RPR1 "Angedacht": Keine Angst vor dem Föhn.
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Samstag, 23. Oktober 2009:
Sooo… wenn Sie bisher getauft waren, dann sind Sie’s jetzt nicht mehr. Ich hab Ihnen die Taufe weggeföhnt.
So’n Quatsch, meinen Sie? Sehe ich genauso. Aber so sieht ein aktueller Trend unter den so genannten Neuen Atheisten aus, vor allem im angelsächsischen Raum. Ent-Taufen nennt sich das; damit schwören überzeugte Atheisten dem Glauben ab: Ein falscher Pfarrer benutzt einen Föhn mit der Aufschrift „Vernunft“, um das Wasser der Taufe symbolisch wegzublasen.
Dahinter steckt ein völlig falsches Verständnis der Taufe – als wäre die Taufe irgendeine böse Hexerei, die mit einer Gegenhexerei behandelt werden müsste. Es geschieht nichts Magisches in dem Moment, wenn das Wasser den Kopf des Täuflings berührt. Und die Lebensgemeinschaft, die Freundschaft zwischen Gott und Mensch, die mit der Taufe begründet wird, wird durch den Glauben erst endgültig besiegelt.
Glaube aber ist immer beides: Er ist mir einerseits gegeben, ein Geschenk – und ich habe ihn mir andererseits persönlich angeeignet und mich dafür entschieden. Deshalb bleibt die Anti-Taufe nur ein Späßchen. Rückgängig machen geht nicht. Wo aber der Glaube nicht ist, spielt die Taufe für den Getauften ohnehin keine Rolle.
Aber: Gott ist offen. Die Taufe ist die lebenslang gültige Zusage der Vergebung und Liebe Gottes. Er ist lebenslang offen für Nähe zu ihm und Ferne von ihm.
Und wenn der Glaube zwischendurch entschwindet oder erst spät aufkeimt, dann kann ich dankbar dafür sein, dass – lange bevor ich mich für ihn entschieden habe – Gott sich schon für mich entschieden hat.
Also: Keine Angst vorm Föhn.
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RPR1 "Angedacht": WeSmile.de
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Freitag, 23. Oktober 2009:
„Only bad news are good news“ – nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, sagt man in der Medienbranche. Katastrophen, Skandale, Kriege und Konflikte sind der Stoff, aus dem Sensationsmeldungen gestrickt sind.
Genug damit, sagten sich die Macher von WeSmile.de – und schufen eine Online-Community der guten Nachrichten. Eine „Gegenbewegung zum Übergewicht negativer Berichte in deutschen Nachrichtenformaten“ soll WeSmile sein. „Positive Nachrichten und Erfolge, Impulse, Chancen und Helden des Alltags“ sollen zu ihrem Recht kommen.
Funktionieren soll das ohne eigene Redaktion, sondern jeder, dem eine gute Nachricht unterkommt, kann sie auf WeSmile.de einbringen und so allen anderen weitergeben.
Tolle Idee, finde ich, wenn das Projekt auch noch in den Kinderschuhen steckt und etwas mehr Aktivität gebrauchen könnte. Wir brauchen gute Nachrichten als Gegengewicht, viele davon sogar, viel mehr als schlechte Nachrichten – weil schlechte die Angewohnheit haben, sich viel stärker in unserem Bewusstsein einzugraben.
Gute Nachricht, das heißt auf griechisch euangelion – und wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann haben Sie Recht: Die Verfasser der Evangelien in der Bibel wollten nicht viele gute Nachrichten weitergeben, sondern nur die eine Gute Nachricht, diejenige von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
Die vielen kleinen guten Nachrichten auf WeSmile.de, die bringen uns zum Lächeln. Die eine Gute Nachricht, die uns Gott übermittelt, die macht, dass wir – wie viele schlechte Nachrichten uns auch noch begegnen mögen – rundum und ganz und gar erlöst sind.
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RPR1 "Angedacht": Damals war ich 16...
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Donnerstag, 22. Oktober 2009:
Vor zwanzig Jahren war ich sechzehn. In diesen Wochen versuche ich mich zu erinnern: Wie habe ich eigentlich damals die friedliche Revolution im Osten erlebt?
