RPR1 'Angedacht': Auf der Suche nach dem Gott-Teilchen

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Montag, 22. September 2008:

Vor anderthalb Wochen wurde er in Betrieb genommen, in Genf am Kernforschungszentrum CERN: der Large Hadron Collider, kurz LHC, der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. 27 Kilometer Länge misst der unterirdische Tunnelring der „Urknallmaschine“ – ein milliardenschweres Projekt.

Dabei existiert das Higgs-Teilchen, das die CERN-Wissenschaftler unter anderem erforschen wollen, bislang nur in der Theorie. Ihm werden Eigenschaften zugeschrieben, die diejenigen eines Schöpfergottes sein könnten: Es muss der Theorie zufolge im Universum allgegenwärtig sein, und es ist allmächtig in dem Sinne, dass es allen anderen Teilchen ihre Masse verleiht, also die Eigenschaften der Materie steuert. Darum nennen es manche Physiker auch das “Gott-Teilchen”.

Das ist öffentlichkeitswirksam. Darin schwingt der Wunsch mit, die letzten Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln, eben den „Plan Gottes“ aufzudecken – und vielleicht auch, so ein bisschen wenigstens, sich selbst an seine Stelle setzen zu können.

Aber: Die Deutungshoheit für alle menschliche Erfahrung kann keine Wissenschaft für sich beanspruchen. Zwar bin ich ebenfalls gespannt und hoffe, der LHC bringt tatsächlich faszinierende neue Erkenntnisse über Anfang und Struktur des Universums. Diese werden jedoch nichts daran ändern, dass wir weiterhin mit Martin Luther sagen können: “Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen …”

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RPR1 'Angedacht': Kindertheologie - Wird Gott nass, wenn es regnet?

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 und ‘Feels Like Heaven’ bei Rockland Radio am Sonntag, 21. September 2008: Wird Gott nass, wenn es regnet? Eine überraschende Frage. Eine Frage, die mich schmunzeln lässt. Eine Frage, die nur ein Kind stellen kann.

Wird Gott nass, wenn es regnet? Der amerikanische Kinderpsychologe Robert Coles hat mit Kindern aller Kulturen und Religionen Gespräche geführt und aufgezeichnet. Und das fragt ihn die neunjährige Betsy: “Glauben Sie, dass Gott nass wird, wenn es regnet?” Darauf Coles: “Ich weiß wirklich nicht, wie die Antwort lautet. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Was meinst du denn?” Betsy ist überzeugt davon, dass Gott oft nass wird. “Gott ist bei uns, so wie er bei Jesus war, und deshalb weiß er, ob es regnet oder nicht. Er muss den Regen ja spüren, weil er sonst nicht allwissend wäre, aber das ist er doch.”

Wie oft machen wir Erwachsene uns eigentlich so tiefe Gedanken darüber, was es konkret bedeutet, dass Gott bei uns ist? Übergehen wir so eine Frage normalerweise nicht viel zu schnell? Kinder machen sich ihre eigenen Gedanken über Gott und die Welt. Ab und zu staunen wir über ihre Äußerungen.

Kinder reden von Gott, wie Jesus wollte, dass wir von ihm reden. Nicht mit übertriebenem Respekt, nicht angstbeladen, sondern wie von einem liebenden Vater, einem guten Freund, der auch mal nass wird, auch mal schwitzt, der sich ärgert, der sich freut – und der uns immer zur Seite steht.

Deshalb Jesu Aufforderung: Werdet wie die Kinder. Wär‘ doch einen Versuch wert, gerade heute, am Tag Eins nach dem Weltkindertag. Und morgen wieder. Und übermorgen…

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RPR1 'Angedacht': Gospel-Fitness - Mit Jesus gegen Fettpölsterchen?

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Sonntag, 24. August 2008:

Gottesdienst und Gebet können bewegend sein. Manchmal auch in einem ganz wörtlichen Sinn. “Gospel-Fitness” heißt der neueste Trend in den USA. Im ganzen Land bauen Kirchen Keller und Hinterzimmer zu Fitnessräumen um. Gehüpft, gebeugt, gedehnt, gestreckt wird sich hier zu rhythmischen religiösen Klängen. Damit nicht genug, fordern Trainer oder Trainerin zwischendurch zum Lobpreis auf oder zitieren aus der Bibel. Mit Jesus gegen Fettpölsterchen.

