diesen Beitrag als MP3 herunterladen (2:37min / 1.2 MB) oder mit einem Klick auf das Play-Zeichen den Flash Player starten, um den Beitrag online zu hören.