RPR1 "Angedacht": Entfalten statt Lifting.

Pfarrerin Kerstin Koenig-Thul, Trier, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 04. Mai 2010.

Mal Hand aufs Herz: Sind sie von sich überzeugt? Wenn ja, seien sie froh, denn die meisten Menschen sind es nicht.

Kein Wunder: Wir alle neigen dazu, bei uns selbst immer nur die Schwachpunkte und bei den anderen immer nur die Stärken zu sehen. Wir sind schwach, die anderen sind stark. Wir sind faul, die anderen sind fleißig. Wir sind verlogen, die anderen dagegen ehrlich.

In Wirklichkeit sind wir nicht besser oder schlechter als andere. Wir wissen bloß mehr über uns: Unseren Neid, unseren Ehrgeiz, unsere Lüsternheit, unsere großen und kleinen Lügen – all das kennen wir zu 100 %. Die Fehler der anderen, kennen wir selten.

Um die Qual dieser stest wiederkehrenden Gedanken wussten schon die Mönche des frühen Christentums. Und deshalb haben sie ihren Schüler folgendes gesagt:

Stell dir vor du bist ein Baum. Mit deiner Spitze ragst du in den Himmel. Wenn ungute Gedanken kommen, nimm sie wahr, aber lass sie ziehen, wie eine vorbeiziehende Wolke.

Die Mönche konnten dies sagen, weil sie verwurzelt waren in der Liebe Gottes. Sie wussten, bei all ihren Fehlern, dass sie von Gott geliebt und wunderbar gemacht sind:

Denn so heißt es im Alten Testament: Ich bin wunderbar gemacht, wunderbar gemacht sind deine Werke und das erkennt meine Seele.

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RPR1 "Angedacht": Freunde zum Gruscheln.

Pfarrerin Kerstin König-Thul, Trier, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 03. Mai 2010.

Facebook, studivz, wer-kennt-wen – Wo sind sie angemeldet?

Nichts gegen soziale Netzwerke im Internet. Sie sind eine Revolution. Noch nie war man so eng mit Menschen verbunden, die so weit weg sind. Alle können sich gegenseitig gruscheln, grüßen oder Nachrichten schicken.

Aber mal ehrlich – welcher von den 100, 200 oder noch mehr Freunden ist für sie da, wenn sie krank sind? Kommt vorbei und schaut nach ihnen? Trinkt mir ihnen ein Bier, wenn es ihnen nicht gut geht?

Um das herauszufinden, schlägt der Arzt und Comedian Eckhart von Hirschhausen die rote Kringel-Übung vor. Die geht so:

Blättern sie in Gedanken ihr Adressbuch durch und kringeln sie die Freunde rot ein, mit denen sie am besten lachen, weinen und auch schweigen können. Und dann rufen sie sie gleich an.

Bei Freunden geht es nicht darum, möglich viele zu haben, sondern möglichst gute. Denn die gehören zu den wertvollsten Dinge, die es auf der Welt gibt.

“Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt,” heißt es im Alten Testament, “wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden.” Und solche Freunde, die kann man gerne gruscheln.

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Rockland Radio "Feels like heaven": Eine ganz simple Regel.

Pfarrerin Kerstin König-Thul, Trier, spricht “Feels like heaven” bei Rockland Radio am Samstag, 30. Januar 2010.

Sie war 16. Blond. Auf ihre Art hübsch. Mit Grübchen um den Mund. Sie saß vor mir und weinte.

Die anderen in der Schule machen sie fertig, sagt sie. Niemand arbeitet mit ihr zusammen. Niemand setzt sich neben sie. Und wenn sie kommt, fangen die anderen an, zu lachen.

„Ich will gar nicht, dass wir Freunde werden“, erklärt sie. „Aber dass sie mir wenigstens Hallo sagen, wenn ich den Raum betrete.“

Das ist Mobbing. Am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein.

Das ist nicht einfach nur schlechte Stimmung – das ist das Letzte: einen Menschen ausgrenzen, schikanieren – nur weil er anders ist. Weil er Pickel hat, eine Brille oder eine Zahnspange trägt, nicht so hip gekleidet ist, sich anders verhält. Oder, weil er irgendetwas besser kann als andere und so mehr Erfolg hat.

Zum Mobbing gehören immer mehrere. Der, der mobbt und diejenigen, die weggucken und nichts dagegen tun. Dabei ist derjenige, der gemobbt wird, auf die Hilfe der anderen angewiesen.

Darauf, dass sie ein Wort aus der Bibel ernst nehmen. Und zwar die goldene Regel. Sie steht im Matthäusevangelium. Und lautet:

„Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“

Eigentlich ganz simple. Oder?

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RPR1 "Angedacht": Eine schmerzfreie Trennung gibt es nicht!

Pfarrerin Kerstin König-Thul, Trier, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Donnestag, 28. Januar 2010.

Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Das ist viel. Es gibt Ehen, da ist es für alle Beteiligten besser, wenn man sich trennt. Und bei anderen denkt man: schade, vielleicht hätten sie es noch geschafft.

Aus welchen Gründen auch immer man sich trennt – es ist nicht einfach. Eine Trennung bedeutet Enttäuschung und Wut über das, was war und das, was nicht mehr sein wird.

Und schnell macht man sich dann Vorwürfe. Die gemeinsame Vergangenheit ist auf einmal nur noch schlecht. Schöne Momente hat es scheinbar nie gegeben.

Das Phänomen, das Menschen sich trennen, ist alt. Schon in der Bibel gibt es Trennungsgeschichte. Eine Geschichte erzählt von zwei Männern: Abraham und Lot. Sie sind gemeinsam mit ihren Herden unterwegs.

