RPR1 'Angedacht': Zum Sinn der Jahres- und anderer Losungen
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Donnerstag, 1. Januar 2009:
In regelmäßigen Abständen weisen die Kirchen darauf hin, welchen Wert die Regelmäßigkeit besitzt. Vor allem dann, wenn der Advent wieder einmal in den Spätsommer vorgezogen zu werden droht. Alles hat seine Zeit, und das Einhalten von Rhythmen stiftet Sinn – für den Einzelnen wie auch für die Gemeinschaft.
Das Kirchenjahr ist rhythmisiert nicht nur durch die großen Festdaten wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedank, sondern auch durch Bibelworte. Schon vor einem halben Jahrhundert sind die Wochensprüche mit Bezug zum jeweiligen Sonntag in die kirchlichen Agenden eingegangen.
Nicht nur das Kirchenjahr gibt einen Rhythmus vor, sondern auch das säkulare Kalenderjahr und die Jahreszeiten. Christlicher Glaube kann deshalb nicht eingekapselt bleiben in den kirchenjahreszeitlichen Ablauf. Er betrifft das ganze Leben und will auch dafür den Rhythmus vorgeben. Selbst alltägliche Verrichtungen sollen unter dem Vorzeichen des Wortes Gottes stehen.
Und so gibt es neben den jedes Jahr gleichen Wochensprüchen eben auch die jährlich wechselnden Tageslosungen, die Monatssprüche und die Jahreslosung. Die Jahreslosung für 2009 stammt aus dem Lukasevangelium. Jesus spricht: “Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.” (Lukas 18,27)
Möge Ihnen dies bei alledem, was im Neuen Jahr 2009 auf Sie zukommen mag, eine Stütze und Hoffnung sein.
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RPR1 'Angedacht': Horoskope - Zukunft zum Umtauschen?
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 30. Dezember 2008:
Ich lese ja schon seit Jahren keine Horoskope mehr. Irgendwann habe ich mir mal als guten Vorsatz fürs neue Jahr vorgenommen, keines mehr zu lesen und hab’s seitdem auch durchgehalten. Das war anfangs gar nicht so einfach, man ist so dran gewöhnt, in jeder Zeitschrift guckt man ganz unwillkürlich drüber, oder es läuft im Radio, oder irgendjemand liest es laut vor, natürlich nur zum Spaß. Aber ich wollte mich einfach nicht mehr davon beeinflussen lassen, auch nicht unbewusst.
Und dann habe ich etwas gelesen, was mir recht gibt, wie ich meine. Da gab doch tatsächlich eine Astrologiefirma eine Umtauschgarantie auf Horoskope. Wenn Ihnen ihr Horoskop, das dort teuer Geld kostet, nicht gefällt, können Sie es einfach umtauschen.
Wenn ich das richtig verstehe, kann ich dort also meine Zukunft umtauschen. Denn das verspricht doch ein Horoskop: mir zu sagen, wie meine Zukunft aussieht. Die Zukunft einfach umtauschen, das wäre natürlich einfach. Sich einfach eine aussuchen, die einem zusagt, ohne selber etwas dafür tun zu müssen.
Ich glaube, Gott traut uns zu, dass wir unser Leben und unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. Wir sind freie Menschen und entscheiden selbst, was wir daraus machen – ohne uns an Millionen Lichtjahre entfernte Himmelskörper zu klammern.
“Weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges kann uns scheiden von der Liebe des Herrn”, heißt es in der Bibel. Und das ist es, was zählt.
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RPR1 'Angedacht': Change 2008
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Sonntag, 14. Dezember 2008:
“Finanzkrise” ist das Wort des Jahres 2008. Ich persönlich hätte das Jahr mit einem englischen Wort zusammengefasst: Change. Zu Deutsch: Wandel, Wechsel, Veränderung.
Zuallererst war “Change” natürlich das Wahlkampfmotto Barack Obamas. Er hat den Wechsel geschafft. Ob es auch einen Wandel bedeutet, bleibt abzuwarten.
Dann setzte sich die Debatte um den Klimawandel, engl. Climate Change, fort und führte zu ersten Vereinbarungen.
Change, regional und lokal: In den pfälzischen Kirchengemeinden setzten sich die Presbyterien neu zusammen. Und auch neue Kirchenpräsidenten wurden gewählt: in der Pfalz und in Hessen-Nassau.