Der Kniff mit dem Glauben wirkt auf viele offenbar motivierender als die Aussicht, mehrmals wöchentlich den säkularen Weg des Schwitzens zu gehen: ins Hightech-Fitness-Center am Stadtrand. “Ohne Gott würde ich das nicht durchstehen”, sagt eine Teilnehmerin, und einer der wenigen Männer: “Körper und Geist sind uns von Gott geschenkt und wir sollen beide gut behandeln”.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Gospel-Fitness-Welle über den Atlantik schwappt – mögen sich hierzulande auch Zweifel anmelden: Wer steht dabei eigentlich im Mittelpunkt? Gott oder ich selbst? Sind wir Jünger Jesu oder Fitnessjünger? Preise ich Gott mit meinem Körper – oder garniere ich meinen Körper mit Gott? Geht es einfach nur um das gute Gefühl, von sich sagen zu können: “Selbst wenn ich Fitness treibe, denke ich an den Herrn”? Oder haben tatsächlich alle Teilnehmer die Rede des Apostels Paulus vom Körper als Tempel des Heiligen Geistes dergestalt verinnerlicht, dass sie ihre Körperübungen als Gottesdienst ansehen?

Wahrscheinlich ist des Rätsels Lösung viel einfacher: Sie glauben. Sie brauchen Bewegung. Und beides zusammen macht eben mehr Spaß.

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RPR1 'Angedacht': Unbesiegbare Sonne

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Freitag, 1. August 2008:

„O Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.“ Heißt es in einem alten Kirchenlied. Was heute Vormittag zwischen halb elf und halb eins über dem RPR1-Land geschieht, hat allerdings den Namen Sonnenfinsternis fast nicht verdient. Im Sendegebiet werden nur zwischen neun und zwölf Prozent der Sonnenscheibenfläche bedeckt sein. Wenn Sie die totale Finsternis sehen wollen, müssen Sie sich schon nach Sibirien beamen. Oder Sie schauen ins Internet; das Spektakel wird von zahlreichen Stationen live übertragen.

Und dort hat es dann schon ein bisschen was von Weltuntergang – mitten am helllichten Tag verdunkelt sich die Sonne, das Licht wird fahl, bleiern dämmerig. Wind kommt auf, die Vögel verstummen, manche Fledermaus kommt aus ihrem Versteck.

„O Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.“ Ohne Licht keine Orientierung, ohne Licht kein Leben. So geht es uns Erdbewohnern bis heute. Wenn es dunkel wird, haben nicht nur Kinder ein bisschen Angst. Auch wir Erwachsenen können ohne Sonne nicht leben. Wenn sie verlischt, sind wir alle in Finsternis verloren.

Die ersten Christen deuteten Jesus Christus als Lichtbringer. Auf Mosaiken sieht man Christus im Strahlenkranz mit Sonnenwagen als sol invictus, unbesiegbare Sonne. Das wünsche ich Ihnen und mir auch in allen Dunkelheiten des Lebens: Eine Sonne, die nie verlöschen kann.

[Text: Julia Neuschwander / Alexander Ebel]

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RPR1 'Angedacht': Unternehmertum - Gott oder dem Mammon dienen?

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Sonntag, 27. Juli 2008:

„Niemand kann zwei Herren dienen – Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Das sagt Jesus in der Bergpredigt. Das klingt nach: Geld, das ist vom Teufel. Als könne nur derjenige wirklich Jesus nachfolgen und wahrhaft gottesfürchtig sein, der auf jeglichen Besitz verzichtet. Und als würde beispielsweise den meisten Unternehmern sicher die Hölle winken.

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Damit scheint alles zum Thema gesagt. Aber jetzt hat die Evangelische Kirche eine Denkschrift veröffentlicht, mit dem Titel: „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“. Zu bestellen oder herunterzuladen auf www.ekd.de. Dort heißt es: „Die evangelische Gestalt des christlichen Glaubens hat zu unternehmerischem Handeln ein positives Verhältnis. Unternehmergeist und das Engagement für das Gemeinwohl sind als Tugenden in der evangelischen Tradition fest verankert.“

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Entscheidend ist das Wörtchen „dienen“. Es geht nicht darum, das Geld ganz allgemein zu verteufeln, die Wirtschaft abzuschaffen, sich nicht um die Altersvorsorge zu kümmern. Aber: Du sollst nicht dein Herz dran hängen. Du sollst das nicht zum Götzen machen, dem du dich unterwirfst, so dass du alles andere vergisst und deinen Mitmenschen gegenüber rücksichtslos wirst. Diene zuallererst Gott; richte an ihm und seinen Geboten dein Denken und Handeln aus – dann gibst du ganz von selbst dem Mammon den Stellenwert, der ihm zukommt.