Aber dann kommt es zum Streit zwischen den beiden. Sie kommen einander in die Quere. Blockieren sich gegenseitig. Sinngemäß sagt die Bibel: “Sie konnten nicht mehr beieinander wohnen, weil der Raum für das viele, das jeder hatte, zu eng wurde.”

Und so haben Abraham und Lot sich getrennt. Jedoch ohne den anderen schlecht zu reden. Sie haben sich und den anderen in seinem Reichtum gesehen, d.h. in dem, was den anderen ausmacht. Und deswegen konnte jeder den anderen loslassen. Sie haben erkannt, dass jeder seinen Freiraum braucht, um sein Leben weiterleben zu können.

Es ist schwer, sich zu trennen. Eine schmerzfreie Trennung gibt es nicht. Das wäre illusorisch. Aber um den Schmerz erträglicher zu machen, ist es gut, respektvoll miteinander umgehen und in Achtung von einander Abschied nehmen.

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RPR1 "Angedacht": Sex ist keine Sünde!

Pfarrerin Kerstin König-Thul, Trier, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Dienstag, 26. Januar 2010.

Sex ist eine Sünde! Es gibt viele Menschen, die das glauben. Aber es stimmt nicht. Selbstverständlich ist Sex keine Sünde.

Körperliche Liebe, Freude an Sinnlichkeit ist nichts Gottverbotenes. Warum auch? Gott hat uns Menschen wunderbar geschaffen. Weshalb sollte er uns verbieten, dass wir Spaß an unserer Schönheit haben?

Sex ist nicht das Problem. Es ist der Umgang mit ihm. „We are oversexed and underfucked“ sagen Sexualtherapeuten. Übersättigt und unbefriedigt.

Wir werden quasi von Sex überflutet. Und darunter leidet unser Sinn für Erotik. Was leider häufig dazu führt, dass viele Paare keine Lust mehr aufeinander haben.

Die Bibel, vor allem das Hohelied Salomos, erzählt auch von Leidenschaft und Erotik – allerdings ohne ins Detail zu gehen.

„Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Jünglingen. Unter seinem Schatten zu sitzen begehre ich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.“

Das ist nicht prüde oder kitschig, sondern das bewahrt das Geheimnis der Erotik. Sie geschieht im Entdecken und Erkunden des anderen. Und genauso wie der andere sich im Laufe der Zeit verändert, so tut das auch die Erotik je länger ein Paar zusammen ist, je vertrauter beide Partner miteinander sind.

Vertrautheit bedeutet aber nicht zwangsläufig Langeweile.
Im Gegenteil. Vertrautheit ist auch eine Chance, die einen wunderbaren Genuss bedeutet kann.

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RPR1 "Angedacht": Eine ganz simple Regel.

Pfarrerin Kerstin König-Thul, Trier, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Montag, 25. Januar 2010.

Sie war 16. Blond. Auf ihre Art hübsch. Mit Grübchen um den Mund. Sie saß vor mir und weinte.

Die anderen in der Schule machen sie fertig, sagt sie. Niemand arbeitet mit ihr zusammen. Niemand setzt sich neben sie. Und wenn sie kommt, fangen die anderen an, zu lachen. „Ich will gar nicht, dass wir Freunde werden“, erklärt sie. „Aber dass sie mir wenigstens Hallo sagen, wenn ich den Raum betrete.“

Das ist Mobbing. Am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein.

Das ist nicht einfach nur schlechte Stimmung – das ist das Letzte: einen Menschen ausgrenzen, schikanieren – nur weil er anders ist. Weil er Pickel hat, eine Brille oder eine Zahnspange trägt, nicht so hip gekleidet ist, sich anders verhält. Oder, weil er irgendetwas besser kann als andere und so mehr Erfolg hat.

Zum Mobbing gehören immer mehrere. Der, der mobbt und diejenigen, die weggucken und nichts dagegen tun. Dabei ist derjenige, der gemobbt wird, auf die Hilfe der anderen angewiesen. Darauf, dass sie ein Wort aus der Bibel ernst nehmen. Und zwar die goldene Regel. Sie steht im Matthäusevangelium. Und lautet:

„Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“

Eigentlich ganz simple. Oder?

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RPR1 "Angedacht": Zu spät!

Pfarrerin Kerstin König-Thul, Trier, spricht “Angedacht” bei RPR1 am Sonntag, 24. Januar 2010.

Zu spät – Früher dachte ich immer, ein zu spät gibt es nicht im Leben. Das Leben gibt einem sicher noch eine zweite oder sogar noch eine dritte Chance.

Irgendwann kommt sicher die Gelegenheit, dass ich alles klarstellen kann. Mich entschuldigen. Darüber reden, warum etwas schief gelaufen ist. Dem Partner sagen, dass ich ihn liebe. Heute weiß ich, dass es nicht so ist. Irgendwann ist es zu spät.

Ich sehe es zum Beispiel in den Gesichtern auf dem Friedhof. Bei Beerdigungen. Plötzlich gibt es keine Chance mehr, Dinge klarzustellen. Man bleibt zurück mit Fragen und Gedanken, Enttäuschung und Liebe.

Es ist hart, wenn Gefühle nicht geklärt sind. Wenn man nicht mehr sagen kann: Danke, dass es dich gibt. Es ist schön mit dir.

Selbst wenn wir sehr alt werden – irgendwann kann es zu spät sein. Wir leben nicht ewig. Das Leben ist manchmal kürzer als wir denken. Das muss uns nicht deprimieren, aber wir sollten es uns bewusst machen und entsprechend handeln.

Deshalb: Stellen Sie Dinge klar, wenn Sie Zeit haben. Und wenn Sie keine Zeit haben, dann nehmen Sie sich welche.

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