Schließlich Change, bei mir ganz privat: die Geburt meiner Tochter.
In anderthalb Wochen feiern wir die Geburt eines Kindes, das die Welt verändert hat. Was ist denn aber seit Jesus anders, als es vorher war?
Vorher saß Gott auf seinem hohen Thron, respektgebietend und ehrfurchteinflößend. Vorher waren Opfer nötig, um ihn gnädig zu stimmen. Vorher war unklar, wie Menschen verschiedener Nation und Religion miteinander umgehen sollen. Vorher war überhaupt unklar, was Gottes Wille ist, und was er vorhat mit uns Menschen.
Seit Jesus über die Welt ging, ist uns Gott ganz nah. Wir dürfen mit ihm reden wie mit Mama oder Papa, Bruder oder Schwester. Er selbst bringt Opfer für uns. Gott will, dass Friede werde. Er will Leben, ewiges Leben für uns. Gott selbst will Change, will, dass sich etwas verändert. Er blieb selbst nicht unveränderlich: Er wurde Mensch.
Dieser Change ist es wert, gefeiert zu werden. Jedes Jahr wieder, an Weihnachten.
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RPR1 'Angedacht': Ein Moment der Schwäche - Zum Volkstrauertag
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 bei Rockland Radio am Sonntag, 16. November 2008:
Mein Großvater war ein kräftiger Mann. Einer, der anpacken konnte. Einer, der die Dinge am liebsten selbst erledigte, mit seiner eigenen Hände Arbeit. Einer, der ungern von anderen abhängig war.
Umso verständlicher erscheint mir heute, dass die eine Begebenheit in seinem Leben, von der er mehrfach erzählte, ein Moment der Schwäche war.
Es war kurz nach Kriegsende, er war zwanzig Jahre alt und auf dem Weg in die russische Gefangenschaft. Dass er es überhaupt bis zum Ziel schaffte, verdankte er einem Kameraden, der ihn stützte und mitschleppte, als ihm selbst die Kräfte versagten. Dieser Kamerad rettete meinem Großvater das Leben, denn, so erzählte er, wer nicht selbst laufen konnte, am Wegesrand liegen blieb, der wurde erschossen.
Letztlich verdanke damit auch ich mein Leben diesem für mich namenlos gebliebenen Kameraden.
Mein Großvater hat den Krieg und die Gefangenschaft überlebt. Doch obwohl er ansonsten nicht viel darüber gesprochen hat, konnte man ihm die Spuren anmerken, die diese Erfahrungen hinterlassen haben:
in seiner Ernsthaftigkeit,
in seinen Schwierigkeiten mit Gott und Glaube,
und selbst im liebevollen Umgang mit seinen Enkeln, woraus er möglicherweise schließlich Trost und Hoffnung zog.
Heute, am Volkstrauertag, gedenke ich nicht nur der vielen Toten, die aus Kriegen hervorgingen – sondern auch dessen, was Kriege in den Überlebenden angerichtet haben und immer noch anrichten.
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RPR1 'Angedacht': Der Schoko-Jesus - zum Aufregen oder zum Anbeißen?
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Sonntag, 2. November 2008:
Es ist ein Jesus zum Anfassen – und Anbeißen. Vollmilch, 100 Gramm – der “Goldjesus” oder “Sweetlord”, der Heiland ganz aus Schokolade, den sich Frank Oynhausen aus Duisburg ausgedacht hat.
Der erfährt derzeit allerdings viel Gegenwind:
Ein bayerischer Hersteller von Verpackungsfolie kündigte die Zusammenarbeit auf. Beim 1. Paderborner Schoko-Festival am vergangenen Wochenende intervenierte die Stadt, so dass der Schokojesus nicht ausgestellt wurde, und das katholische Bistum kritisierte die Verkitschung Jesu. Selbst die Evangelische Kirche wies Oynhausen per E-Mail darauf hin, er müsse mit Protesten seitens der Gläubigen rechnen.
Ich persönlich kann diese Aufregung nicht verstehen.