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RPR1 'Angedacht': Taufe

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Donnerstag, 17. Juli 2008:

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Einerseits. Andererseits ist Sommerzeit auch die Zeit der Feste: der Gartenfeste jedenfalls, und auch die so mancher Familienfeste – Trauungen und Taufen beispielsweise.

Wenn bei Ihnen in der nächsten Zeit auch eine Taufe ansteht, sei es, dass Ihr eigenes Kind getauft wird, sei es, dass Sie Patin oder Pate sein sollen, sei es, dass Sie einfach zu Gast sein werden – dann möchte ich Ihnen etwas zu lesen ans Herz legen, und zwar die erst vor wenigen Wochen veröffentlichte neue Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Sakrament der Taufe, erhältlich zum Beispiel über deren Website, www.ekd.de.

Darin stehen Sätze wie die folgenden:
“Die Taufe ist … eine Gnadengabe, die von der Macht der Sünde befreit, an Christi Kreuz und Auferstehung teilhaben lässt, mit dem Heiligen Geist begabt und in die Gemeinschaft der Glaubenden aufnimmt.” “In der Taufe feiern die Getauften und mit ihnen die ganze Kirche Jesu Christi die Zusage [der] Lebensgemeinschaft mit Gott.” Der Heilige “Geist schenkt Kraft zu Glaube, Liebe und Hoffnung und konkretisiert sich in einer Vielzahl von Geistesgaben.” Er „macht die Getauften auf diese Weise lebenstüchtiger und gemeinschaftstauglicher”. “Die Taufe verheißt und wirkt, dass das gefährdete Leben in Gott bewahrt bleibt und letztendlich gerettet wird.”

Hätten Sie’s gewusst, dass die Taufe noch so viel mehr ist als ein schönes Familienfest?

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RPR1 'Angedacht': Hinter die Oberfläche blicken

Pfarrer Alexander Ebel, Speyer, spricht ‘Angedacht’ bei RPR1 am Mittwoch, 16. Juli 2008:

Völlig zugestaubt war er, der Holzwurm hatte ihm arg zugesetzt, ein Schlüssel fehlte, die Scharniere waren verrostet und kaputt. Die Rede ist von einem alten Küchenschrank. Bis vor einigen Jahren stand er im ehemaligen Kohlenkeller im Haus meiner Großeltern.

Heute ist er das Glanzstück unseres Esszimmers. Er bekam neue Füße und eine neue Platte, neue Beschläge und Schubladenknäufe. Und durch das Abbeizen kam ein hell-warmes Weichholz, wahrscheinlich Fichte, zum Vorschein, das zuvor unter einer Lackierung verborgen lag.

Was mir auch klar wird, wenn ich beim Frühstück sitze und mir das gute Stück so anschaue: wie wichtig es ist, hinter die Oberfläche zu schauen, nicht nur bei so einem alten Möbel, auch bei meinen Mitmenschen. Die schöne Seele hinter dem Staub erkennen, den nicht übersehen, der ausrangiert irgendwo abseits steht. Das heißt: den oder die Andere so sehen, wie Gott ihn oder sie gedacht hat. Sich also darin üben, mit den Augen der Liebe zu sehen.

Dazu muss ich aus meinem gewohnten Trott heraus. Ich muss mich anstrengen, denn ich muss mich dazu zwingen, ganz bewusst den Blick auf etwas oder jemand zu richten, der mir bis dahin gar nicht mehr besonders aufgefallen war. Oder aber ich muss bereit sein, dem Blick eines anderen zu vertrauen, der mir auf die Sprünge hilft und mich für bis dahin Unbeachtetes wieder begeistern kann. So ging es mir mit dem Küchenschrank. Ohne meine Frau – damals Freundin – stünde er wohl heute noch im Kohlenkeller.

Von wem lassen Sie sich auf die Sprünge helfen?

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