Die DDR war für mich weit weg, ein anderes Land, mit dem mich nichts verband. Wir hatten weder Verwandte noch Bekannte „drüben“, und Politik hat mich damals reichlich wenig interessiert, wenn es nicht gerade um den Kampf gegen Atomkraftwerke oder das Waldsterben ging.
Dann aber gingen wir noch ´89, wenige Monate vor dem Mauerfall, auf Klassenfahrt nach Berlin. Einen Tag verbrachten wir auch in Ost-Berlin. 25 Westmark wurden in 25 Ostmark umgetauscht, und dann mussten wir zusehen, wie wir die los bekamen, denn zurückgetauscht wurde nicht.
Auf dem Rückweg hatte ein Mitschüler ein Hemd in der Tasche, das mehr gekostet hatte als 25 Mark. Kritische Blicke, Kontrollfragen: Hatte er unerlaubt Westdevisen eingeführt? Nein, des Rätsels Lösung war einfacher, überstieg aber offenbar die Fantasie des real existierenden Sozialismus: Er hatte mit einem anderen zusammengelegt.
Ich wusste damals wenig über das System der Unfreiheit, das die Menschen so glücklich über seinen Untergang sein ließ. Aber schon diese kleine 25-Mark-Anekdote hatte mir einen Hauch des Gefühls vermittelt, was es bedeutet: derart ausgeliefert zu sein.
Dabei ist jeder Mensch frei, denn er ist von Gott geschaffen. Damit hat er eine unverlierbare Würde – auch in unfreien Verhältnissen.
Nicht viel später brach sich das große Wunder Bahn. Wie groß es war, das verstand ich nun ein wenig besser.
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RPR1 'Angedacht': Let´s work together
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Samstag, 6. Juni 2009:
Seit einiger Zeit verfolge ich in Internetforen Diskussionen zwischen Christen und Atheisten. Und oft bin ich überrascht bis schockiert, wenn ich sehe, mit welch harten Bandagen da zum Teil gekämpft wird, bis hin zu persönlichen Beleidigungen. Und zwar auf beiden Seiten.
Einigen Atheisten nehme ich dabei ab, dass sie sich tatsächlich um die Zukunft der Gesellschaft sorgen. Der Einfluss der Kirchen auf politische bis ethische Entscheidungsprozesse geht ihnen zu weit. Den Glauben an Gott betrachten sie als schädlich, weil er einer vernünftigen Diskussion im Wege stehe. Und sie haben zum Teil auch erlebt, wie sie zum Beispiel bei Talkshows oder Podiumsdiskussionen aufgrund ihres Unglaubens belächelt, ausgegrenzt, nicht ernst genommen werden.
Ich habe kein Problem mit “Ungläubigen”. Viele meiner Freunde, Bekannten oder Menschen, mit denen ich in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet habe, glauben nicht an Gott. Das ändert aber doch nichts daran, dass man zielgerichtet und erfolgreich miteinander Projekte angehen kann.
Ich meine: Christen und Atheisten sollten ihre Kräfte heutzutage vielmehr bündeln statt sie gegeneinander aufzureiben – und gemeinsam vorgehen gegen Diskriminierung, soziale Ungleichheit, politischen wie religiösen Fundamentalismus. Unsere Ziele sind gar nicht so verschieden. Wir kommen nur von verschiedenen Ausgangspunkten her.
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RPR1 'Angedacht': Ich glaube, dass Gott mich erschaffen hat!
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Freitag, 5. Juni 2009:
„Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen.“ Vor fast 500 Jahren hat der Reformator Martin Luther diesen Satz formuliert.
Seitdem haben die Naturwissenschaften ungeheure Fortschritte gemacht, Theorien der Entstehung des Kosmos und des Lebens über einen Zeitraum von Jahrmillionen hinweg entworfen. Wenn es auch nach wie vor offene Fragen gibt, sind diese Theorien in ihren Grundzügen doch plausibel.
„Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen.“ Gehört dieser Satz Luthers also zum alten Eisen, ist er schrottreif?