Kommerz? Gotteslästerung? Ich meine, gotteslästerlich wird der Kommerz an anderer Stelle. Zum Beispiel, wenn Spekulatius und Lebkuchen schon ab Ende August im Laden stehen. Zum Beispiel, wenn es als selbstverständlich angesehen wird, dass Adventssonntage verkaufsoffen sind. Zum Beispiel, wenn christliche Symbole und Gestalten wie der heilige Nikolaus und das Christkind verdrängt werden von Figuren wie dem Weihnachtsmann und seinen Rentieren.
Da sage ich: Lieber als dieser seltsame Typ im roten Mantel mit weißem Fellbesatz, der einen großen Sack auf dem Rücken trägt, manchmal im glitzernden Cola-Laster angefahren kommt, und nicht viel mehr zu sagen hat als: “Ho Ho Ho” – also, lieber als dieser Typ wär’ mir der Schokojesus allemal.
Und, mal ehrlich: Jesus in aller Munde – das wäre doch super!
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RPR1 'Angedacht': Alle Jahre wieder
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Mittwoch, 24. September 2008:
“Alle Jahre wieder kommt das Christuskind
auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind”
Hach, ist das nicht schön? Da wird es einem doch ganz warm ums Herz. Das macht halt auch die Jahreszeit, dass so ein Lied die richtige Stimmung trifft. Es weihnachtet sehr …
Wie, finden Sie jetzt gar nicht? Wie, was heißt hier „im Sendetermin geirrt“? Ach, ist noch viel zu früh? Ist erst September? Aber warum liegen dann im Supermarkt und beim Discounter schon Spekulatius und Lebkuchen aus?
Offenbar stört es weniger, etwas zu sehen, zu riechen und zu schmecken, das in eine ganz andere Saison gehört – als so etwas jetzt zu hören, wie eben ein Weihnachtslied. Immerhin, wenigstens EIN Sinn, der noch funktioniert.
Sie meinen, es lässt sich ja eh nicht ändern? Doch, das Gegenmittel steckt in Ihrer Tasche: Ihr Geldbeutel! Lassen Sie ihn einfach geschlossen. Widerstehen Sie der Verführung.
Zeigen Sie, dass Ihnen Jahresrhythmen nach wie vor wichtig sind. Machen Sie ganz klar, dass es Ihnen nicht egal ist, ob zum Erntedankfest schon Schoko-Weihnachtsmänner erhältlich sind – oder Zimtsterne zur Martinsgans.
Um es ganz deutlich, als Gebot zu formulieren: Du sollst keine Weihnachtsleckereien zwei Monate vor der Zeit kaufen! Denn, das weiß doch eigentlich jeder, irgendwo im Hinterstübchen: Advent ist im Dezember!
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RPR1 'Angedacht': 'Was du nicht willst ...' - 70. Deutscher Pfarrertag in Speyer
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Dienstag, 23. September 2008:
Seit gestern findet in Speyer der 70. Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag statt. 700 evangelische Geistliche sind dazu aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarkirchen angereist.
Boah, 700 Pfarrer auf einem Haufen, werden die einen sagen, das hält ja kein Schwein aus! Andere sehen es vielleicht positiv: Da muss Speyer ja direkt in den Himmel fliegen!
Scherz beiseite: Der Schwerpunkttag heute steht unter dem Motto „Was du nicht willst, dass man dir tu“, und die Pfarrerinnen und Pfarrer diskutieren dabei die Frage „Welche Werte braucht das Land?“ Die Kirchen sind hier gefragt, denn kaum bleibt jemand auf der Strecke im undurchsichtigen Auf und Ab von Geldwirtschaft und Arbeitsmarkt, sollen sie es richten mit ihrer frohen Botschaft und diakonischem Handeln.
Das tun die Kirchen auch. Aber mit der Frage „Welche Werte braucht das Land?“ wollen die Pfarrer in Speyer deutlich machen: Das ist eine Frage, die die ganze Gesellschaft, die alle angeht.
Volksmundmoral greift hier zu kurz: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ Das heißt doch nur: “Ich tu dir nix Böses, tu du mir auch nix Böses.” Und damit hat es sich.
Die original „Goldene Regel“ aus der Bergpredigt Jesu lautet entscheidend anders: “Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!” (Mt 7,12). Es geht darum, aktiv Gutes zu tun, nicht nur, nichts Böses zu tun. Das ist viel schwieriger. Aber nur das ist der Weg zu einem besseren Umgang miteinander.
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