Wenn auch die Naturwissenschaften zum damaligen Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen steckten – wir können doch davon ausgehen, dass der Reformator durchaus um Bienchen und Blümchen und woher die kleinen Kinderlein kommen, wusste. Und dennoch kann er dies so auf sich ganz persönlich zugespitzt sagen: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen.“ Es lohnt sich, darüber nachzudenken.
Ich bin der Ansicht, dass es keinen Grund für Feindseligkeiten oder Kämpfe zwischen Glaube und Theologie einerseits und den Naturwissenschaften andererseits gibt. Gläubige Menschen betrachten die Welt eben von einer anderen Deutungsperspektive her. Deshalb wissen sie aber doch um Hoch- und Tiefdruckgebiete und den Wasserkreislauf und vertreten nicht die Ansicht, dass irgendein Regengott seine Gießkanne ausgepackt hat.
Ich weiß, dass ich aus der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle entstanden bin und meine Mutter mich geboren hat. Und dennoch: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen.“
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RPR1 'Angedacht': buskampagne.de
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Donnerstag, 4. Juni 2009:
„Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott.“ Das steht auf dem großen Doppeldecker-Bus, der seit sechs Tagen durch Deutschland tourt.
In den kommenden Tagen wird er auch die Region zwischen Köln/Bonn, Frankfurt, Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Karlsruhe befahren.
Die Initiatoren wollen eine gesellschaftliche Grundsatzdebatte anregen: „Eine aufgeklärte Weltsicht kann – im Gegensatz zu Dogmatismus, Fanatismus, Fundamentalismus – als Grundlage für unser aller Zusammenleben und Überleben nicht hoch genug veranschlagt werden.“ So zu lesen auf der Internetseite buskampagne.de.
Die Kampagne hat ihren Ursprung in England. Dort war die Folgeaussage aus dem „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott“: „Also mach dir keine Sorgen und genieße dein Leben.“ Wo mit Höllenstrafen gedroht wird und Religion angstbesetzt ist und unterdrückerischen Charakter hat, dort hat eine solche Kampagne durchaus ihr Recht.
Hierzulande haben die rührigen Atheisten bemerkt, dass der Fokus ein anderer sein muss. Und so schrieben sie sich die Aufklärung auf ihre Fahnen.
Dabei scheinen sie mir zu übersehen, dass es gerade hier, im Land der Reformation, auch so etwas wie einen aufgeklärten Glauben gibt. Und dass es in Deutschland gerade die Kirchen sind, die gegen Dogmatismus, Fanatismus und Fundamentalismus die Stimme erheben.
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RPR1 'Angedacht': 2009 - Nichts ist unmöglich
Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Freitag, 2. Januar 2009:
Heute, am ersten Werktag des neuen Jahres – ob Sie arbeiten oder den Brückentag frei haben – noch einmal Frohes Neues Jahr!
Was das Jahr bringen wird, ist noch ungewiss, und kein Horoskop, kein Bleigießen bringt da Sicherheit. Manche Entscheidung ist zu treffen, manches freudige Ereignis steht an, aber auch wird der ein oder andere Schlag manche Planung zunichte machen.
Über alledem steht ein Bibelwort aus dem Lukasevangelium, die Jahreslosung für 2009: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Das klingt ein bisschen wie aus der Autowerbung: „Nichts ist unmöööglich.“ Und man denkt dabei zuerst an irgendwelche Wunder, Wasser in Wein verwandeln, über den See laufen, chronisch und Tod-kranke plötzlich heilen.
Aber das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Kurz vorher sagt Jesus: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.“ Und die Jünger sind entsetzt: Wer kann dann ins Reich Gottes kommen? Denn irgendwie, im Großen oder im Kleinen, ob Manager, Vorstandschef oder kleiner Sparer, sind wir doch alle darauf bedacht zu wahren, was uns gehört, sind wir nicht wirklich bereit, alles aufzugeben und Jesus nachzufolgen.
Unmöglich also, zu einem besseren, solidarischen Miteinander zu gelangen? Unmöglich, uns nicht mehr zu sorgen? Unmöglich, ins Reich Gottes zu kommen?
Jesus sagt: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Damit schafft er die Grundlage, dass wir überhaupt leben können. Gott sei Dank!
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